Stress

12. Mai 2018 18:10; Akt: 12.05.2018 18:10 Print

Wegen Online-Handel verunfallen mehr Pöstler

von Stefan Ehrbar - Die Zahl der Berufsunfälle bleibt stabil, ausser bei der Post. Das hängt auch mit dem Online-Handel zusammen. Die Post reagiert nun.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Post-Mitarbeiterin Ly-Tran N. D.* wollte in der Nacht auf den 13. August eigentlich nur eine Maschine bedienen, die Adressen auf Briefen ausliest und sie sortiert. Dann geriet ihr kleiner Finger in der Maschine. «Überall war Blut», erinnert sich die Mitarbeiterin in der Personalzeitung. Sie wurde ins Unispital Lausanne gefahren und operiert. N. D. fiel über Monate aus.

Umfrage
Sind Sie schon während der Arbeit verunfallt?

Solche Vorfälle häufen sich bei der Post. Im letzten Jahr musste der Konzern wegen Unfällen Ausfall-Lohnkosten in der Höhe von 140 Millionen Franken berappen. Die Post zählt jährlich mehr als 2000 Berufsunfälle. Auf 100 Vollzeitstellen kamen im vergangenen Jahr 6,47 Berufsunfälle – fast 20 Prozent mehr als noch zehn Jahre zuvor.

Gefährlich wird es im Winter

Die Zahl der Aussetztage stieg im selben Zeitraum gar um über 20 Prozent. «Der Anstieg gibt zu denken», schreibt die Post. Der Leiter Arbeitssicherheit erklärt die Zunahme in der Personalzeitschrift mit dem gestiegenen Druck in der Arbeitswelt und den immer komplexer werdenden Aufgaben. Im Gegensatz zur Situation bei der Post stieg die Zahl der Berufsunfälle in der ganzen Schweiz im selben Zeitraum mit 2,2 Prozent allerdings kaum. Das zeigen die laufend aktualisierten Zahlen der Sammelstelle für die Statistik der Unfallversicherung.

Post-Sprecher Oliver Flüeler sagt, ein grosser Teil der Betriebsunfälle passiere im Strassenverkehr in den Wintermonaten. An der Spitze stünden dabei Unfälle wegen Ausrutschen, Stürzen, Stolpern, Runterfallen sowie Verkehrsunfälle.

Mehr Unfälle wegen Online-Handel

Mit dem Umbau des Postnetzes gebe es weniger Mitarbeitende am Schalter und in Bürojobs. Demgegenüber bringe der Boom des Online-Handels eine Zunahme von Personal in den Sortiercentern für die Pakete und in der Zustellung. «Es findet eine Verlagerung von den weniger für Unfälle anfälligen Jobs zu den risikoreicheren Zustelljobs statt», sagt Flüeler.

Zudem habe die Post in den letzten zehn Jahren die Firma Presto übernommen. Deren über 10'000 Mitarbeiter seien in der Frühzustellung der Zeitungen tätig. «Gerade in den frühen Morgenstunden beginnen oder sind die Werkdienste erst daran, die Strassen von Eis und Schnee zu befreien. Damit erhöht sich das Risiko, auszurutschen, mit dem Fahrzeug zu verunfallen oder zu stürzen», sagt Flüeler.

Einwärmen vor dem Austragen

In der 10-Jahre-Betrachtung sei auch die demografische Entwicklung zu beachten. Wie in den meisten Unternehmen steige das Durchschnittsalter auch bei der Post. «Bei einem älteren Mitarbeiterbestand nehmen alle gesundheitlichen Risiken zu», sagt Flüeler. Zudem seien Erholungsphasen bei ihnen naturbedingt etwas länger. Im Vergleich zwischen den Jahren 2007 und 2017 müsse man zudem berücksichtigen, dass der Winter 2006/2007 der wärmste seit Messbeginn gewesen sei. Damit habe es dann auch weniger Unfälle gegeben.

Die Post investiere sehr viel in Arbeitssicherheit, sagt Flüeler. Sie rüste ihre Angestellten mit entsprechender Kleidung aus und schule das Personal bis hin zum Umgang mit Hunden. In Paketsortierzentren gebe es Krafträume und Turnprogramme, vor dem Zustellen könnten sich Mitarbeiter aufwärmen. Eben habe die Post zudem die Sicherheitscharta der Suva unterzeichnet.

Für Ly-Tran N. D. ging der Unfall im Sortierzentrum glimpflich aus. Zwar musste die Rechtshänderin zunächst vom Zähneputzen bis zum Schreiben alle Tätigkeiten neu mit links erlernen. Mittlerweile arbeitet sie aber wieder Vollzeit. Ein Netzchen um den Finger trägt sie aber noch heute.

*Name der Redaktion bekannt

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ostmann am 12.05.2018 18:21 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Arbeitsplätze

    Wie wäre es mit mehr Leute anstellen

    einklappen einklappen
  • w8 am 12.05.2018 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ah der Kunde ist also schuld

    ok also wenn ich als arbeitheber zu wenig leute einstelle und es dadurch zu unfällen kommt der kunde schuld. ok interessante Information.

    einklappen einklappen
  • rene am 12.05.2018 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so ein Schwachsinn

    mehr Unfälle wegen zuwenig Personal. wenn mehr Pakete wegen dem Online Handel sind muss mehr Personal eingestellt werden und nicht gleiches Personal muss mehr leisten damit die Chefetage mehr Bonus kriegt

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Neumann am 13.05.2018 23:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stress

    Was genau ist gemeint mit Stress?

  • Märcu A am 13.05.2018 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Post

    Mehr Leute anstellen und nicht bei jedem Dorf die Post schliessen das wär eine Lösung und nicht online schuld geben

  • Märcu A am 13.05.2018 22:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handel

    Online Handel soll schuld sein hihi warum ihr müsst nur nicht alles nach dem Zoll liefern so schnell wen ihr am Donnerstag liefet und nicht alles am Montag

  • P.P am 13.05.2018 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selber schuld !

    die fahren auch wie F1 piloten, wenn es anders sein sollte, sollen alle, aber auch alle sollen streiken und sich wehren.. nur so funktioniert es, alles andere ist traumschloss..

  • Frau am 13.05.2018 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Manager

    Immer noch schneller in noch kürzerer Zeit. Bekommt man ein Burnout, heisst es, dass diese Person ja privat viel zu sehr eingespannt ist.