Vierfachmord Rupperswil

13. März 2017 10:02; Akt: 13.03.2017 10:42 Print

«Haus müsste 100'000 Franken weniger kosten»

von C. Kündig/B. Zanni - Das Haus des Täters Thomas N. steht zum Verkauf. Laut Immobilien-Experten müssen die Käufer über den Vorbesitzer in Kenntnis gesetzt werden.

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Auf einer Immobilien-Plattform kann man seit kurzem das Haus erwerben, in dem Thomas N., der mutmassliche Vierfachmörder von Rupperswil, mit seiner Mutter lebte. Der Verkaufspreis beträgt 715'000 Franken.

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Den Verkauf eines Hauses mit einem solchen Vorbesitzer stellt man sich als heikel vor. In der Wohnungsanzeige ist von den bisherigen Bewohnern nicht die Rede. Laut Immobilientreuhänder René Baumberger sollten die Verkäufer der Immobilie den Interessenten die Vorgeschichte aber offenlegen. «Spätestens wenn die neuen Besitzer mit Nachbarn in Kontakt kommen, werden sie ohnehin die Wahrheit erfahren.» Zudem hätten die Käufer ansonsten das Recht, nachträglich vom Kauf zurückzutreten.

Eine Preisreduktion um 100'000 bis 200'000 Franken sei angemessen

Solche Immobilien zu verkaufen, gestalte sich schwierig. «Häuser mit solchen Vorgeschichten müssen auf jeden Fall zu deutlich tieferen Preisen angeboten werden.» Grob gerechnet halte er eine Reduktion um 100'000 bis 200'000 Franken für angemessen.

«Die Vorstellung, im ehemaligen Zuhause eines mutmasslichen Vierfachmörders zu wohnen, liesse viele Interessenten nicht mehr ruhig schlafen.» Auch könne es Menschen geben, die glaubten, der Geist des Killers schwebe irgendwo im Haus noch herum.

«In einigen Jahren wird es einfacher sein, Interessenten zu finden»

Baumberger geht nicht davon aus, dass das Haus abgerissen wird, sollten keine Käufer gefunden werden können. «Das Haus ist noch keine 30 Jahre alt und deshalb zu wenig baufällig.»

Empfehlenswert sei aber auch, Gras über den Vorfall wachsen zu lassen. «In einigen Jahren, wenn der Mord weit zurückliegt, wird es einfacher sein, Interessenten zu finden.»

Auch bei Tatort-Häusern sollten Käufer informiert werden

Ebenfalls schwierig zu vermitteln können Wohnungen sein, die zum Tatort einer schweren Straftat oder eines Suizids wurden, so wie das Haus der Opferfamilie S.

Erich Weber, Inhaber einer Immobilienfirma, erzählt: «Vor ein paar Jahren hat einer unserer Mieter leider Suizid begangen, in seiner Wohnung.» Auch in solchen Fällen müssten den Nachmietern die Fakten offengelegt werden, sagt Weber. «Ob es sich bei einer Immobilie um das Haus eines Täters oder um einen Tatort handelt, muss dem späteren Mieter oder Käufer unbedingt mitgeteilt werden.» Auch Details, zum Beispiel wo der tote Körper lag, dürften nicht verschwiegen werden.

Dass die früheren Bewohner des Hauses auf der Anzeige des Immobilien-Portals kein Thema sind, findet er aber verständlich. «Wenn man das von Anfang an publik machen würde, fände man wohl gar keine Käufer. Hauptsache ist, dass diese Tatsache bei der Besichtigung erläutert wird.»

Im Ausland wurden so genannte Horror-Häuser schon abgerissen. Adam Lanza erschoss im Dezember 2012 in einer Grundschule im amerikanischen Newton 20 Kinder und sechs Lehrer. Zuvor tötete er in seinem Elternhaus auch seine Mutter. Auf Wunsch der Nachbarn wurde die Villa des Täters abgerissen. Sie hatte sie immer noch an «das Böse, das dort gehaust hat» erinnert.