Cryptolocker-Opfer

15. April 2014 18:12; Akt: 15.04.2014 22:35 Print

«Viren-Erpresser wollen 500 Franken von mir»

Mit digitalen Schädlingen sperren Betrüger die Computer ihrer Opfer und verlangen für die Freigabe der Daten Geld. Eine junge Betroffene erzählt, wie sie in die Falle getappt ist.

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Sind die Daten erst mal in den Händen von Betrügern, braucht es viel Geduld und Geld. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Laut einem Bericht der Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani) ist der digitale Schädling «Cryptolocker» in der Schweiz auf dem Vormarsch. Er verschlüsselt die Daten auf Computern und verhindert damit jeglichen Zugriff darauf. Mit der Sperrung wollen die Drahtzieher von den Opfern Geld erpressen. Auch Sabine Halter * (27) kann ihren Laptop derzeit nicht nutzen, weil ihre Daten in die Hände von Betrügern gelangt sind. «Als ich ihn aufstartete, kam eine Meldung von Interpol, dass ich pornografisches Material von Kindern auf der Festplatte gespeichert hätte.» Ihr Computer sei gesperrt, einen Zugriff erhalte sie erst, wenn sie eine Anzahlung von rund 500 Franken mache.

Die Studentin weiss, dass sie nichts Falsches gemacht hat. «Im ersten Moment war ich geschockt. Aber ich wusste, dass das nicht ernst gemeint ist. Ich habe ja nichts Derartiges auf meinem Laptop gespeichert.» Trotzdem ärgert sich Halter. Auf ihrer Festplatte sind Fotos und Studienunterlagen gespeichert, die ihr am Herzen liegen. Weil sie ihre Daten nicht verlieren will, wird sie sich an einen Spezialisten wenden müssen. Doch dieser kostet ebenfalls rund 400 Franken – fast gleich viel wie der von den Betrügern geforderte Betrag. «Es ist mühsam. Zuerst hatte ich Panik, dann muss ich Geld für nichts ausgeben, dieser Aufwand ist einfach nervig.»

Wie die Daten von Halters Laptop in die Hände der Betrüger gelangen konnten, weiss sie selbst nicht genau. «Ich brauchte ihn selten und war nie auf verdächtigen Seiten. Das einzige Problem ist, dass mein Virenschutzprogramm vor Kurzem abgelaufen ist.» Die Studentin hofft, dass sie mithilfe des Experten wieder an ihre Daten kommt. Doch eines steht für sie fest: «Wenn ich meinen Laptop wieder nutzen kann, werde ich ganz sicher sofort ein neues Virenschutzprogramm installieren.»

Vom Schädling betroffen sind nicht nur Festplatten, sondern auch angeschlossene Datenträger. Laut Melani gibt es bisher noch keine Möglichkeit, sie ohne Hilfe der Betrüger wieder freizubekommen. Trotzdem rät die Meldestelle davon ab, den geforderten Betrag zu bezahlen. Trotzdem kann man sich vor Datenverluste durch Erpresserviren schützen. Als präventive Massnahme sollten Daten extern gesichert werden. Ist das Virus erstmals auf dem Computer, kann es mit einem gängigen Antiviren-Programm entfernt werden. Die Daten bleiben dann allerdings verschlüsselt.

*Name von der Redaktion geändert

(vro)