Schweizer Bauern

15. November 2014 22:35; Akt: 15.11.2014 22:35 Print

«Über Homosexualität bei Stieren spricht man nicht»

Ein irischer Stier soll getötet werden, weil er schwul ist. In der Schweiz werden Nutztiere kaum auf ihre Sexualität untersucht. Doch auch hier gilt: Wer nicht kann, landet im Schlachthof.

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Benjy, der irische Stier ist schwul und soll geschlachtet werden. In der Schweiz überprüft man Stiere kaum auf ihre sexuelle Neigung.

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Dass es in Irland einen schwulen Stier gibt, der sich nur für seine gleichgeschlechtlichen Artgenossen interessiert und die Kühe, die er eigentlich besamen sollte, ignoriert, erstaunt Schweizer Bauern. «Von einem ähnlichen Fall habe ich in der Schweiz noch nie gehört», sagt Urs Vogt von Mutterkuh Schweiz, dem grössten Züchter hierzulande. Natürlich komme es vor, dass ein Stier nicht «springe», die Kühe also nicht decke. Dass Homosexualität jedoch der Grund dafür sein könne, sei ihm neu.

Hans Rüssli vom Schweizer Bauernverband sagt, es sei nichts Aussergewöhnliches, dass Zucht-Stiere ihren Job hin und wieder nicht ausführen könnten. «Da wird aber nicht lange gefackelt. Wenn er nicht macht, was er soll, heisst es ‹Ciao› und ab in den Schlachthof.» Dass man einen Stier in der Schweiz je auf Homosexualität untersucht habe, glaube er nicht.

Normalerweise gehe man bei einem Versagen des Stiers davon aus, dass der Bulle aus anatomischen Gründen nicht in der Lage sei, die Kuh zu besteigen. «Vielleicht sind seine Beine zu schwach oder er hat Schmerzen.» Über Homosexualität bei Stieren spreche man unter Bauern jedenfalls nicht.

«Schwule Stiere sind nichts Spektakuläres»

Piero Godenzi, ehemaliger Grosstierarzt mit Kleintier-Praxis in Schaffhausen, hat selbst einen schwulen Papagei in seiner Klinik: «Auch schwule Stiere sind nichts Spektakuläres.» Die Homosexualität im Tierreich sei etwas völlig Normales und Natürliches.

Tatsächlich ist bei etwa 1500 Tierpaaren die Homosexualität wissenschaftlich belegt, beschrieben und ausgewertet. In Jerusalem gibt es ein schwules Geierpaar, das gemeinsam ein Küken grossgezogen hat. In Neuseeland wurden lesbische Möwen in freier Wildbahn dabei beobachtet, wie sie doppelt so viele Eier ausbrüteten, wie es Heteropaare machten.

Weibliche Koalas besteigen andere Weibchen und geben dabei lustvoll rülpsende Laute von sich. Männliche Delfine nutzen das Atemloch zur Kopulation. Rund fünf Prozent der Enten sind schwul und jeder zehnte Widder lässt sich nur mit anderen Widdern ein – dasselbe gilt für Pinguinkolonnien. Es gibt homosexuelle Spinnen, Elefanten, Löwen, Fische, Käfer, Flamingos und Pinguine.

Nicht homosexuell, sondern bisexuell

Doch nicht alle Tiere, die ihre gleichgeschlechtlichen Artgenossen besteigen, sind automatisch schwul: «Man sieht immer wieder, wie Rüden andere Rüden vermeintlich decken. Das hat aber nur damit zu tun, dass, wenn man einen Hund kastriert, er den typisch männlichen Geruch verliert und andere Rüden dann der Meinung sind, es handle sich um ein Weibchen», sagt Godenzi.

Urs Vogt bestätigt: «Kühe besteigen Kühe, Stiere besteigen Stiere, Kühe besteigen Stiere und Stiere besteigen Kühe.» Dieses Verhalten sei vollkommen normal und lasse nicht automatisch auf Homosexualität schliessen. Adrian Steiner, Leiter der Nutztierklinik Vetsuisse Bern, sagt: «Ich würde hier nicht unbedingt von Homosexualität, sondern von bisexuellem Verhalten sprechen.»

Bei Nutztieren sei es durchaus üblich, dass sich Lämmer, Stiere, aber auch Kühe gegenseitig besteigen. Dies sei meist dann der Fall, wenn die männlichen Tiere nicht kastriert seien und die weiblichen Tiere den Eisprung hätten. «Dass sich aber ein Stier nur für andere Stiere und überhaupt nicht für Kühe interessiert, habe ich noch nie erlebt», sagt Steiner. Chantal Häberling von Vier Pfoten hofft, dass Benjy, der homosexuelle Stier in Irland, gerettet wird: «Kein Tier sollte wegen seines sexuellen Verhaltens bestraft oder getötet werden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Metzgerin am 16.11.2014 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur Naiv

    Oh mein Gott. Diese Kommentare bringen mich teilweise echt zum lachen. Na und? Dann landet der Stier halt auf dem Teller. Die empörten Leute hier sind bestimmt alles Fleischfresser. Was glaubt ihr landet auf eurem Teller? Eine Kuh die auf der Weide stand, Tod umkippt, verarbeitet und dann von euch gekauft wird? Oder vielleicht eine diebmit Depressionen leben musste und deshalb von ihrem "Leid" erlöst wurde? Oh mann oh mann manchmal frage ich mich schon was die Leute heutzutags studieren. Viel ist es auf jeden Fall nicht

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  • Max Bodmer am 16.11.2014 05:01 Report Diesen Beitrag melden

    Partnersuche für Stier?

    Ein Bauernhof ist ein Unternehmen. Wenn ein Speditionsunternehmen einen Lastwagen hat der nicht mehr fahrtüchtig ist, wird er ersetzt (wenn nicht reparierbar). Ist klar, ein Tier ist keine Maschine. Was soll dann der Bauer tun? Einen anderen schwulen Stier suchen? Wo findet man andere schwule Stiere? Die gehen nicht in Bars oder den Eurovision Songcontest. Heult nicht so rum und esst das Fleisch!

  • Marc Aebi am 16.11.2014 03:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spider4

    Wenn ich eine männliche Spinne wäre, wäre ich auch homosexuel. Ich will doch vom weibchen nicht aufgefressen werden :-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani am 17.11.2014 01:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt vor dem Tier

    Ich lese hier von Respekt vor den Tieren, von respektlosen Bauern,ich frage mich wiefil Respekt hat der Konsument vor dem Tier (Lebensmittel Fleisch) , warum werden heute bis zu 25% der Schlachtkörper als Tierfutter verwendet? Ist dem Konsumenten bewusst das ein Tier nicht nur aus Filet und Entercot besteht? Sondern das auch Ragu, Haxen, Leber, Nieren, oder Kutteln essbar sind? Und warum schlissen wöchentlich kleine Dorf- metzgerei welche ihre Tiere vom eigenen Dorf beziehen? Weil es respektvoller ist sein Fleisch im Großhandel kaufen wo das Tier bis zu 250km transport wird?

  • Boccuse am 16.11.2014 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht auch anders!

    Mein Lieblingsmenü: Gefüllte Peperoni, oben ausgestochen, mit Füllung aus Reis, andersfarbigen Peperoni-Würfeln, Zucchetti-Würfeln, Zwiebelwürfeln, Shijtake-Würfeln. Die Die Gemüse- und Pilzwürfel anbräteln, mit etwas Salz würzen, gekochten Reis dazu, in die Peperoni füllen, die oben offen sind und während des Zubereitens in einer feuerfesten und leicht geölten Form bereits im auf 200° geheizten Ofen waren. Eine kleine Scheibe Käse oben auf jede gefüllte Peperoni und in den Ofen, bis der Käse schön geschmolzen und goldbraun ist.

    • Vera L. am 16.11.2014 19:26 Report Diesen Beitrag melden

      Leckerbissen

      A propos gefüllt: Kennst Du gefüllte Eier? Hartkochen, schälen, halbieren, Eigelb herauslösen und mit Senf und zum Beispiel wenig Joghurt mischen. Wieder in die Eihälfte einfüllen. Sehr fein zum Beispiel zu Tomaten, Avocado, Salat usw. Und ohne Stier!

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  • Petra am 16.11.2014 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pyramide der Lebewesen

    Was hat das mit Respektlosigkeit zu tun? Ein Löwe hat wohl kaum Respekt vor einer Antilope!

  • Beat am 16.11.2014 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und Kühe

    Immer wieder sieht man Kühe auf Kühe steigen. Werden die auch sofort in de Schlachthof gefahren?

  • Schnuppe am 16.11.2014 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Peoblem?

    Was ist eigentlich das Problem? Kühe werden auch geschlachtet, warum also nicht auch der Stier?