Vorwürfe gegen Tariq Ramadan

04. November 2017 10:09; Akt: 04.11.2017 10:09 Print

«Wir hatten Sex im Auto, es war unser Geheimnis»

Mehrere Frauen werfen Islam-Professor Tariq Ramadan sexuelle Übergriffe vor. Nun melden sich Schweizerinnen zu Wort: Er soll sie als Minderjährige verführt haben.

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«Wir hatten intime Beziehungen. Auf der Rückseite seines Autos. Er sagte, das sei unser Geheimnis.» So erzählt es Sandra* der «Tribune de Genève». Sie war damals 15 Jahre alt.

Auch Agathe*, damals 18, berichtet von Sex im Auto. «Es war einvernehmlich, aber sehr brutal. Ich hatte blaue Flecken am ganzen Körper.» Bei Claire* seien es mit 17 Jahren Küsse gewesen, ein Jahr später ebenfalls Sex. Lea* erzählt von Berührungen mit 14 Jahren. «Er legte seine Hand auf meinen Schenkel und sagte mir, dass er wusste, dass ich am Abend an ihn dachte, bevor er einschlief.»

Er, das ist Tariq Ramadan. Der Genfer Islam-Professor war lange ein umstrittener Star seines Fachs. Nun hat er mehrere Klagen am Hals. Henda Ayari (40) beschuldigt Ramadan, sie in einem Pariser Hotelzimmer gewürgt, geschlagen und vergewaltigt zu haben. «Es war die schlimmste Nacht meines Lebens.»

Mehrere schwere Missbrauchs-Vorwürfe

Eine 42-Jährige Frau hat ebenfalls Klage eingereicht. Sie berichtet von «Szenen sexueller Gewalt» und «grosser Brutalität». Laut den Anwälte der zwei Frauen gibt es noch mehrere weitere Frauen, die Ramadan Missbrauch vorwerfen.

Die vier Schweizerinnen, die sich jetzt in der «Tribune de Genève» äussern, waren in den 1980er und 1990er Jahren Schülerinnen und Studentinnen von Ramadan. Er unterrichtete in dieser Zeit Französisch und Philosophie an zwei Collèges.

Ramadan bestreitet die Vorwürfe

Gerüchte über sexuelle Beziehungen zu Schülerinnen gab es laut Weggefährten von Ramadan schon früher. Wieso schwiegen die Frauen bis jetzt? Der brillante Ramadan habe sie manipuliert, sagen sie. «Er war ein einschüchternder Mann, der perverse Beziehungs-Tricks benutzte und das Vertrauen seiner Schüler missbrauchte», so Lea.

Ramadan bestritt bisher alle Vorwürfe und hat Klage wegen Verleumdung eingereicht. Auf die Anfrage der «Tribune de Genève» reagierte er nicht.

*Name geändert

(hal)