Hochhausbrand in London

14. Juni 2017 21:04; Akt: 14.06.2017 21:04 Print

«Kein Feuerwehrmann will so etwas je erleben»

Für Hochhäuser gibt es in der Schweiz ein klares Löschkonzept. In einem Fall wie in London stosse dieses aber an seine Grenzen, sagt ein Feuerwehr-Experte.

In der Hardau im Zürcher Kreis 4 hat der höchste der vier Türme 33 Stockwerke. Wenn eine Wohnung brennt, hat die Feuerwehr ein klares Konzept. Anders sieht das aus, wenn mehrere Wohnungen oder gar mehrere Stockwerke brennen würden.
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Wenn praktisch das ganze Hochhaus brennt, sei es fast aussichtslos, Bewohner darin noch zu retten, sagt Feuerwehrkommandant Jan Bauke (siehe Video). Ihn und viele andere Feuerwehrleute in der Schweiz, mit denen 20 Minuten geredet hat, haben die Bilder aus London erschüttert. Es sei ein Horrorszenario, vor dem sich jeder Feuerwehrmann fürchte, so Bauke.

Damit es gar nicht dazu kommt, dass ein ganzes Gebäude in Brand geraten könne, gibt es in der Schweiz zahlreiche Vorschriften, die von der Feuerpolizei immer wieder überprüft werden. In der Hardau im Zürcher Kreis 4 etwa, wo der höchste Turm 33 Stockwerke hat, ist nirgends eine Sprinkleranlage eingebaut. «Der Gesetzgeber schreibt Sprinkleranlagen nur bei bestimmten Nutzungen und Höhen vor», sagt Alain Fuchs, Abteilungsleiter der Feuerpolizei von Schutz und Rettung Zürich.

«Bewohner müssen wissen, was im Brandfall zu tun ist»

Hingegen sind in der Hardau Rauchdetektoren Pflicht. Löst die Brandmeldeanlage Alarm aus, hören das nicht nur die Bewohner. Auch die Feuerwehr wird alarmiert. Gleichzeitig wird das Sicherheitstreppenhaus druckbelüftet. Fuchs: «Der Überdruck stellt sicher, dass im Brandfall kein Rauch ins Treppenhaus gelangen kann und die Fluchtwege frei bleiben.»

Ausserdem hat es Löscheinrichtungen im Haus und Einsatzpläne für die Feuerwehr. Laut Fuchs von der Feuerpolizei ist es aber auch wichtig, dass die Bewohner richtig instruiert sind. «Sie müssen wissen, was im Brandfall zu tun ist.» Dies sei Aufgabe der Liegenschaftenbesitzer oder der -verwaltung. Wichtig sei, dass die Lifte nicht benützt würden. Der Feuerwehrlift, der ausschliesslich für die Feuerwehr sei, sei eine Ausnahme. «Dieser verfügt über eine eigene Stromversorgung und wird durch Überdruckluft vor Rauch geschützt.»

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sulejka am 14.06.2017 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Großbrand

    schrecklich was da jeder einzelne Helfer und Feuerwehrmann erleben musste, seit gestern Nacht, unvorstellbar wenn man die Menschen sieht die verzweifelt winken und dem Tod entgegen sehen. Mein Empfinden ist in Worten nicht auszudrücken. R.I.P. all of them.

  • waseis am 14.06.2017 21:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Will ich definitiv nicht!!!

    Ich als Atemschutzgeräteträger würde mich nicht damit abfinden können und könnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, mit meiner Ausbildung und ständigen Übungen unter Atemschutz dem Einsatzleiter bei solch einem Horroreinsatz seinem Befehl das Gebäude nicht betreten zu dürfen. Ich wäre nach diesem Einsatz ein komplettes Frack. Wir werden top Ausgebildet und das einzige was dann noch Zählen würde ist eigene Sicherheit, obwohl wir die Mittel dazu hätten. Mein Respekt gilt sämtlichen Feuerwehren die an diesem Einsatz sind und nicht Helfen konnten bzw nicht durften! Viel Kraft an euch!!!!

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  • M.G. am 14.06.2017 21:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brandschutz für Hochhäuser

    ist etwas anderes als für normale Häuser. Allein schon die Kaminwirkung in Aufzugs- und Versorgungsschächten erzeugt ganz andere, gefährlichere Umstände als bei einem Mehrfamilienhaus. Und wenn in mehreren Etagen die Inneneinrichtung brennt kann jede Form von Baumaterial seine Tragfähigkeit verlieren weil so etwas extrem hohe Temperaturen erzeugt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • jane77 am 15.06.2017 06:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alarm

    man müsste in jedem stockwerk einen lauten alarm haben welcher immer überall angeht sobald ein feuer ausbricht

  • Klaus Wolfgang Frankreich am 15.06.2017 06:27 Report Diesen Beitrag melden

    Ja Ja mit Lift nach oben ?

    Ja aber das Feuer hat sich ja von Unten nach oben Bewegt !!da wahr nichts mehr mit Lift nach oben die Feuerwehr Leute währen ja selber in Gefahr gekommen !! wie damals bei Tela Brand da sind auch 5 Feuerwehr Leute Verstorben !!

    • Markus im AG am 15.06.2017 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klaus Wolfgang Frankreich

      Nur ist Tela nicht mit dem Hochhausbrand vergleichbar. Tela war ein Unfall mit Gabelstapler an einer Sektortüre dannach war ein Glimmbrand unbemerkt über 24 Std. dannach waren löscheinsätze der Betriebsfeuerwehr und erst wiederum Stunden Später wurde Alarm für die Regionalfeuerwehren ausgelöst. Der Papierabfallberg ( gelöschtes Papier) wurde in offenen Güterwagen richtung Osten ca14 Tage später in Rupperswil AG und nochmal in der Region SG. angehalten und durch die Feuerwehren vor Ort nachgelöscht der Inhalt feuerte erneut. Das schlimmste an Tela ein Gericht hat dannach den FW Einsatzleiter Schuldig gesprochen und sowas verstehe ich nicht. Aber in Schweizerhalle war es nicht anderst. Die Löschmanschaft war schuld an der Umweltverschmutzung und auch dieser Kommandant war vor Gericht schuldig.

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  • Firefighter118 am 15.06.2017 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprinkler in JEDEM Hochhaus!!!

    Was ich nicht verstehe: Als Feuerwehrmann Ad verstehe ich nicht, warum in Hochhäuser (gleich welche Höhe) GENERELL Sprinkleranlage nicht vorgeschrieben ist. Die Sicherheit sollte KEIN Kostengrund sein. Eine Autodrehleiter der FW geht bis auf 30m (entspricht ca 12 Stockwerke). Wenn man weiss wie lange es braucht von der Alarmierung bis die FW am BRANDHERD ist (je nach Höhe kann das mehr als 20 min sein), würden Spinkler den Brand nach spätestens 2 min löschen. Nicht zu vergessen der Rauch: 3 * einatmen und man ist bewustlos und stribt.

    • Skywalker99 am 15.06.2017 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Firefighter118

      das ist auch in England Vorschrift-Für alle neuen Wohnhäuser über 30 m.

    • Beobachter am 15.06.2017 08:29 Report Diesen Beitrag melden

      Kosten-Nutzen-Rechnung

      Ich vermute es ist eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Wobei wohl nicht die Kosten der Instalation relevant sind sondern die Kosten von Fehlfunktionen (Wasserschaden). Ich wohne in England und kann dir sagen das der Feueralarm sehr oft ab geht. Fehlalarm. Ich war schon drei oder viel mal bei einer Evakuierung eines Spitals und einmal bei einem Kaufhaus. Die Uni war auch immer wider von Fehlalarmen betroffen. Jetzt stell dir vor alles sei nass und zertört. Und das immer mal wider. Der Brand ist schlimm aber man hätte das Desaster mit viel weniger Aufwand verhindert können

    • JustMe am 15.06.2017 09:10 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht mal BMA ist sicher

      in hohen Häusern der Schweiz... soll jeder in seiner hippen, zentral gelegenen Wohnung mit Weitblick mal an die Decke schauen und sich informieren, ob eine zentrale Brandmeldeanlage existiert, welche alle Bewohner bei Brand warnt...

    • Firefighter118 am 15.06.2017 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beobachter

      Ich kenne das mit Fehlalarme (60% von allen Alarme war Fehlalarm) dies bei ca 150 - 200 Alarme pro Jahr (4. Grösste Stadt vom Kt Zürich). Trotzdem haben wir JEDEN ALARM ernst genommen. Wasser-, Brandschaden wird von der Versicherung bezahlt. LEBEN IST UNBEZAHLBAR. Lieber 1 (Fehl)alarm zuviel, als eine ERNSTER (Richtiger) Alarm zuwenig.

    • Firefighter118 am 15.06.2017 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @JustMe

      Hmm es würde schon genügen 1 Rauchmelder pro Wohnung (nähe Schlafzimmer), aber JEDER meint "bei mir brennt es nie" - Bei mir explodierte mal (vor 30 Jahren) ein Kühlschrank (Sibir -Fehlkonstruktion, Temperaturmelder oberhalb Lampe) und löste einen Brand aus. Zum Glück war ich nicht zu Hause. Wo immer ich wohne wird eine Brandmeldeanlage in der Wohnung installiert mit Innen-Sirene!!!!

    • Feuerwehroffizier am 15.06.2017 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Firefighter118

      Ich muss Sie korrigieren . Es gibt keine Fehlalarme !! Die Brandmeldeanlagen die Alarm auslösen haben als Ursache immer einen Grund .

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  • Orwell1984 am 15.06.2017 06:02 Report Diesen Beitrag melden

    Seit ich in den 7. Stock gezogen bin...

    möchte ich mir Abseil-Equipment zulegen. Weiss jemand was das kostet? Nicht dass ich in Panik lebe, aber ab und zu kommt der Gedanke eines Brandes ohne Weg nach unten wieder hoch.. Ist doch ziemlich hoch aufm Balkon..

    • panik am 15.06.2017 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Orwell1984

      und was bringt es, wenn man dann nicht weiss wie benützen??? in panik es auszuprobieren ist kein guter gedanke.

    • JustMe am 15.06.2017 09:12 Report Diesen Beitrag melden

      Bringt wohl mehr, wenn Du Dich punkto

      Brandschutz in Deinem Gebäude informierst und auch mit den Nachbarn redest... Der Balkon ist bei einem Brand nicht ideal...

    • Markus im AG am 15.06.2017 09:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Orwell1984

      Die beste art Ihrer Selbstrettung für alle Bewohner Ihrer Wohnung Fluchthauben wie sie die Feuerwehr hat. Geht für Rauch aber nicht für offenes Feuer auf dem Fluchtweg.

    • Pascal Kletterer am 15.06.2017 09:33 Report Diesen Beitrag melden

      Am besten einen Kletterkurs machen

      Also 20m Sportkletter Seil und Gstältli in Aktion sind etwa 90.-. Aber das mit dem Abseilgerät wird für den Laien schwierig und teuer. Denn die güstige Variante klappt nicht ohne Klettererfahrung. Und auch die teuren sind in Nostituationen ohne Erfahrung nicht ganz ohne. Nur schon wenn das Seil in die falsche Richtung läuft ist z.B. ein Grigri auch tödlich. Am besten einen Kurs machen.

    • fluk am 15.06.2017 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Orwell1984

      musst dir keine sorgen machen. bis in den 7. stock sollte die feurwehr deines dorfes oder der näheren umgebung ausgerüstet sein mit einer autodrehleiter oder einem hubretter. im brandfall also auf den balkon (oder zum rauch abgewanten zimmer) gehen, sich bemerkbar machen und auf deine rettung warten.

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  • Ernesto am 15.06.2017 06:00 Report Diesen Beitrag melden

    Brand in Hochhäusern

    Bei sehr hohen Gebäuden reichen die Gerätschaften der Feuerwehren nicht um einen Brand Wirkungsvoll zu löschen und das löschen von innen ist zu gefährlich. Das einzige Wirksame gegen solche Brände sind Wassertanks auf den Dächern dieser Gebäude. Diese können im Brandfall automatisch geöffnet werden.

    • Reto Petitprince am 15.06.2017 07:28 Report Diesen Beitrag melden

      Innenangriff !

      Sie wissen schon, dass in einem Hochhaus in der Schweiz, Steigleitungen eingebaut sind. In aller Regel hat es auf jedem Stock einen Anschluss, wo das Löschwasser entnommen werden kann. Und doch, Innenangriff ist die normale Vorgehensweise.

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