Lohngleichheit

05. März 2012 13:22; Akt: 05.03.2012 13:27 Print

Frauen wollen ewiges Problem endlich gelöst

Männer verdienen in der Schweiz für die gleiche Arbeit 18,4 Prozent mehr als Frauen. Diese wollen das nicht mehr länger hinnehmen. Sie kämpfen für die Gleichstellung, die es laut Gesetz längst geben müsste.

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Eine Serviertochter in Zürich: Im Schnitt verdienen Frauen in der Schweiz für die selbe Arbeit 18,4 Prozent weniger als Männer. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Ein Bündnis von Frauen aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften will mit der Lohngleichheit vorwärts machen. Frauen verdienen für die gleiche Arbeit noch immer durchschnittlich 18,4 Prozent weniger als Männer. Damit werden gesetzliche Vorschriften verletzt.

«Es bleibt die Tatsache, dass Frauen bereits zu Beginn der Karriere weniger verdienen als die Männer und sich diese Differenz bis auf 30 Prozent erhöht, wenn Frauen in Kaderstellen tätig sind», sagte Ursula Haller, Nationalrätin (BDP/BE) und Mitglied von Business and Professional Women (BPW) am Montag in Bern. Frauen seien nur mit drei Prozent in Verwaltungsräten und mit sieben Prozent in den Chefetagen vertreten.

Offener Brief an Parlamentarier

Die Frauen von BPW haben den 7. März zum Equal Pay Day, dem Tag der Lohngleichheit, in der Schweiz ausgerufen. Nach ihrer Rechnung müssen Frauen - bei 18,4 Prozent weniger Lohn - bis zum 7. März arbeiten, um für gleichwertige Arbeit denselben Lohn zu erhalten, den die Männer schon am 31. Dezember des Vorjahres bekamen.

Zudem wollen Gewerkschaftsfrauen anlässlich des Frauentags am 8. März mit einem offenem Brief die Parlamentarierinnen und Parlamentarier auffordern, ihren Beitrag zur Durchsetzung der Lohngleichheit zu leisten.

Zu der neuen Frauenallianz zählen neben BPW die Frauenkommission des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), die BDP, die CVP- Frauen sowie die FDP-Frauen und die SP-Frauen.

Aufruf an Unternehmen

Das Bündnis fordert die Unternehmen auf, dem noch bis 2014 laufenden freiwilligen Lohngleichstellungsdialog beizutreten und ihre Löhne überprüfen zu lassen. Bisher beteiligten sich nur 20 Unternehmen.

Die SBB etwa will keine Form von Diskriminierung tolerieren und führte im letzten Jahr ein neues System ein, mit dem der Lohn geschlechtsneutral für die Funktion festgelegt wird, wie Markus Jordi von der Konzernleitung sagte.

«Die Frauen haben genug davon, immer noch weniger zu verdienen als die Männer - und dies im Alter auch noch mit tieferen Renten zu büssen», sagte Nationalrätin Franziska Teuscher (Grüne/BE) und Co- Präsidentin der SGB-Frauenkommission.

Die Unternehmen seien gefordert, bis 2014 bei den Löhnen im Rahmen des Lohngleichheitsdialogs Diskriminierungen zu beseitigen. Andernfalls müssten die Gesetze verschärft werden.

Seit 15 Jahren verboten

Nationalrätin Marina Carobbio (SP/TI) und Vizepräsidentin der SP Schweiz wies darauf hin, dass die Gleichstellung seit 31 in der Verfassung verankert und die Lohndiskriminierung seit 15 Jahren gesetzlich verboten ist.

Zwischen 1998 und 2006 habe sich der Unterschied nur um 0,5 Prozent verringert. Bei diesem Tempo werde die Lohngleichheit erst in 91 Jahren erreicht, sagte Carobbio.

Für den Fall, dass sich der Lohngleicheitsdialog nicht bewährt, wollen sich die SP-Frauen für verschiedene Forderung stark machen. Dazu zählt eine Behörde, die ein Klagerecht hat und die gesetzlich vorgeschriebene Lohngleichheit durchsetzen kann, wie Carobbio sagte.

Ferner brauche es eine Verpflichtung zur Offenlegung der betriebsinternen Lohnstruktur, wie das bereits in Österreich besteht. Und die Lohnkontrollen im Rahmen der flankierenden Massnahmen müssten auf die Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern ausgedehnt werden.

(sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Gleichberechtigung in allen Belangen wäre wirklich wünschenswert: gleicher Lohn, gleiches Sorgerecht, Militärdienst und Zivildienst für Frauen und Männer. Eine Frauenquote ist meiner Meinung nach nur gerecht, wenn auch wirklich gleich viele Frauen und Männer in die Chefetage wollen. Ich glaube dies ist so wenig der Fall, wie gleich viele Männer Kindergärtner werden wollen. Falls das Interesse an den entsprechenden Positionen nicht gleich ist, führt das dazu, dass die z.B. die 30% der Frauen die das wirklich wollen, gegenüber den 70 % der Männer die das wirklich wollen, bevorzugt werden. – Reto Riesen

1. Ich möchte wissen, wie Unternehmen die Lohnungleichheit begründen - anonyme Umfrage könnte interessant sein. 2. Wie hoch sind die Kosten die einem Arbeitgeber entstehen, wenn die Frau Mutterschaftsurlaub hat? 3. Dass Frauen schwanger werden können, ist für einen Arbeitgeber u.U. ein Problem - das ist fies, aber dafür ist aber nicht die Gesellschaft verantwortlich, sondern die Natur, also was soll die Diskussion? 4. Wenn eine Führungsposition besetzt werden soll, wie sieht das Verhältnis von männlichen und weiblichen A-Kandidat(-innen) aus? – Chef

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oli D am 06.03.2012 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plötzlich überall Quotenfrauen

    was wenn ich nun in einem fachgebiet mit nur 10% frauenanteil arbeite. wo wäre die gerechtikeit, wenn nun in einem gremium 40% frauen sein müssen: Die studienwahl ist wirklich jedem selbst überlassen. Man kann ja als Mann nichts dafür das die meisten Frauen für ein solches Fachgebiet kein Intresse zeigen

  • Chris am 05.03.2012 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So nicht

    Dann müssen sie aber auch die gleiche Arbeit verrichten und ins Militär und in die Feuerwehr gehen. Mich stört es langsam dass nur auf den Lohn geschaut wird und nicht auch auf eine gleichwertige Arbeit. Eine Anpassung des Pensionierungsalter muss dann auch her, die Frauen müssten eigentlich aufgrund der deutlich höheren Lebenserwartung sogar länger arbeiten als Männer.

  • Reto Riesen am 06.03.2012 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung - aber konsequent

    Gleichberechtigung in allen Belangen wäre wirklich wünschenswert: gleicher Lohn, gleiches Sorgerecht, Militärdienst und Zivildienst für Frauen und Männer. Eine Frauenquote ist meiner Meinung nach nur gerecht, wenn auch wirklich gleich viele Frauen und Männer in die Chefetage wollen. Ich glaube dies ist so wenig der Fall, wie gleich viele Männer Kindergärtner werden wollen. Falls das Interesse an den entsprechenden Positionen nicht gleich ist, führt das dazu, dass die z.B. die 30% der Frauen die das wirklich wollen, gegenüber den 70 % der Männer die das wirklich wollen, bevorzugt werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Matthias Buser am 08.03.2012 01:54 Report Diesen Beitrag melden

    Unsinnige Forderung

    Die unterschiedlichen Durchschnittslöhne gehen auf unterschiedliche Prioritäten bei der Suche nach einem Arbeitsplatz zurück und haben sicher nichts mit Diskriminierung zu tun. Welcher Arbeitgeber wäre denn so blöd und zahlt Angestellten nur deshalb mehr Lohn, weil es sich um Männer handelt? Die Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit ist unsinnig, denn das hieße ja, dass ein Redakteur bei einem kleinen Lokalblatt gleich viel verdienen müsste wie bei der NZZ oder eine Serviertochter in einer Kneipe genauso viel wie im Edelrestaurant! Hört endlich mal auf, mit diesem Thema zu nerven!

  • Reto Riesen am 06.03.2012 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung - aber konsequent

    Gleichberechtigung in allen Belangen wäre wirklich wünschenswert: gleicher Lohn, gleiches Sorgerecht, Militärdienst und Zivildienst für Frauen und Männer. Eine Frauenquote ist meiner Meinung nach nur gerecht, wenn auch wirklich gleich viele Frauen und Männer in die Chefetage wollen. Ich glaube dies ist so wenig der Fall, wie gleich viele Männer Kindergärtner werden wollen. Falls das Interesse an den entsprechenden Positionen nicht gleich ist, führt das dazu, dass die z.B. die 30% der Frauen die das wirklich wollen, gegenüber den 70 % der Männer die das wirklich wollen, bevorzugt werden.

  • Hans Musterman am 06.03.2012 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    Lohn ist Verhandlungssache

    In den meisten Unternehmen wird der Lohn zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei der Einstellung ausgehandelt. Wenn ich 18% weniger Lohn als meine Kollegen habe, ist das wahrscheinlich weil ich weniger gut verhandelt habe, und nicht weil ich ein Mann oder eine Frau bin.

  • Oli D am 06.03.2012 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plötzlich überall Quotenfrauen

    was wenn ich nun in einem fachgebiet mit nur 10% frauenanteil arbeite. wo wäre die gerechtikeit, wenn nun in einem gremium 40% frauen sein müssen: Die studienwahl ist wirklich jedem selbst überlassen. Man kann ja als Mann nichts dafür das die meisten Frauen für ein solches Fachgebiet kein Intresse zeigen

  • DausB am 06.03.2012 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ok aber dan ab ins Militär OBLIGATORISCH

    Zuerst Obligatorisches Militär für die Frauen einführen und dann können wir über die "Gleichberechtigung" in Lohnfragen sprechen.