Geheimdienstaffäre

05. Mai 2017 11:27; Akt: 05.05.2017 15:11 Print

Schweizer Spion soll seine Chefs getäuscht haben

Die Geschichte vom Maulwurf des NDB in einer deutschen Steuerbehörde sei frei erfunden. Der Partner von Daniel M. erhebt schwere Vorwürfe gegen den Schweizer Spion.

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Hat mit Daniel M. als Kooperationspartner zusammengearbeitet: Der Frankfurter Sicherheitsexperte Klaus-Dieter Matschke. Bild: kdm-group.de

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Die Geschichte um einen Maulwurf im Finanzministerium habe der Spion Daniel M. erfunden, sagt der Frankfurter Sicherheitsexperte Klaus-Dieter Matschke. Der «Nordwestschweiz» zufolge glaubt Matschke, M. habe sich damit beim Nachrichtendienst des Bundes (NDB) brüsten wollen.

Im Haftbefehl des deutschen Bundesgerichtshofs wird M. vorgeworfen, einen Maulwurf im Umfeld des nordrhein-westfälischen Finanzministers Norbert Walter-Borjans eingeschleust zu haben. Damit wollte der NDB an «unmittelbare Informationen über das Vorgehen der deutschen Behörden beim Ankauf sogenannter Steuer-CDs» gelangen.

Wollte «weiterhin angesehen» sein

Matschke, der laut dem Haftbefehl ein Helfer von M. gewesen sein soll, gibt sich davon überzeugt, dass es gar keinen Maulwurf gibt. Den habe Daniel M. erfunden. «Ich glaube, er musste einen Erfolg produzieren, um dort weiter angesehen zu sein.» Also habe M. wohl den «Erfolg» mit der eingeschleusten Quelle bei Norbert Walter-Borjans erfunden. «M. sagte, um seine Ausgaben zu rechtfertigen, das Geld sei in einen Maulwurf investiert worden.»

Er und Daniel M. seien Kooperationspartner, sagt Matschke. «Wenn wir in der Schweiz etwas haben, dann kriegt er das. Wenn er was in Deutschland hat, dann bearbeiten wir das für ihn.» Dies aber nur im Auftrag für Kunden.

«Ein typischer Schweizer»

Daniel M. sei ein «sehr sympathischer, absolut gewinnender Typ. Er wirkt total seriös, ein typischer Schweizer eben.» Matschke habe erst im Lauf des Jahres 2015 erfahren, dass M. für den NDB arbeite, als dieser bei der Schweizer Bundesanwaltschaft in Haft gewesen sei. Der Ex-Polizist hatte sich im Visier der hiesigen Justiz wiedergefunden, nachdem er versucht hatte, über einen israelischen Kontakt Bankdaten zu beschaffen und diese an deutsche Abnehmer weiterzuverkaufen.

Er kenne aber niemanden im Finanzministerium von Nordrhein-Westfalen oder in der Steuerfahndung, sagt Matschke der «Nordwestschweiz». «Ich habe niemals mit irgendjemandem telefoniert. Ich habe überhaupt nichts getan in dieser Richtung.»

Über Steuer-CDs philosophiert

Im deutschen Haftbefehl steht, Matschke habe von den 90'000 Euro, die er vom NDB erhalten hat, 40'000 Euro als Motivationszahlungen an bislang unbekannte, an der Operation beteiligte Personen weitergeleitet. Die restlichen 50'000 Euro habe er selber erhalten.

Der «Nordwestschweiz» gegenüber dementiert Matschke dies: «Ich habe kein Geld gekriegt, keinen müden Euro.» Allerdings habe er sich mit Daniel M. vor Jahren über die Schweizer Steuer-CDs unterhalten. M. habe ihn gefragt, wie er vorgehen würde. Die beiden hätten dann darüber philosophiert. Ansonsten habe er mit der Geschichte nichts zu tun: «Aber auch nicht den Hauch.»

«Spezialist für schwierige Ermittlungen»

Matschke, laut der «Nordwestschweiz» ein «altgedienter und mit allen Wassern gewaschener Spezialist für schwierige Ermittlungen», habe sich vor Jahren unter anderem als Jäger von Stasi-Agenten einen Namen gemacht.

Der Deutsche glaubt, von M. gezielt als Zeuge ausgewählt worden zu sein. «Er wollte jemanden haben, bei dem vom Schweizer Dienst niemand nachhakt. Das war bei mir so: Ich habe keine Kontakte zum Schweizer Nachrichtendienst.»

(oli)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chris am 05.05.2017 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ach neee

    Da hätten wir mal einen etwas spannenden Fall und dann entpuppt es sich als simple Unterschlagung? So schade.

  • Noname Schmitz am 05.05.2017 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizermacher

    Diese Geschichte ist oberpeinlich vom setting bis zum flushing. Die Schweizermacher sind Vorzeigefiguren dagegen. Gibt es denn im ganzen NDB niemand mit "gesundem Menschenverstand" den man hier kurz hätte fragen können, bevor man den Auftrag von U. Rohner & Co. entgegennahm?

    einklappen einklappen
  • Der Alte am 05.05.2017 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Agenten-Thriller

    Hat Matschke die müden 50'000 eventuell nicht deklariert und gerät jetzt auch ins Visier der Steuerfahnder?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ralf am 08.05.2017 07:06 Report Diesen Beitrag melden

    Spione wie wir

    Du meine Güte,da wurde ein kleiner gieriger Informant,der auch noch zu dusselig für den Job war,weil für beide Seiten spioniert,geschnappt,und man macht in der Schweiz ein Gedöns um die Sache,als wäre 007 aufgeflogen.Wenn man sein Job nicht richtig macht und vielleicht noch dazu einen Zweitjob hat,fliegt man.Das ist in der Wirtschaft auch nicht viel anders.

  • Tedsoh am 06.05.2017 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die machen was sie wollen.

    Der Geheimdienst schottet sich 100% ab. Der ist derart geheim, dass nicht mal Kontrollen durchgeführt werden dürfen. In so einem System kann vieles sich selbst und unkontrolliert entwickeln.

  • alpen suchersepp am 05.05.2017 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der Geheimdienstler fragt

    Kann man Chefs täuschen ? Sind die alle mit dem Milchbüchlein doch in die Schule wo sie einander abschauten ?

  • Wo ist, wer ist am 05.05.2017 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    unser Winkelried?

    Da wollte man herausfinden, wie der peinliche Diebstahl der Steuer- CD's überhaupt passieren konnte und 'beauftragte' einen 'Spion'. So weit, so gut - verständlich. Nur, nach dem Auffliegen des Sonderbeauftragten will es keiner gewesen sein. Nicht mal der Ex- Chef des Nachrichtendienstes reklamiert den Einsatz für sich. Im Gegenteil: BR und Parlamentskommission seien informiert gewesen sein. Das sei so akzeptiert, und bleibt dennoch enttäuschend: denn weit und breit meldet sich kein Winkelried. Es ist der BR, die Kommission, die sich die Blamage teilen soll.

  • Fred Heuberger am 05.05.2017 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimmer Finger

    Wir Schweizer hatten damals vergessen einen Aufschrei zu machen als in der Schweiz deutsche Steuerfander am Werk waren.