Giftige Stoffe

15. September 2016 05:48; Akt: 15.09.2016 07:26 Print

Schweizer Munition macht Polizisten krank

von P. Michel - Deutsche Polizisten übten mit Ruag-Munition, die als krebserregend eingestuft wird. Die GSoA fordert nun Warnhinweise auf den Patronen.

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Über Jahre übten Berliner Polizisten in schlecht durchlüfteten Schiessständen. Weil die Abluftanlagen nicht richtig funktionierten und bei den Sanierungen gespart worden war, waberten nach der Schussabgabe jeweils Giftstoffe wie Kupfer, Zink, Blei sowie Antimon in der Luft. Die Folge: 102 Berliner Beamte mussten aus Gesundheitsgründen den Dienst aufgeben, darunter auch Polizisten, bei denen Krebs diagnostiziert worden war. Ein betroffener Beamter sagte gegenüber der ARD: «Ich fühle mich meines Lebensglücks beraubt.»

Umfrage
Soll die Ruag Munition, die mit Antimon und Blei versetzt wird, aus dem Sortiment nehmen?
28 %
57 %
15 %
Insgesamt 3620 Teilnehmer

Wie die «Berliner-Zeitung» nun berichtet, verwendeten die Berliner Polizisten bei ihren Schiessübungen auch Munition des Typs «Dynamit Nobel 7,62 x 51», ein Produkt des Schweizer Rüstungsbetriebs Ruag. Laut einer Untersuchung des Berliner Landeskriminalamts wurden in diesen Patronen Rückstände von Antimon und Blei nachgewiesen. Antimon steht im Verdacht, höchst krebserregend zu sein.

«Alle Hersteller setzen auf Antimon»

Jiri Paukert, Mediensprecher der Ruag, bestätigt, dass der betreffende Munitionstyp die Stoffe Antimon und Blei enthält, die sich bei der Schussabgabe in der Luft freisetzen. Paukert verteidigt die Praxis: «Alle Hersteller setzen bei der regulären Munition auf Antimon und Blei.» Dies, weil Antimon das Blei härte und so die Durchschlagskraft und Wirkung der Munition erhöhe.

Dass Munition aus Schweizer Produktion zu massiven Gesundheitsschäden führen kann, ist für Lewin Lempert von der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) ein «gravierender Missstand»: «Ruag-Handgranaten landen bei IS-Terroristen, Munition im libyschen Bürgerkrieg und jetzt verursachen auch noch Schweizer Patronen Krebs bei Polizisten.» Man sehe ganz klar, dass die Kontrollmechanismen bei der Ruag nicht funktionierten. Dies sei besonders fragwürdig, weil wohl die meisten Polizisten keine Kenntnis des möglichen Krebsrisikos, das sie im Schiessstand erwarte, hätten. «Da läuft definitiv etwas schief.»

Warnhinweis auf Ruag-Patronen?

Es sei nun dringend nötig, dass auch Schweizer Polizisten, die mit der betreffenden Munition übten, auf die Gesundheitsrisiken sensibilisiert würden, sagt Lempert. «Vielleicht sollte sich die Ruag überlegen, ob sie auf ihren Patronen den Warnhinweis  ‹Kann Menschenleben gefährden› platzieren will.»

Jiri Paukert von der Ruag betont, dass man auch blei- und antimonfreie Munition im Angebot führe. Aufgrund der grossen bestehenden Nachfrage nach der konventionellen Munition will die Ruag jedoch nicht auf den Einsatz der Stoffe verzichten. «Mit einer sachgerechten Lüftung im Schiessstand kann die Schadstoffbelastung auf ein Minimum reduziert werden», sagt Paukert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • G.Nervt am 15.09.2016 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja ne ist klar

    "Weil die Abluftanlagen nicht richtig funktionierten und bei den Sanierungen gespart worden war" Und des wegen soll die RUAG Schuld sein?? Es gibt Toxfreie Munition, die kostet jedoch mehr, wie wärs damit? Es wäre gleich bescheuert, wenn ich jetzt BMW verklagen würde, weil ich mit 250Km/h in eine 80er Kurve fahre und abfliege. Und zur GSOA, aus der Ecke kam noch nie was intelligentes

  • Löö am 15.09.2016 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Also bitte..

    Wenn ich das richtig gelesen habe, sind eigentlich nicht die Giftstoffe das Hauptproblem gewesen sondern die fehlende Belüftung. Was kann Ruag da dafür?

  • Cheshire cat am 15.09.2016 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hört doch auf!

    Im Ernst jetzt? Der Schiessstand ist wohl in einem miserablen Zustand und die Ruag ist Schuld? Liebes 20min, könnt ihr bitte mit dem Bashig endlich aufhören? Langsam nervts!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Ironiker am 15.09.2016 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweck erfüllt

    Munition ist doch dazu da um Leid und Schmerz zuzufügen.

  • Bern Ch am 15.09.2016 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und die mitarbeiter?

    wie sieht es dann bei den mitarbeitern in der ruag aus , wissen sie das? werden sie geschützt? ist jemand schon daran erkrankt?

  • SSIO AON am 15.09.2016 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warnhinweis? Lacher des Tages...

    Bei Anwendung können die Patronen zu Nebenwirkungen wie schwerwiegende Körperverletzungen bis hin zum Tod führen. Kontaktieren Sie vor einnahme Ihren Arzt oder Apotheker. Für Alergiker und Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet.

  • Mafubu am 15.09.2016 09:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recherche täte manchmal gut

    Da wird der Bock wieder mal zum Gärtner gemacht. Wie soll ein GSOA Aktivist eine Ahnung von Munition haben? Das Problem in Berlin ist nicht die Munition sondern der mehr als desolate Zustand der Schiesskeller. Bereits Mitte der 90er Jahre wurde verlangt die Lüftungsanlagen zu sanieren. Die zuständigen Politiker haben die Sanierung bis heute nicht bewilligt. Zudem gibt es schon lange Munition speziell für Schiesskeller, welche sehr viel weniger Giftstoffe abgeben, aber kostet halt etwas mehr. Die 7,62x51/.308" verschiesst zudem kein normaler Polizist sondern nur Präzisionsschützen der SEK.

  • Disi am 15.09.2016 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warnhinweise

    Wusste gar nicht das Munition lebensgefährlich ist.