Erschwerter Wechsel

16. Juni 2017 05:48; Akt: 16.06.2017 09:45 Print

«Uniform für Zivis ist Schikane»

von D. Pomper / A. Schawalder - Uniformzwang und verlängerter Zivildienst: Der Entscheid des Nationalrats sorgt für heftige Kritik.

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Der Nationalrat will den Bundesrat damit beauftragen, den Wechsel zum Zivildienst zu erschweren. Künftig sollen Militärdienstpflichtige, die erst nach Beginn der Rekrutenschule in den Zivildienst wechseln, nur noch die Hälfte der bereits geleisteten Diensttage anrechnen können.

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Die Befürworter versprechen sich davon weniger Zivildienstgesuche: «Diese Änderung macht den Wechsel während oder nach der Rekrutenschule unattraktiver. Dadurch bleiben mehr Soldaten in der Armee», freut sich Stefan Holenstein, Oberst im Generalstab und Präsident der Schweizer Offiziersgesellschaft (SOG).

Von den Soldaten, die nach der Rekrutenschule das Militär verlassen, gehen rund 60 Prozent in den Zivildienst. Der Rest verlässt das Militär wegen gesundheitlichen Gründen. Mit der neuen Regelung würde die Armee nicht länger umsonst Geld und Zeit in die Soldaten investieren. Die zunehmenden Abgänge stellten ein Problem dar, da sie die Wehrpflicht unterhöhlen, die das Volk 2013 klar bestätigt hat.

«Armee muss ihre Hausaufgaben machen»

Doch der Entscheid sorgt für Kritik: «Einfach den Zivildienst unattraktiver zu gestalten, macht die Armee weder sinnvoller noch nützlicher», sagt Eva Krattiger von der Gruppe für Schweiz ohne Armee Gsoa. «Wenn die Armee dienstleistenden Rekruten und Soldaten den Sinn ihres Einsatzes nicht vermitteln kann, muss sie ihre Hausaufgaben machen statt den Zivildienst anzugreifen», ergänzt Lisa Mazzone, Co-Präsidentin des Schweizerischen Zivildienstverbandes Civiva, die als Nationalrätin (Grüne) auch in der Sicherheitskommission sitzt.

Das Recht auf einen zivilen Ersatzdienst werde weiter eingeschränkt. Mit mehr Militärdienstpflichtigen sei nicht zu rechnen, dafür mit mehr Untauglichen und weniger Zivis.

«Sie beschäftigen sich lieber mit Mode als mit Sicherheit»

Ein zweiter Entscheid des Nationalrats sorgt ebenfalls für rote Köpfe. Demnach sollen Zivildienstleistende, die etwa als Gärtner, Kinderbetreuer, Abwäscher im Spital oder als Musiker im Zirkus tätig sind, künftig während ihres Dienstes für die Öffentlichkeit erkenntlich sein.

Bislang dürfen Zivis Uniformen freiwillig tragen. Im Militär und im Zivilschutz sind sie obligatorisch. «Die Sicherheitspolitische Kommission hat jeden Sinn für Prioritäten verloren. Sie beschäftigt sich lieber mit der Kleidermode von Zivildienstleistenden als mit Sicherheit. Das ist doch absurd!», sagt Nationalrätin Mazzone. Es gehe doch nur darum zu zeigen, dass sie den Zivildienst wie die Armee organisieren wollen, und den Zivildienst zu schikanieren.

Kosten von 1,8 Millionen Franken

Zudem würden hohe Kosten verursacht: Zivildienstleistende seien in über 5000 Institutionen von Spitälern bis hin zu Landwirtschaftsbetrieben sowie in Katastrophen und Notlagen zur Stelle, die ganz unterschiedliche Anforderungen an die Bekleidung stellten. «Eine obligatorische Zivi-Uniform kostet nur und bringt praktische Probleme», schliesst sie.

Eva Krattiger, Sekretärin der Gruppe Schweiz ohne Armee Gsoa, pflichtet ihr bei: «Uniformen für Zivis sind bei der täglichen Arbeit hinderlich und dienen weder der Sicherheit der Bevölkerung noch den Dienstleistenden.» Der Bundesrat, der den Vorstoss abgelehnt hatte, beziffert die Kosten auf 1,8 Millionen Franken.

Die Befürworter relativieren: «Es geht nicht um einen Uniformzwang, sondern um eine einfache Kennzeichnung, zum Beispiel eine Armbinde», so Werner Salzmann (SVP). Der Zivildienst tue Gutes, also sollte er auch erkennbar sein.

Ob tatsächlich ein Uniformzwang eingeführt und der Zivildienst verlängert wird, entscheidet nun der Ständerat.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sunny am 16.06.2017 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wiederholungskurse

    60 Prozent wechseln nach der RS? Könnte das evtl an der Sinnlosigkeit der WKs liegen, liebe Armee?

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  • Ristretto am 16.06.2017 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ein

    Unsinn. Ohne Zivis würde das Gesundheits- und Pflegesystem nochmals Millionen teurer. Zivis können sogar - man staune - im zivilen Umfeld der Landesverteidigung hervorragend eingesetzt werden. Und sowieso sollte man auch Frauen für Zivildienste aufbieten können. Die Herren Obersten sollten sich ein wenig anstrengen beim Denken.

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  • Zivi am 16.06.2017 06:11 Report Diesen Beitrag melden

    Sinvolle Arbeit

    Bin Zivi und wäre sogar froh wenn ich noch länger dürfte. Freue mich auf jeden Zivildienst in Umweltschutz :)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lucas Chédrice am 18.06.2017 14:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schildbürgertum

    Willkommen bei den Schildbürger Anstatt zu überlegen wieso der Zivildienst so beliebt ist, will man ihn beschränken

  • Joschy am 17.06.2017 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dienst

    Ist ja ein Dienst der ein Armee Ersatz Dienst ist. Da ist Uniform normal. Wem das nicht passt kann zahlen.

  • DwT am 17.06.2017 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nur eine Kleidung

    na ja mehr als eine Arbeitskleidung ist es ja nicht...

  • schmre am 16.06.2017 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überlegen bevor kommentieren

    Ihr habt doch keine Ahnung vom Ganzen. Es braucht allebeide und ich möchte auch sehen, mittels Uniform, wo sie hingehören. 1. Armee an der Front mit Beschützer Aufgaben. 2. Zivildienst hinten bei der Bevölkerung mit diversen Aufgaben. ( Sanitäterische, Verpflegerische und Aufräumende usw. 3. Ich lasse mir lieber von einem Uniformierten Zivi helfen, als einer wo ich nicht weiss, ist das jetzt ein Zivi oder ein Vagabund oder eventuell sogar ein Feind.

  • schmre am 16.06.2017 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sparen

    Ihr wollt die Zivis in Jeans und womöglich noch in einem bunten T-Shirt wirken lassen. Wieso haben dann die anderen Gattungen eine Uniform? ( Feuerwehr, Sanität usw.) könnte man auch viele Steuergelder sparen.