Zukunftsmusik

20. Juni 2017 14:25; Akt: 20.06.2017 14:29 Print

So leben die Schweizer im Jahr 2047

von Stefan Ehrbar - Zwei Forscher sagen, wie wir in Zukunft leben. Wir sind seltener krank und haben digitalen Sex, aber keinen Job mehr.

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Wie leben Schweizer in 30 Jahren? Diese Frage stellte sich der «Blick der Frau» 1987. Die Zukunftsforscher Gerd Leonhard und Dirk Helbing wagen nun eine neue Prognose. «Die kommenden Jahre werden eine Phase des Umbruchs», sagt Helbing. Das heutige Finanz- und Wirtschaftssystem habe gute Dienste geleistet, aber sein Erfolg sei nun unser Fluch. Klimawandel und Umweltzerstörung bedrohten die Lebensgrundlage vieler.

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Verkehr: Selbstfahrende Autos werden schon in zehn Jahren zum Standard, so Leonhard. Busfahrer und Piloten sterben aus.

Ausbildung: Die heutige Schule produziert Arbeitslosigkeit, sagt Leonhard. Sie bereite auf Berufe vor, die in Zukunft Roboter erledigen würden. Das ändere sich: «Menschen machen künftig das, was Maschinen nicht können.» Dazu gehören Verhandeln, Empathie und Kreativität.

Arbeit: Technologie wird Routine-Arbeiten ersetzen, so Leonhard. «Die Arbeitslosigkeit nimmt dramatisch zu.» Ein Grundeinkommen sei unvermeidbar. 70 Prozent der Jobs, die es in zehn Jahren geben wird, seien noch unbekannt. Dirk Helbing sagt, heutige Lieferketten würden durch eine Kreislaufwirtschaft ersetzt, in der Ressourcen wiederverwertet werden. Roboter produzierten, was wir zum Leben brauchen. Die Automatisierung kremple den Arbeitsmarkt um. Zusammen mit der noch nicht überwundenen Finanz- und Wirtschaftskrise könnte das System zusammenbrechen – und ohne Rücksicht auf alte Regeln neu erfunden werden.

Freizeit: «In Zukunft werden wir noch ein Drittel der heutigen Zeit arbeiten», sagt Leonhard. Das entschärft Probleme etwa bei der Kinderbetreuung. Zudem werden mehr soziale Projekte geplant oder die Grosseltern gepflegt. Familien werden kleiner und wichtiger, gerade weil mehr Zeit vorhanden ist.

Medien: Das lineare Fernsehen sei bald tot, sagt Leonhard. Bücher werde es immer geben.

Sex und Liebe: Das Bedürfnis nach gemeinschaftlichen Erlebnissen nimmt laut Leonhard zu. Viele befriedigten das in virtuellen Welten. «Statt eine Beziehung zu führen, kaufen sich die Leute einen Sexroboter.» Technologie stelle soziale Erlebnisse zur Verfügung. Virtuelle Welten würden so gut, dass man im wahrsten Sinne des Wortes in ihnen leben könne. Aber nicht alle wollten ihre Partner etwa auf Tinder statt in der Bar kennen lernen. «Technologie kann auch Perversion sein.»

Bevölkerung: «Die Kinder meiner Kinder werden 100 Jahre alt», sagt Leonhard. Der Bund rechnet 2045 mit 10,2 Millionen Einwohnern.

Gesundheit: In 30 Jahren kann man Gene programmieren, sagt Leonhard. Krebs und Diabetes sind dann Vergangenheit. Auch werde es möglich, die Körpergrösse zu bestimmen. Der «Supermensch» wird Realität.

Sicherheit: Der Mangel an Ressourcen in anderen Weltregionen führe zu Flüchtlingsströmen und Terrorismus, sagt ETH-Forscher Helbing. «Während wir diese Probleme in der Vergangenheit fernhalten konnten, kommen sie jetzt näher.» Wir müssten uns nun den Lösungen dieses Problems stellen – mit allen existenziellen Fragen.

Gesellschaft: Die Gesellschaft werde nicht so starr sein wie heute, sagt Helbing. «Wir können ein System bauen, das Ressourcen dahin fliessen lässt, wo sie für die Umsetzung der besten Ideen gebraucht werden.» Technologien würden uns unterstützen, Ideen in Realität zu verwandeln. «Dann könnte es ein Leichtes sein, Träume wahr werden zu lassen.»

Klima und Energie: Für die nächsten 20 Jahre müssen wir die negativen Folgen des Klimawandels wie Überschwemmungen und Flüchtlingsströme ausbaden, glaubt Leonhard. Danach kriege man das Problem mit erneuerbaren Energien in den Griff.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tommy Lee am 20.06.2017 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Zukunftsvisioooooooon

    Und in 30 Jahren wird dieser Artikel wieder hervorgeholt und man findet heraus, dass sich gerade mal 10 - 15% davon realisiert hat.

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  • Milanello am 20.06.2017 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Cyberman

    Dann würde ich mal sagen: Die Zukunft sieht düster aus...

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  • Beat Meier am 20.06.2017 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Bund

    Der Bund rechnet mit 10.2 Mio. Einwohnern. Oh danke. Dann muessen wir also mit noch rund 22 Mio. Zuzuegern rechnen dank der PFZ. Viel Spass 2047.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Z in Z am 20.06.2017 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich vermisse Dich

    Roboter machen den Sex, Kinder kommen aus dem Labor und der Mensch verblödet. So wird es sein.

  • Marcel am 20.06.2017 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nostradamus

    Wenn ich die alten Prognosen sehe vor 40 Jahre wie die Welt heute aussieht, haben Forscher Ihre Aufgaben nicht richtig gemacht.

  • Jazz am 20.06.2017 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    Prognosen behalten

    Bitte behaltet alle Prognosen und im Jahr 2047 das bitte veröffenlichen.

  • TonyS90 am 20.06.2017 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zukunft wird uns trennen

    schon heute fehlt 1. unsere dialog die noch ünrig geblieben ist. 2. beziehingen werden immer kürzer weil sie auf perfektion fixiert sind und 3. die arbeitskrise wird nie ein ende finden und sind auf jede auf sich selber gestellt.

  • Roman am 20.06.2017 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Statistik der Zukunftsforschet

    Was die alles wissen! Je mehr Prognosen, umso eher ist eine richtig.