Für Minder wirds eng

13. Januar 2013 01:44; Akt: 13.01.2013 10:47 Print

Vorsprung der Abzocker-Initiative schmilzt

Noch hat Thomas Minder eine Mehrheit hinter sich: 54 Prozent wollen die Abzocker-Initiative laut einer neuen Umfrage unterstützen. Doch die Economiesuisse-Kampagne bringt offenbar viele Leute ins Grübeln.

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Thomas Minder muss sich Sorgen machen: Der Trend spricht nicht für seine Initiative. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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Auf den ersten Blick sind es erfreuliche Zahlen für Thomas Minder, den Vater der Abzocker-Initiative: Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Isopublic im Auftrag des «SonntagsBlick» würden zurzeit 54 Prozent der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger bei der Abzocker-Initiative ein Ja in die Urne legen. Nur 30 Prozent der Befragten, die «ganz sicher» oder «wahrscheinlich» abstimmen wollen, würden die Vorlage ablehnen. Jeder sechste Schweizer (16 Prozent) hat demnach noch keine Meinung.

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Auch das Ständemehr würde die Initiative wohl erreichen, wenn heute abgestimmt würde: In der Deutschschweiz liegt die Zustimmungsrate bei 53 Prozent (bei 32 Prozent Nein), in der Westschweiz sogar bei 55 Prozent (bei 26 Prozent Nein).

Bereits 23 Prozentpunkte eingebüsst

Der Haken an den Zahlen ist aber, dass sie einen aus Sicht von Minder negativen Trend bedeuten: Im Mai ergab eine Umfrage des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse noch eine satte Mehrheit von 77 Prozent für die Initiative. Diese hat also seither ganze 23 Prozent-Punkte verloren. Offenbar bewirkt die massive Kampagne von Economiesuisse bei vielen Bürgern ein Umdenken.

Minder könnte damit zum Opfer eines typischen Phänomens bei Volksinitiativen werden: Sie starten häufig mit hoher Zustimmungsrate – doch sobald die Nein-Kampagne warm läuft und die Gegner ihre Argumente auf den Tisch legen, wirds eng. Für die Abzocker-Initiative spricht jedoch weiterhin, dass sie seit mehreren Jahren ein grosses Thema ist und viele Bürger sich entsprechend schon vor längerem ihre Meinung gebildet haben.

Was machen die bürgerlichen Wähler?

Für den Ausgang der Abstimmung wird entscheidend sein, ob die Eliten von CVP und SVP, die für den Gegenvorschlag eintreten, ihre Wählerschaft überzeugen können. Laut der Isopublic-Umfrage würden die Anhänger beider Parteien derzeit die Initiative mit 60 Prozent (FDP), respektive 58 Prozent (SVP) deutlich annehmen. Die FDP muss sich weniger Sorgen machen: Immerhin drei Fünftel ihrer Wähler wollen ein Nein in die Urne legen.

Auf der Linken kann Minder sowieso auf breite Unterstützung zählen. Unter den SP-Anhängern geniesst seine Initiative mit 69 Prozent Ja-Anteil ungebrochen grosse Unterstützung. Möglicherweise wird jedoch das Engagement der sozialdemokratischen Galionsfigur Simonetta Sommaruga der Initiative bis zur Abstimmung am 3. März ein paar Prozentpunkte kosten: Die Justizministerin vertritt im Auftrag des Bundesrates dessen ablehnende Haltung.

(hhs/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter2106 am 13.01.2013 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht verdient

    Die Bevoelkerung hat genug von Typen wie Vasella & Co. Solch horrende Entschaedigungen sind nicht mehr verdientes, sondern Anderen auf irgend eine Weise gestohlenes Geld.

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  • paul am 13.01.2013 03:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich

    Als Auslandschweizer frage ich mich doch sehr, ob die Schweiz sich wirklich selber zerstören will.. Unsere Demokratie scheitert, da die Bürger einfach zu doff werden. Schade...

  • Mike Finley am 13.01.2013 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Staatseinmischung nein!

    Obwohl mir der "Winkelried" Minder eigentlich sympatisch ist bleibe ich meiner grundsaetzlichen Ueberzeugung treu: Der Staat hat sich nicht in mein Leben einzumischen! Deshalb werde ich nein stimmen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Karli am 14.01.2013 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Kasperletheater

    Dann haben die Firmen morgen alle eine Holding die nur aus Chefs und ein paar Tipsen besteht, der rest wird ausgelieder und schon ist alles wieder fein Gesetzeskonform.

  • Ernst Frischknecht am 14.01.2013 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    auch vom Staat

    Ja die Abzockerei muss endlich afhören, auch die jenige von Staat.

  • petr am 14.01.2013 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Economiesuisse rules

    diese Abstimmung geht verloren! Traurig aber wahr! Money talks! Und die Menschen möchten sich beeinflussen lassen, auch wenn sie das selber von sich nicht behaupten würden! Die heutige Gesellschaft ist zu egoistisch, und wahrscheinlich deshalb auch zu blöd! Ich sehe eine schwarze Zukunft voraus....

  • Richter am 14.01.2013 07:42 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Angstmacherei

    Und jetzt wird so lange Angst gemacht, bis alle klein beigeben und die Initiative abgelehnt wird. Kennen wir ja schon von anderen Initiativen, die durch Angstmacherei zu Fall gebracht wurden. Schade, dass das Volk da nicht mehr selbstvertrauen hat.

  • Thomas B. am 14.01.2013 06:39 Report Diesen Beitrag melden

    Thomas Minder hat völlig Recht!!

    In die UBS wurden 36 Milliarden investiert - um sie zu RETTEN. Dennoch wurden im GLEICHEN Jahr bereits wieder Boni in Millionenhöhe gezahlt. Weshalb? Weil ja die Manager einen "tollen Job gemacht haben". Das Volk muss bluten, die AHV und PK sind in Gefahr. Aber anstatt dass der Staat 1-2 Milliarden quersubventioniert sollen wir ja bis 70 oder noch länger arbeiten. Hört doch auf! Es ist zum heulen in der Schweiz!