Sexuelle Belästigung

19. April 2017 05:47; Akt: 19.04.2017 08:22 Print

«Da ist es normal, Frauen in den Schritt zu fassen»

von D. Pomper - 58 Prozent der Frauen haben Angst, nachts allein unterwegs zu sein. 44 Prozent erlebten schon sexuelle Übergriffe. Experten fordern Benimmkurse für Buben und mehr Polizei.

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Eine gewichtete Umfrage von 20 Minuten mit 2500 Teilnehmerinnen zeigt: 58 Prozent der Frauen fürchten sich, nachts allein unterwegs zu sein. geworden zu sein: 41 Prozent wurden sexuell belästigt, drei Prozent wurden vergewaltigt. Warum werden so viele Frauen Opfer sexueller Gewalt? «Es gibt noch immer zu viele Männer, die Frauen und ihre körperliche Integrität nicht respektieren», sagt Daniela Brühwiler von der Frauenberatung sexuelle Gewalt Zürich. Sicherheitspolitiker Thomas Hurter (SVP) fordert, an Risiko-Orten genügend Sicherheitspersonal aufzubieten, damit sich Frauen nachts sicherer fühlten. Noch wichtiger aber sei, Polizeieinsätze im Nachhinein nicht zu verurteilen. «Das führt nämlich dazu, dass Bürger lieber wegschauen als eingreifen.» Wie ein Blick in die Kriminalstatistik 2016 zeigt, wurden letztes Jahr insgesamt registriert. Das bedeutet eine erneute Zunahme gegenüber dem Vorjahr (+8,5%). Die Zunahme ergibt sich insbesondere aus einem Anstieg der unzulässigen Ausübung der Prostitution (18,6%), der Pornografiestraftaten (+15,6%), der sexuellen Belästigung (+12%), der Vergewaltigung (10,5%) und der Förderung der Prostitution. Rückläufige Zahlen zeigen sich beim Exhibitionismus und der sexuellen Nötigung. Bei der sexuellen Belästigung waren von den 705 Beschuldigten 324 Schweizer und 381 Ausländer, darunter 82 Personen aus dem Asylbereich. Bei der sexuellen Nötigung waren von den 544 Beschuldigten 238 Schweizer und 306 Ausländer, darunter 41 Personen aus dem Asylbereich. Bei den Vergewaltigungen waren von den 495 Beschuldigten 197 Schweizer und 298 Ausländer, darunter 51 aus dem Asylbereich.

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Wie sicher fühlen sich Frauen in der Schweiz? Eine gewichtete Umfrage von 20 Minuten mit über 2700 Teilnehmerinnen zeigt: Obwohl die Schweiz als eines der sichersten Länder der Welt gilt, fürchten sich 58 Prozent der Frauen, nachts allein unterwegs zu sein. Am ängstlichsten sind Frauen über 64 Jahre. Von den 18- bis 34-Jährigen geben 59 Prozent an, sich unwohl zu fühlen, bei den 35- bis 49-Jährigen sind es 51 Prozent.

Weiter geben 44 Prozent der Frauen an, schon einmal Opfer sexueller Übergriffe geworden zu sein: 41 Prozent wurde sexuell belästigt, drei Prozent wurden vergewaltigt.

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Wie ein Blick in die Kriminalstatistik 2016 zeigt, wurden letztes Jahr insgesamt 7329 Widerhandlungen gegen die sexuelle Integrität registriert. Das bedeutet eine erneute Zunahme gegenüber dem Vorjahr (+8,5 Prozent). Bei den sexuellen Belästigungen waren von den 705 Beschuldigten 324 Schweizer und 381 Ausländer, darunter 82 Personen aus dem Asylbereich. Auch bei den sexuellen Nötigungen und Vergewaltigungen waren über die Hälfte der Beschuldigten Ausländer. Bei den Exhibitionisten waren über die Hälfte Schweizer.

«Normal, Frauen in den Schritt zu fassen»

Warum werden so viele Frauen Opfer sexueller Gewalt? «Es gibt noch immer zu viele Männer, die Frauen und ihre körperliche Integrität nicht respektieren», sagt Daniela Brühwiler von der Frauenberatung sexuelle Gewalt Zürich. In gewissen Clubs sei es normal, Frauen an die Brüste oder in den Schritt zu fassen. Am häufigsten betroffen von sexueller Gewalt seien 18- bis 29-Jährige, die häufiger im Ausgang unterwegs seien.

Den hohen Anteil ausländischer Beschuldigter bei Widerhandlungen gegen die sexuelle Integrität erklärt sich Brühwiler mit dem Frauenbild, das von der Kultur abhängig sei. «In einigen Kulturen sind Frauen in den Augen gewisser Männer dazu da, deren Bedürfnisse zu befriedigen und immer verfügbar zu sein.»

Man solle sich aber davor hüten, das Bild des fremden Mannes, der aus dem Busch springt und eine Frau attackiert, zu bewirtschaften. «Das ist ein Mythos. Rund 80 Prozent der Frauen kennen den Täter. Er stammt meist aus dem Familien- und Freundeskreis.» Schlussendlich gehe es immer um eine Machtausübung, die natürlich auch unter Schweizern vorkomme. Brühwiler: «Der Mann will der Chef sein und verlangt von der Frau allzeitige Verfügbarkeit.»

Schulkurse und mehr Sicherheitspersonal

Um die Zahl der sexuellen Übergriffe zu senken fordert Brühwiler, dass Buben schon in der Schule lernen sollten, Frauen anständig zu behandeln. «Sie sollen frühzeitig lernen zu kommunizieren, statt übergriffig zu werden.»

Sicherheitspolitiker Thomas Hurter (SVP) dagegen fordert, an Risiko-Orten genügend Sicherheitspersonal aufzubieten, damit sich Frauen nachts sicherer fühlten. Noch wichtiger aber sei, Polizeieinsätze im Nachhinein nicht zu verurteilen. «Das führt nämlich dazu, dass Bürger lieber wegschauen als eingreifen.» Die Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft werde grösser, da niemand mehr die Übeltäter zurechtweise. Auch Ausländer, die in die Schweiz kämen und ein anderes Frauenbild pflegten, hätten sich an die hiesigen Umgangsformen zu halten.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • carlos zapato am 19.04.2017 07:12 Report Diesen Beitrag melden

    Zivilcourage oder zuviel Courage?

    Übeltäter zurechtweisen ist gut. Wer das macht, riskiert ein Messer, Faustschlag oder Fusstritt gegen den Kopf oder ähnlich. So sieht es doch aus.

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  • Reto am 19.04.2017 07:15 Report Diesen Beitrag melden

    Bittere Aussichten

    Leider zeigen die "Einzelfälle" dass es künftig eher schlimmer als besser wird!

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  • Bernereidgenosse am 19.04.2017 07:17 Report Diesen Beitrag melden

    Politiker tragen die volle Verantwortung

    Man sollte die Frage anders stellen: Wo ist der Schutz der Befölkerung ? Wo ist eigendlich die Polizei im Einsatz ? Wenn ich an meine Jugendzeit denke, da sahen wir Abends auch Polizei Präsenz ? Aha, ja die sind ja eher an Fussball-Events, oder an Demos oder wurden schlichtweg politisch einfach abgebaut. Und wer trägt die Verantwortung? Unsere Superpolitiker wer den sonst. Die Zeit wird noch kommen, wo sich jeder Bürger bewaffnen muss/sollte wenn das so weiter geht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomasius am 20.04.2017 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    Eltern

    In der Schule? Wie wärs mit den Eltern? Meine Eltern haben mir gelehrt, wie man mit Menschen umzugehen hat. Macht mal Kurse für Mamma's und Papa's

  • Reh Sonanz am 20.04.2017 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    Lach mich Schlapp

    Von Schweizern lässt sich Frau weder ein schräger Blick noch die klitzekleinste Anmache gefallen, Entrüstung/Konsternation pur! Südländische Kulturbereicherer werden aber fleissig und offensiv "bearbeitet" - und dann dieses Gejammere, v. wg. Belästigung!

  • Robert Burner am 20.04.2017 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Zivilcourage?

    Wer heutzutage Zivilcourage hat, muss auch ein Handy und mindestens einen schwarzen Gurt in einer Kampfkunst haben. Der Rüpel könnte einen selbst ja angreifen. Nur wer hat heute noch Zivilcourage die Zürcher Polizei ganz sicher nicht. Rückblick: Bijouterie Überfall Bahnhofstrasse, Marco Cortessi Aussage musste sich die Polizei selbst schützen. NEIN! Die Polizei ist dazu da das Volk zu schützen und nicht die Kriminellen, aber das macht die Polizei seit den 1980er Krawallen systematisch, immer kommt Sie mit grosser Verspätung und der Standard Lüge: Es ist auch wo anders noch vieles los.

  • S.T. am 20.04.2017 07:22 Report Diesen Beitrag melden

    Frauen nicht immer unschuldig

    Mein Bruder wurde als Kind so erzogen keine Frauen zu schlagen.In der Schule wurde er dann ständig von einem schweizer Mädchen geschlagen und beleidigt.Mein Vater meldete das der Schulleitung mehrere Male,die nahmen es aber nicht ernst.Als es meinem Bruder einmal reichte und er zurück schlug,wurde er sofort bestraft.1 Woche hätte er als Strafe in einem Betrieb arbeiten sollen und die Schule hätte das Geld kassiert.Mein Vater hat das aber nicht so akzeptiert und mit der Polizei gedroht..

  • Zarz am 19.04.2017 22:33 Report Diesen Beitrag melden

    Sexuelle Belästigung durch Frauen

    Ich bin ein Mann und werde auch dauernd von Frauen sexuell belästigt oder mit sexistischen Sprüchen bedacht. Ja, ihr alle tut es, aber ihr merkt es nicht. "Du bist ein starker Mann - kannst Du mir helfen, den Tisch in den Keller zu tragen?". Eindeutig sexistisch. All diese "unschuldigen" Berührungen im Gespräch = sexuelle Belästigung. Es ist halt alles eine Frage der Wahrnehmung.