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Grossaufmarsch
22. Mai 2011 08:54; Akt: 22.05.2011 23:52 Print
Rüttelt Grossdemo den Bundesrat auf?
An der grössten Anti-AKW-Kundgebung seit 25 Jahren haben im Aargau rund 20 000 Personen gegen die Atomenergie demonstriert. Dies unmittelbar vor dem Bundesratsentscheid zur Atomkraft.
Fukushima hat die Schweizer AKW-Gegner wachgerüttelt: Über

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Unter den Teilnehmenden am Protestmarsch befanden sich viele junge Menschen und Familien, aber auch ältere AKW-Gegner. Sie waren am Morgen in Sonderzügen und -bussen aus der ganzen Schweiz und dem benachbarten Ausland zum AKW Beznau gereist.
«Die Zukunft ist erneuerbar», «AKW, Nein Danke» oder «Thurgau, Aargau Bezgau» - diese Slogans standen auf den zahlreich mitgeführten Transparenten. Politische Parteien wie SP und Grüne verteilten Fahnen und sammelten Unterschriften für eine Volksinitiative zum Atomausstieg.
Der Aufmarsch sei «grossartig», sagte Leo Scherer vom Organisationskomitee. «Das ist wirklich mehr als wir erwartet haben.» Die
Stimmung wie an Open-Air
An der Abschlusskundgebung auf einer grossen Wiese in Kleindöttingen herrschte am Nachmittag eine friedliche Stimmung wie an einem Volksfest oder an einem Openair. «Die Stimmung ist sehr familiär», berichtet eine Reporterin von 20 Minuten vor Ort. Der bunt durchmischte Aufmarsch von Alt und Jung, darunter viele Familien, sei friedlich und sehr gut organisiert.
Eine Kundgebungsteilnehmerin erklärte, sie sei nach Kleindöttingen gegangen, um gegen die Lügen und Schlampereien der Atombranche zu protestieren. «Ich habe lieber Asthma, als verstrahlt zu werden», sagte sie und forderte die sofortige Abschaltung der Schweizer AKW. Gas-Kombi-Kraftwerke nehme sie dafür gerne in Kauf. Eine Schülerin sagt zu 20 Minuten Online, sie sei durch das Atomunglück in Fukushima erst auf das Problem aufmerksam geworden. «Das Desaster in Japan hat mich richtig aufgeschreckt.»
Politiker und Kulturschaffende auf Bühne
Fukushima sei und werde noch für Jahrzehnte eine «menschliche Tragödie sondergleichen» bleiben, sagte Cédric Wermuth, Vizepräsident der SP Schweiz. Deshalb sei es wichtig, dass heute die politischen Konsequenzen aus «einem der grössten Skandale der Menschheitsgeschichte» gezogen würden.
Nationalrat Geri Müller (Grüne/AG) bezeichnete die Beznauer Atomreaktoren als «Schrottkraftwerke». Unter den Rednern waren auch Veteranen der Anti-AKW-Bewegung wie der Kabarettist Franz Hohler. Er zeigte sich «berührt» über den grossen Aufmarsch. «Ich hoffe, dass es nicht zu rasch wieder verfliegt.»
Auch der Liedermacher Aernschd Born griff gegen AKW in die Saiten - wie früher beim Protest gegen Kaiseraugst. Er gab unter anderem ein Lied zu Fukushima zum Besten. Dabei nahm er die Kommunikation der Atomindustrie aufs Korn: «Mir hän alles im Griff, uff em singgende Schiff; Mir hän alles im Griff, uff em giftige Riff. Mir hebe s'Rueder in dr Hand, mir fahre volli Kraft an d'Wand.»
Grösste AKW-Demo seit Tschernobyl
Die Atomgegner haben sich seit 25 Jahren nicht mehr so zahlreich versammelt: Bei der bislang grössten Demo gegen die Atomkraft versammelten sich zwei Monate nach dem Tschernobyl-Unglück im Juni 1986 über
Ganz anders dieses Jahr - selbst die Polizei lobte die Organisatoren. Der Kommandant der Aargauer Kantonspolizei, Stephan Reinhardt, zog eine positive Bilanz. Die Kundgebung sei absolut friedlich verlaufen. Die Polizei hatte mit einem Grossaufgebot im Einsatz gestanden. Der Protestmarsch wurde auch von einem Polizeihelikopter aus überwacht. Nach Angaben der SBB seien bis zu
Bundesrats-Entscheid am kommenden Mittwoch
Die Grossdemonstration erfolgte unmittelbar vor einem weitreichenden Entscheid des Bundesrats. Am kommenden Mittwoch wird die Landesregierung über die künftige Energieversorgung der Schweiz beraten. Es liegen drei Szenarien auf dem Tisch.
Nach der ersten Variante würden die AKW vor dem Ende der Betriebszeit abgeschaltet und durch neue ersetzt. Die zweite Variante sieht vor, dass die AKW am Ende der Betriebszeit ersatzlos vom Netz genommen würden. Die dritte Variante beinhaltet einen vorzeitigen Ausstieg aus der Atomenergie.
Für welche Variante sich der Bundesrat entscheiden wird, ist offen - der sonntägliche Grossaufmarsch der AKW-Gegner dürfte der Landesregierung aber zu denken geben.
Der Einmarsch auf den Kundgebungsplatz:
Im Grossformat auf dem Videoportal ![]()
(am, ast/sda)



























