Toni Brunner

09. Januar 2016 16:55; Akt: 09.01.2016 16:58 Print

Ein «Naturfröhlicher» mit Nähe zu Blocher

Acht Jahre lang hat Nationalrat Toni Brunner die SVP als deren Präsident geprägt. Er fuhr mit der Partei eine rigide Migrationspolitik und galt als einnehmende Persönlichkeit.

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Der scheidende SVP-Präsident Toni Brunner hat die Partei verkörpert wie sonst kaum jemand. Christoph Blocher sah in dem Toggenburger gar den «idealen Bundesratskandidaten». Doch Brunner sagte dazu stets nein und kündigte am Samstag überraschend den Rücktritt als Parteichef an.

Als zweiter SVP-Vertreter zog im Dezember der Waadtländer Guy Parmelin in den Bundesrat ein. SVP-Chef Brunner war zufrieden. Schliesslich sei die Romandie «der grösste Wachstumsmarkt» für die Partei, die bei den Wahlen am 18. Oktober ihren Wähleranteil auf 29,4 Prozent steigern konnte.

Kreis der Unermüdlichen

Brunner hatte das Präsidium 2008 als 33-Jähriger vom heutigen Bundesrat Ueli Maurer übernommen. Damals war Brunner mit zwölf Amtsjahren schon ein gestandener Nationalrat, seit acht Jahren Parteivize und hatte die erst 1992 gegründete St. Galler SVP zum Erfolg geführt.

Der Landwirt hatte bereits bewiesen, dass er etwas von politischer Feldarbeit versteht. Mit Blocher, Maurer und dem damaligen Fraktionschef Caspar Baader gehörte er zum Kreis der Unermüdlichen, die für die Sache der SVP durch die Sääli und Mehrzweckhallen der Schweiz tingelten.

Blochers Ziehsohn an der Front

Man traute ihm die Parteileitung durchaus zu. Brunner war umtriebig, ehrgeizig, diszipliniert. Was ihm an Alter und Reife fehlte, konnte Mentor Christoph Blocher beisteuern. Dieser war damals gerade aus dem Bundesrat geworfen worden und lenkte die Partei aus dem Hintergrund. Da schien es nicht abwegig, Ziehsohn Toni Brunner an die Front zu schicken.

Es dauerte Jahre, bis Brunner aus diesem Schatten heraustrat. In die Mikrofone der Journalisten sagte der SVP-Präsident lange Zeit Sätze, die aus fremden Federn zu stammen schienen. Das ist Vergangenheit: Er spricht längst nicht mehr wie auswendig gelernt.

Geblieben sind die Sätze, sie sind das Rückgrat von Brunners Kommunikation. «Die drei grössten Parteien sollten je zwei Bundesratssitze erhalten», lautet einer, «die unkontrollierte Zuwanderung muss gestoppt werden» ein anderer. Wer Brunner auf solchen Positionen einzukreisen versucht, scheitert an der Schlichtheit des Arguments. Mit einem «Aber» ist ihm nicht beizukommen.

Schalk und echt wirkendes Interesse

Doch anders als bei Blocher provozierte diese Geradlinigkeit weniger Widerspruch. Wer Brunner begegnet, kam kaum umhin, ihn sympathisch zu finden. Sein Schalk und das echt wirkende Interesse am Gegenüber waren allzu einnehmend.

Von Brunner war auch kaum ein böses Wort über den politischen Gegner zu hören, und so sprach unter der Bundeshauskuppel selten jemand schlecht über Toni Brunner. Ein «Naturfröhlicher» sei er, sagte der Solothurner SP-Ständerat Roberto Zanetti.

Brunner verkörperte SVP-Positionen

Doch Brunners politische Positionen waren stets linientreu. Er prägte und trug die rigide Migrationspolitik der SVP, deren antieuropäischen und antiökologischen Kurs und den Einsatz für Armee und Landwirtschaft. In seine Präsidentschaft fallen die rechtsstaatlich heikle Ausschaffungsinitiative, die Masseneinwanderungsinitiative und die Selbstbestimmungsinitiative.

Brunner lenkte mit der SVP die Speerspitze der nationalkonservativen Bewegung. Tradition, aussenpolitische Abschottung, Skepsis gegenüber Eliten und Fremden: Brunner vertrat solche Positionen nicht nur, er verkörperte sie als Landwirt, als Mitbesitzer einer Landbeiz, Initiant eines Ländler-Radios und bekennender Naturbursche.

(sda)