Minarett-Initiative

11. Oktober 2009 22:30; Akt: 12.10.2009 10:49 Print

«Manchmal schwer, neutral zu berichten»«Manchmal schwer, neutral zu berichten»

Laut «Al-Jazeera»- Korrespondent Tamer Aboalenin wird die Minarett-Initiative in der muslimischen Welt als Angriff auf den Islam verstanden.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Herr Aboalenin, was empfanden Sie beim Anblick des Minarett-Plakats?
Tamer Aboalenin: Ich war schockiert. Ein solches Plakat hätte ich niemals erwartet.

Können Sie vor diesem Hintergrund noch neutral berichten?
Es fällt mir schwer. Ich habe manchmal einen ganzen Tag, um meine Formulierungen auf Ausgewogenheit zu überprüfen. Wenn sie provo­kant sind, lösche ich sie raus.

Wie wird die Initiative ­heute in der arabischen Welt aufgenommen?
Sie ruft eine grosse Entrüstung hervor. Wir sind inmitten einer Spi­rale des Aufruhrs. Die Plakate wurden in der ganzen isla­mischen Welt thematisiert, von der Türkei bis nach Malaysia. Viele Muslime sehen in der Initiative einen Angriff auf den Islam. Man sagt: Schaut her, der Westen führt einen brutalen Krieg gegen Afghanistan, im Irak nehmen die zivilen Opfer überhand und jetzt kommt noch eine solche Initiative.

Was passiert bei einem Ja?
Die Schweiz käme auf wirtschaftlicher und diplomatischer Ebene in Schwierigkeiten. Ihre Glaubwürdigkeit bei Friedensverhandlungen wäre angekratzt. Zudem könnten sich viele Muslime sagen: Auf Schweizer Uhren, Schokolade, Käse und Banken können wir verzichten.

Die Initianten argumen­tieren, dass in manchen islamischen Ländern wie Saudi-­Arabien oder Afghanistan nicht einmal Kirchen gebaut werden dürfen. Weshalb ist man dort empört?
Die Empörung rührt vor ­allem daher, dass man nur den Muslimen die religiösen Bauten verbieten will. Buddhisten können bauen, was sie wollen.

(daw/20 Minuten)