Studie zum Schweizer Journalismus

09. Januar 2017 10:11; Akt: 09.01.2017 14:31 Print

SRG-Werbeverbot laut TA-Swiss vertretbar

Ein neues Fördersystem und neue Eigentumsmodelle: Die Stiftung TA-Swiss hat sich Gedanken zur Zukunft des Schweizer Journalismus gemacht.

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Unabhängige Medien seien für die Demokratie unerlässlich: Ein Kiosk in der Nähe des Escher-Wyss-Platzes in Zürich. (Archiv) (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

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Angesichts des Medienwandels soll der Staat den Medien finanziell mehr unter die Arme greifen. Das empfiehlt die Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-Swiss). Kein Tabu sieht sie in einem Werbeverbot für die SRG.

Unabhängige Medien leisteten einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung und seien für eine Demokratie unerlässlich, heisst es in der am Montag präsentierten Studie im Auftrag von TA-Swiss. So wichtig Journalismus für die Demokratie sei – so gerieten Medienhäuser zusehends in finanzielle Schwierigkeiten.

Mehr als ein Wirtschaftsgut

Die Studienautoren bezweifeln, dass die Unternehmen künftig in der Lage sind, genügend Ressourcen für unabhängigen Journalismus bereitzustellen. Um diese Voraussetzungen zu sichern, brauche es ein «Infrastrukturprogramm für Journalismus».

«Untätiges Zuwarten dürfte zu weiteren Sparmassnahmen und Konzentrationsprozessen führen», schreiben die Autoren. Medien seien aber mehr als ein Wirtschaftsgut. Entsprechend müsse sich auch Medienpolitik nicht allein ökonomisch begründen lassen. Ziel sollte es sein, ein Mediensystem zu erhalten, das der Schweizer Demokratie gerecht werde.

Direkte Förderung

Die Studie schlägt eine Änderung des heutigen Fördersystems vor: Anstatt auf die ineffiziente indirekte Presseförderung zu setzen, müssten private Zeitungen, Onlinemedien sowie Radio- und Fernsehsender direkt vom Staat unterstützt werden. Als Vorbild sehen die Autoren Förderinstrumente wie in skandinavischen Ländern, die staatsfern und ohne Einfluss auf redaktionelle Entscheidungen funktionieren.

Daneben sollen auch Unternehmen mit alternativen Eigentumsmodellen indirekt vom Staat unterstützt werden. In Frage kämen etwa Steuererleichterungen oder steuerbefreite Spenden. Die Studienautoren denken dabei an Start-ups oder Firmen, bei denen Stiftungen oder Angestellte Miteigentümer sind.

SRG-Werbeverbot vertretbar

Im Falle der Service-public-Medien soll die SRG weiterhin über Gebührengelder finanziert werden. Um die Jungen zu erreichen, müsse die SRG online ohne Beschränkungen ein Video- und Audio-Angebot aufbauen dürfen, heisst es in der Studie.

Sofern die politischen Vorstösse und Initiativen zur Abschaffung oder Halbierung der Radio- und Fernsehgebühren scheitern, wäre aus Sicht der Studienautoren auch ein Verzicht auf Werbung und Sponsoring vertretbar – zumal dies auch der nicht kommerziellen Grundidee des Service public entspreche.

Dialog mit Mediennutzern

Gefordert sind laut der Studie aber auch die Medienbranche und die Bürgerinnen und Bürger. Die Medienhäuser müssten transparent und redaktionell unabhängig sein. Ein ethischer Kodex soll garantieren, dass publizistische und kommerzielle Interessen nicht vermischt werden. Dies könnte das Vertrauen in die Branche nachhaltig stärken und deren Glaubwürdigkeit erhöhen, schreiben die Autoren.

Daneben müssten Medien auch öfters in den Dialog mit dem Publikum treten. Neuere Formen des Journalismus würden eine stärkere Interaktion über Social Media und Kommentarfunktionen erlauben.

Generell ist es für die Autoren zwar unproblematisch, wenn Medien ihre Berichterstattung nicht einzig an den Sorgen der Bevölkerung ausrichten. Themen, die den Menschen unter den Nägel brennen, würde durchaus aufgegriffen. Was fehle sei aber die Einordnung von komplexen gesellschaftlichen Sachverhalten.

Bund beteiligt an Studie

Erarbeitet wurde die Studie von einer Projektgruppe von Forschern der Universitäten Freiburg, Lausanne und Zürich. Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hat sich an der Finanzierung der Studie beteiligt. Die Stiftung TA-Swiss ist ein Kompetenzzentrum der Akademien der Wissenschaften Schweiz.

(mch/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus de la Rosa am 09.01.2017 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Auf keinem Fall: das wäre ja

    ein bedinungsloses Grundkeinkommen für Medienkonzerne die in den letzten Jahren Milliarden verdient haben und sich auch noch politisch aktiv betätigen. Das geht gar nicht! Geht doch in die Weiterbildung oder auf's Sozialamt und lasst euch mal erklären was es heisst sich eine andere Arbeit suchen zu müssen.

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  • Pitsch der Glatzkopf am 09.01.2017 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das

    Die Medien Besitzer sind Milliardäre. Diese sollen noch subventioniert werden. Bin ich im falschen Film.

  • Stefan am 09.01.2017 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch mehr Zwangsmedien?

    Wo soll denn das enden, bei einem 1000.- Franken Medienzwangsabo für alle eingetrieben von der Billag? Damit auch in den Zeitungen so ein Schrott drin steht, wie das SRF sendet?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • No Billag am 10.01.2017 08:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ihr geldgeilen Goebbels könnt mich mal..!

    Gehts noch? Ich sage das gleiche bei der Billag aber: Ich will die an mich gerichtete Propaganda doch nicht selbst bezahlen! Und weil der Werbemarkt sich sowieso langsam von den Printmedien auf das Internet verschiebt (was schon lange individualisierte Werbung, Rabatte usw. durch Analyse des Such- oder Einkaufverhaltens ermöglicht), wird uns eine werbefreie Zeitung hier als geschenktes Guetzli präsentiert. Wirklich frech..

  • Peter Müller am 10.01.2017 01:51 Report Diesen Beitrag melden

    einfach Unfair

    Was für ein komisches System,man erpresst uns mit Zwangsgebühren-TV, als quasi Entschädigung gibt es dafür keine Werbung. Fair wäre wer den Mist anschaut soll auch die Werbung ertragen.

  • Thomas am 10.01.2017 00:55 Report Diesen Beitrag melden

    Copy&Paste Subvention?

    Klar ja alles von Reuters und Co. kopieren, dazu noch 50% Werbung und dann noch Subventionen. Träumt weiter Tamedia.

  • Pascal am 09.01.2017 21:14 Report Diesen Beitrag melden

    Unabhängige Medien?

    Das ich nicht lache: Unabhängige Medien? In der Schweiz gehören so ziemlich alle Medien zu dem Monopol der Tamedia-Gruppe. Das sind keine unabhängige Medien, das meiste wird da eh von Reuters abgeschrieben. Unabhängige Medien findet man nur im Internet und selbst da muss man suchen. Interessant auch diese TA-Gruppe (nie vorher davon gehört). Da werden auch Staatsgelder zum Fenster herausgeworfen. Präsident des Leitungsaussschuss ist Moritz Leuenberger? Das sagt doch alles, oder?

  • Franz W. am 09.01.2017 15:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unabhängige Medien, ist gut...

    Wenn "unabhängige" Medien unterstützt werden, dann wird die Liste sehr kurz sein.