Miese Masche

28. September 2016 10:10; Akt: 24.10.2016 14:19 Print

Toyota-Betrüger gibt sich neu als VW-Mitarbeiter aus

von Camille Kündig - Der Betrüger, der so tat, als sei er ein irischer Toyota-Mitarbeiter und Leute abzockte, hat seine Masche geändert. Er ist nun «bei VW tätig».

Dieser junge Mann hat dem Betrüger 200 Euro gegeben. Damals gab sich der Ire noch als Toyota-Mitarbeiter aus. (Video: Camille Kündig)
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Ein Betrüger, der sich als irischer Toyota-Mitarbeiter ausgab, bettelte in den letzten Wochen in der Schweiz um Geld für seine Heimfahrt. Das geborgte Geld sahen die Gönner nie wieder. Jetzt hat der Schwindler «John Moloney» seine Masche geändert: Er ist neu «Vertreter bei Volkswagen», fährt aber immer noch einen Toyota.

«Ich war an der Raststätte Gunzgen Nord SO, als mich ein – als solcher gab er sich jedenfalls aus – irischer VW-Vertreter ansprach», erzählt Leser M.B.* «Er trug ein VW-Hemd, zeigte mir eine VW-Visitenkarte und hatte sogar einen Koffer mit dem Logo des deutschen Autoherstellers im Kofferraum.» Er habe ihn gebeten, ihm 600 Euro für seine Rückreise nach Irland zu leihen. Doch sein Auto passte nicht zur Story: «Ich wurde sofort misstrauisch. Welcher VW-Mitarbeiter fährt schon einen Toyota?»

Hier das Kontrollschild, der Ausweis und die gefälschte Visitenkarte des Betrügers.

«Ich versuchte, ihn in eine Falle zu locken»

Ausserdem: «Die E-Mail-Adresse auf der Visitenkarte lautete auf @outlook.com – sehr suspekt. Deshalb hab ich ein Foto seines irischen Kontrollschildes gemacht.» Im Auto habe auch ein circa 15-jähriger Junge gesessen.

Er versuchte dann, dem Betrüger eine Falle zu stellen: «Ich gab vor, ihm das Geld geben zu wollen. Da es an der Raststätte keinen Bankomat gab, habe ich ihn gebeten, mir in seinem Auto zur Post in Egerkingen SO zu folgen. Er willigte ein.»

Während der kurzen Autofahrt verständigte der Leser die Kantonspolizei Solothurn. «Bei der Post angekommen, versuchte ich, so viel Zeit wie möglich zu gewinnen und bat den Mann, doch kurz zu warten.» Da sei er plötzlich wieder zu seinem Auto gelaufen und weggefahren. «Die Polizei war circa drei Minuten später da», bedauert er. Die Kantonspolizei Solothurn bestätigt das Ereignis. Sprecherin Astrid Bucher bittet: «Melden Sie Situationen, die Ihnen verdächtig vorkommen, sofort der Polizei.»

«Sein Auto war ein älteres Toyota-Modell»

Bei VW Schweiz hat man keine Freude an dem Vorfall. Sprecher Christian Frey: «Das ist natürlich sehr dreist. Wir haben nun eine Facebook-Meldung online gestellt, um unsere Kunden sowie andere Leute, die auf den Betrüger stossen könnten, zu warnen.» Ausserdem werde VW Schweiz die Situation weiter beobachten.

Auch Leser und Hoteldirektor W.B.* aus Lissach wurde wegen des Fahrzeugs des Betrügers stutzig. Er lernte den Mann bereits Anfang September kennen. Damals gab sich dieser noch als Toyota-Mitarbeiter aus. «Der Herr wollte bei mir im Hotel übernachten.» Beim Einchecken habe er angegeben, beim japanischen Automobilhersteller zu arbeiten. «Später habe ich auf dem Parkplatz sein Auto gesehen. Es war zwar ein Toyota, aber ein älteres Modell.»

Da habe er gewusst, dass etwas nicht stimmen konnte: «Vertreter von Automobilherstellern haben doch immer die neuste Karre.» Ausserdem: «Ein Junge blieb im Fahrzeug sitzen, während der Mann schon seit circa 30 Minuten auf dem Zimmer war.» Er habe den Iren deshalb aufs Zimmer angerufen und ihn gebeten, sofort für die Übernachtung zu zahlen. «Das wollte der Herr nicht, also hab ich ihn gebeten, seine Siebensachen zu packen und mein Hotel zu verlassen.»

Gleiche Masche, anderer Automobilhersteller

Gleiche Masche, anderer Automobilhersteller: Im September gingen bei 20 Minuten zahlreiche Meldungen bezüglich eines falschen irischen Toyota-Mitarbeiters ein. Er erzählte jeweils, dass er ausgeraubt worden sei und nun Geld brauche, um mit seinem Sohn nach Irland zurückzufahren.

Siobhan Kelly, stellvertretende Leiterin der irischen Botschaft, empfiehlt: «Stösst man auf einen irischen Staatsbürger, der in Geldnot ist, sollte man ihm empfehlen, die Botschaft zu kontaktieren.»

*Volle Namen der Redaktion bekannt.

Wurden auch Sie ein Opfer des falschen VW-Mitarbeiters? Melden Sie sich per Mail an feedback@20minuten.ch und teilen Sie uns auch Ihre Telefonnummer mit.