Ernährungsberaterin klärt auf

22. Oktober 2016 11:33; Akt: 23.10.2016 15:02 Print

«Glutenfreie Diät kann zu Mangelernährung führen»

Jeder kennt jemanden, der ein bestimmtes Lebensmittel nicht essen kann – oder dies zumindest meint. Eine Ernährungsberaterin räumt mit Unverträglichkeiten auf.

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Früher nur im Reformhaus, heute bei allen grossen Detailhändlern: Glutenfreie Lebensmittel bekommt man mittlerweile überall. Schauspielerin Gwyneth Paltrow leidet an einer Gluten- und Laktose-Intoleranz und ernährt sich ausschliesslich von Gemüse. Das verschaffe ihr ein besseres Körpergefühl, sagt sie. Für Menschen ohne Zöliakie lohnt es sich allerdings nicht, auf Gluten zu verzichten. Der Verzehr von Gluten (in Weizen, Roggen, Dinkel u.a. Getreidesorten enthalten) kann Unverträglichkeiten auslösen und zu einer Autoimmunerkrankung führen. Rund 1 Prozent der Schweizer Bevölkerung ist davon betroffen. In Hollywood ist die glutenfreie Ernährung auch bei Models wie Miranda Kerr schwer angesagt. verzehren nur Produkte von Tieren, nicht aber die Tiere selbst. So finden sich zwar Eier, Milch und Honig auf ihrem Teller, aber nicht Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte. Neben den klassischen Vegetariern gibt es zudem noch die Ovo-Vegetarier, die auf Milchprodukte verzichten, und die Lacto-Vegetarier, die keine Eier konsumieren. verzichten auf Nahrung tierischen Ursprungs. Dazu gehören Eier, Tiermilch und Honig, genauso wie die daraus hergestellten Lebensmittel. Zudem lehnen sie auch die Nutzung tierischer Produkte ab. Das reicht von Daunen über Lederschuhe bis zum Wollpullover. Auch Seifen aus tierischen Fetten sind tabu. gehen noch einen Schritt weiter als die Veganer. Sie wollen mit ihrer Lebensweise verhindern, dass auch Pflanzen ihretwegen leiden. Deshalb essen sie nur solche pflanzlichen Produkte, deren Gewinnung die Pflanzen nicht schädigt. Dazu zählen Fallobst, Nüsse und Samen. Bei Honig machen manche Frutarier eine Ausnahme. lehnen Fleischkonsum ab, essen aber Fisch. Auch Honig, Eier und Tiermilch sind erlaubt. In puncto Krebs- und Weichtiere gehen die Meinungen von Pescetariern auseinander: Einige essen sie, andere nicht. sind der Meinung, dass ab und an ein Stück Fleisch schon erlaubt ist. Allerdings geht es den meisten bei dieser Ernährungsweise weniger um den Erhalt tierischen Lebens als um ihre eigene Gesundheit. konsumieren grundsätzlich alle Arten von Lebensmitteln - vorausgesetzt, sie wurden während der Verarbeitung nicht über 40 Grad erhitzt oder sind roh. Auf diese Weise sollen die lebenswichtigen Vitamine und Enzyme erhalten bleiben. essen, was andere wegwerfen. Dies nicht aus der Not heraus, sondern aus Überzeugung. Weiter essen sie Selbstangebautes, Geschenktes und Gefundenes. Mit dieser Ernährungsweise wollen sie auf das Konsumverhalten ihrer Mitmenschen hinweisen. verzichten der Gesundheit zuliebe weitgehend auf Kohlehydrate. Auf dem Speiseplan stehen vor allem viel Gemüse, Salate, Früchte und reichlich eiweisshaltige Nahrung wie Fleisch, Geflügel und Fisch, Milchprodukte und Nüsse sowie Hülsenfrüchte. Ebenfalls konsumiert werden hochwertige Fette und Öle. Logi steht für Low Glycemic and Insulinemic (deutsch: niedriger Blutzucker- und Insulinspiegel). essen ausschliesslich solche Lebensmittel, von denen angenommen wird, dass sie schon in der Steinzeit verfügbar waren: vor allem (Wild-)Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Schalentiere, Eier, Obst, Gemüse sowie Kräuter, Pilze, Nüsse, Esskastanien und Honig. Zu vermeiden sind Milch und Milchprodukte, ausserdem Getreide und Getreideprodukte. Auch industriell verarbeitete Nahrungsmittel sind tabu.

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Frau Stalder, wie viele Menschen in der Schweiz leiden an einer Glutenunverträglichkeit?
Karin Stalder: Von einer echten Zöliakie ist rund 1 Prozent betroffen. Bei diesen Menschen kommt es zu einer chronischen Entzündung der Schleimhaut des Dünndarms, weil ihr Körper überempfindlich auf Gluten reagiert. Sie sind daher ihr Leben lang gezwungen, sich glutenfrei zu ernähren. Daneben gibt es die Glutensensitivität – hier führt das Klebereiweiss bei den betroffenen Personen zu Verdauungsbeschwerden.

Die Regale der grossen Detailhändler sind voll mit glutenfreiem Essen. Ist das gerechtfertigt, wenn man bedenkt, dass nur 1 Prozent wirklich auf glutenfreie Nahrung angewiesen ist?
Es ist toll, dass Betroffene von Zöliakie aus einem vielfältigen Sortiment wählen können. Für alle anderen gilt: Die Nachfrage macht den Markt. Menschen mit Verdauungsbeschwerden suchen die Ursache meist bei der Ernährung und wünschen deshalb Spezialprodukte. Diese können wirklich helfen, aber auch der Lebensstil hat einen grossen Einfluss.

Inwiefern?
Viele Menschen essen hastig, vor dem Computer, ohne sich die Zeit zu nehmen, die der Körper für die Verdauung braucht. Dazu kommt vielleicht eine unausgewogene Ernährung, zu viele Genussmittel, Stress und wenig Schlaf. All dies wirkt sich auf den Stoffwechsel aus.

Ist die Glutenunverträglichkeit nicht auch ein bisschen zu einer Trendkrankheit geworden ?
Ja, manche Menschen verzichten tatsächlich freiwillig – also ohne medizinischen Grund – auf Gluten. Sie folgen einem Trend. Es wird zudem behauptet, eine glutenfreie Ernährung sei gesund, man verliere sogar Gewicht oder bekomme eine schönere Haut. Dazu ist die Datenlage aber unklar.

Was passiert, wenn ich mich als gesunde Person glutenfrei ernähre?
Ist der Speisezettel trotzdem ausgewogen, passiert nicht viel. Unbedacht kann es schlimmstenfalls zu einer Mangelernährung mit gesundheitlichen Folgen kommen.

Demnach haben Lebensmittelallergien und Intoleranzen in der Schweiz gar nicht zugenommen?
Doch, wir beobachten effektiv eine Zunahme. Rund 20 Prozent der Schweizer leiden beispielsweise an einer Laktoseintoleranz, bis zu vier Prozent sind von einer Lebensmittelallergie betroffen. Auch der Anteil an Zöliakie-Patienten ist gestiegen.

Wie erklären Sie sich das?
Die Gründe sind unklar, man geht von verschiedenen Faktoren aus: Wir essen heute anders als noch unsere Grosseltern, tendenziell mehr Fertigprodukte und neue Lebensmittel, auf die man reagieren kann. Gleichzeitig gibt es heute bessere Möglichkeiten, Allergien und Intoleranzen zu diagnostizieren.

In Deutschland boomen Schnelltests: Der Zuwachs liegt 2015 bei 31 Prozent. Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft warnt aber, diese lieferten keine zuverlässigen Ergebnisse. Nur eine Magenspiegelung mit Dünndarmbiopsie bringe Sicherheit. Ist dies auch in der Schweiz ein Problem?
Schnelltests gibt es auch hierzulande. Wir raten aus den genannten Gründen ebenfalls davon ab. Eine medizinische Abklärung und eine Ernährungsberatung sind bei einer Zöliakie unerlässlich, damit die betroffene Person ihre Ernährung richtig umstellen kann. Strikt glutenfrei zu essen ist ein grosser Einschnitt in die Essgewohnheiten und zu Beginn eine echte Herausforderung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Irene Lütolf am 22.10.2016 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich ...

    Ich finde es bedenklich, dass sich Zöliakiebetroffene rechtfertigen müssen. Aufgrund des Trends, besteht die Gefahr der Verharmlosung.

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  • wianve am 22.10.2016 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angst macht eher krank

    Allergien? Aber ein Redbull zum Frühstück scheint offenbar gesund zu sein, wenn man den heutigen Konsum anschaut. Meine Mutter wurde 95 und hat alles gegessen ohne wenn und aber, manchmal war sogar das Datum abgelaufen. Sie hat mit Freude gegessen und frisch und schmackhaft gekocht.

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  • SonjaA am 22.10.2016 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Könnte es ein wenig ums Geld gehen...?

    Aber es lässt sich viel Geld verdienen mit dem ewigen Thema Gesundheit! Heute gehört es zum guten Ton, eine Unverträglichkeit, Allergie, psychische Probleme oder Mangelerscheinungen zu haben. Stolz kaufen junge gesunde Menschen Lebensmittel mit diesem und jenem Pulverchen, das entweder zuviel oder zu wenig darin vorhanden sein muss.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • danmaster am 02.11.2016 02:05 Report Diesen Beitrag melden

    Glutenfrei-Trend

    Meine Frau leidet schon seit 5 Jahren an Zöliakie. Ich finde es merkwürdig, dass sich Leute das teuerere und meistens komisch schmeckende glutenfreizeugs reinhauen. Dabei bringt es überhaupt keine Vorteile sich glutenfrei zu ernähren... Hauptsache mehr Geld ausgeben um irgendeinem Hipstertrend hinterherzujagen und damit den Eindruck wecken, dass es sich dabei um nichts ernstes handelt. Übrigens wurden wir in Kanada in einem Restaurant einmal gefragt, ob sie wirklich kein Gluten verträgt oder ob sie sich nur aus spass so ernährt. Danke ihr GF-Hipster...

  • Eddy am 31.10.2016 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn Bluttest genügt

    Hatte vor ein paar Jahren auch diese Diagnose erhalten. Machte dann eine Magendiopsie und im UNI Spital hat man eindeutig festgestellt, dass es keine Zöliakie. ABER der Arzt im Thurgau welcher mir die Diagnose stellte meinte danach, ach wenn sie mit Glutenfreiem Essen begonnen haben, kann man nichts mehr machen - denn jetzt haben sie Zöliakie.

    • Arztkind am 02.11.2016 14:53 Report Diesen Beitrag melden

      Chabis!

      Dann wechsle den Arzt und vergiss diesen Herrn!

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  • PatBir am 31.10.2016 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum sind immer mehr betroffen?

    Ich habe selber Zöliakie. Viele nehmen uns nicht ernst, weil sie das Problem nicht kennen. Einfach solche Aussagen nicht ernst nehmen. Warum gibt es immer mehr Intoleranzen und Allergien als früher? 1. Nicht nur der Weizen wurde durch Zucht immer mehr aus Preisgründen verändert! Es werden deswegen auch immer mehr Leute darauf reagieren! 2. Die Leute schämen sich heute nicht mehr darüber offen zu sprechen, was sie belastet. Dadurch entsteht der Eindruck von Mode, Chörnlipicker und Spinnern etc. Man sollte die Industrie in die Verantwortung ziehen und dort die Ursachen suchen.

  • Zöliakie am 31.10.2016 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Zöliakie

    Ich habe Zöliakie und verzichte sehr ungern auf Gluten... ist ziemlich mühsam und nervt mich gewaltig. Am Anfang nahm ich das ganze nicht ernst und habe weiterhin Gluten zu mir genommen, bis ich eine Magenspiegelung machen lassen habe (sah ganz schlimm aus).

    • Börni am 31.10.2016 16:47 Report Diesen Beitrag melden

      Zöliakie

      Geht mir genauso. "Gluten essen" schmeckt wirklich. Bei mir wurde vor 4 Jahren eine "leichte" Zöliakie festgestellt und dies im Alter. Merke jedoch sofort, wenn ich mal "gesündigt" habe. Verstehe die gesunden Leute nicht, die sich überhaupt Gedanken machen wie sie anders essen sollen!

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  • r.merz am 31.10.2016 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    abzocke!

    Ich finde das Angebot von guten, glutenfreien Lebensmitteln minimal. Keiner, oder wenige kümmern sich um diese Gruppe. Dann kommen noch die viel zu hohen kosten dazu. Kein Politiker kümmert sich darum, wie man dort abgezockt wird.