Hanf-Initiative

21. April 2016 07:56; Akt: 21.04.2016 13:10 Print

«Cannabis ist die Vorstufe zu harten Drogen»

von D. Waldmeier - Soll Kiffen straffrei werden? Eine geplante Volksinitiative des Vereins Legalize it! sorgt bei Politikern für rote Köpfe. Hilfe könnte von Jungparteien kommen.

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Beflügelt durch die in verschiedenen Ländern geführte Debatte um die Legalisierung von Cannabis, plant der Verein Legalize it! eine neue Volksinitiative. Konsum und Anbau für den Eigengebrauch sollen ab dem Erreichen der Volljährigkeit straffrei werden. Sprecher Nino Forrer begründet das im Interview mit 20 Minuten unter anderem mit den positiven Erfahrungen im US-Bundesstaat Colorado.

Letztmals hatte das Schweizer Stimmvolk 2008 über eine Legalisierung von Marihuana befunden. Die Initiative blieb chancenlos: 63 Prozent der Stimmbürger sagten Nein.

«Erneute Abstimmung ist Zwängerei»

Kritisch verfolgen Parlamentarier in Bundesbern auch den neuen Anlauf. CVP-Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel sagt etwa: «Wir müssen nicht jeden internationalen Trend mitmachen. Die Schweiz hat mit der Entkriminalisierung einen guten Kompromiss gefunden.» Seit 2013 erhalten erwachsene Kiffer nur noch eine Ordnungsbusse von 100 Franken, solange sie nicht mehr als zehn Gramm Cannabis dabeihaben.

Laut Humbel ist das Durchschnittsalter der Kiffer sehr tief. Bei einer Legalisierung drohten mehr Junge süchtig zu werden. «Studien haben gezeigt, dass regelmässiger Cannabiskonsum bei Jugendlichen Auslöser psychischer Krankheiten sein kann, wo eine Veranlagung besteht.»

Gar von einer «Zwängerei» spricht SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner. Die Hanffreunde hätten Mühe, den Volksentscheid zu akzeptieren – schliesslich liege dieser keine zehn Jahre zurück. Giezendanner sieht im Cannabis eine Einstiegsdroge, die die Gesundheit gefährdet: «Es ist eine Vorstufe zu harten Drogen.»

«Konsumiert wird so oder so»

Dagegen befürwortet SP-Nationalrätin Bea Heim eine Legalisierung. Zwar dürfe man Cannabis «nicht banalisieren». Aber: «Konsumiert wird es so oder so.» Mit einer kontrollierten Abgabe schwinde das Risiko, dass qualitativ schlechte Drogen in den Umlauf kämen. Die Abgabe müsste aber sorgfältig begleitet sowie psychische Auswirkungen des Kiffens im Auge behalten werden.

Toni Berthel, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Suchtfragen, begrüsst die Stossrichtung der Initiative ebenfalls: «Es ist an der Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, was die Alternativen zum Verbot von Cannabis sind.» Kiffer sollten nicht kriminalisiert werden, findet er. «Hier gilt es ein geeignetes Regulierungsmodell zu finden.» Dies sei auch das Ziel der in verschiedenen Städten angedachten Cannabis-Experimente. Gleichzeitig erinnert Berthel daran, dass der letzte Versuch an der Urne klar gescheitert ist. «Ob eine Initiative zum jetzigen Zeitpunkt Chancen hat, kann ich nicht abschätzen.»

Juso und Jungfreisinnige für Legalisierung

Die Initianten sind zuversichtlich: Sie zählen auf die Unterstützung der Hanffreunde im Internet. Das ehrgeizige Ziel: 100'000 Unterschriften an einem Tag sammeln.

Gut möglich, dass sie dabei auf die Unterstützung von Jungparteien zählen dürfen: Die Jungfreisinnigen stehen bereits mit dem Verein in Kontakt. «Der Initiativtext ist mit unserer Position deckungsgleich», sagt Präsident Andri Silberschmidt. Man unterstütze die Freigabe von Anbau und Handel weicher Drogen.

Auch Juso-Chef Fabian Molina zeigt sich offen: «Wir werden die Initiative sehr wohlwollend prüfen.» Die heutige Kriminalisierung von Kiffern sei nicht mehr zeitgemäss. «Der Krieg gegen die Drogen ist gescheitert.» Kämpferisch sagt er: «Für das Frauenstimmrecht brauchte es auch mehrere Anläufe.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Geniesser am 21.04.2016 08:04 Report Diesen Beitrag melden

    "Einstiegsdroge"

    Und wisst Ihr wieso es die "Einstiegsdroge" ist? Dadurch das es noch illegal ist, musst du den Stoff bei einem Dealer beziehen. Der wird aber bestimmt nicht nur das Grün Zeug verkaufen. Wäre es Legal würde man nicht mehr mit diesen Leuten in Kontakt kommen.

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  • S. Buchli am 21.04.2016 08:04 Report Diesen Beitrag melden

    Selbsverantwortung

    Jeder entscheidet selber welche Drogen er konsumieren möchte, ob jetzt legal oder nicht. Canabis als Einstiegsdroge ist für mich ein Märchen

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  • Jey am 21.04.2016 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht unbedingt

    Ja weil es illegal ist!! Was ist mit Alkohol??? Ist noch viel schlimmer!! Entweder alles verbieten oder Cannabis legalisieren Punkt Ende Aus!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sly Fox am 30.04.2016 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    rosinenpickerei

    «Studien haben gezeigt, dass regelmässiger Cannabiskonsum bei Jugendlichen Auslöser psychischer Krankheiten sein kann, wo eine Veranlagung besteht.» - alkohol, koffein und andere LEGALE DROGEN haben denselben effekt, "wo eine veranlagung besteht." PS: es gibt doch noch andere dinge, die kinder tun, obwohl sie nicht sollten. schreibt doch wiedermal über brutale games ;)

  • Colää am 30.04.2016 17:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einstiegs Märchen

    Meine Reihenfolge der "Einstiegsdroge". Als 10-13 der erste Energy drink. Das Coffeein putscht auf bei so jungen. Das erste mal sein Körper anderst spüren.. Danach folgt mit 16 das Bier und der Tabak der den Körper in einen Rausch versetzt. Danach kann, muss aber nicht, Cannabis folgen und somit immer härtere Drogen die ein Neues Gefühl geben. Ist also der Ursprung des Kiffens der erste Energy? Eine Einstiegsdroge.. So etwas blödes.

  • greenfizz am 23.04.2016 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Belästigung

    jeder Kiffer meint, mit seinem Gestank (Cannabis) seine Mitmenschen zu erfreuen. Dem ist 1nicht so. Leute, die nicht kiffen, werden mit dem Gestank (Cannabis) belästigt. Leider kapieren das Kiffer nicht.....

  • Bäumli am 23.04.2016 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    soso

    So sehr enkriminalisiert ist das ja nicht es gibt für ein paar Gramm 100.- busse die Chörnlibesteller wurden bis in die letzte Kammer verfolgt verzeigt und happig gebüsst. Fertig selbstversorger die Dealer reiben sich immer wieder erfreut die Hände

  • AndyM69 am 22.04.2016 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Realität

    Ich habe über Jahr Berufsschüler beobachtet und alle mit 16 begannen und einen sehr hohen Cannabis Konsum hatten , haben in ihren Leistungen kontinuierlich nach gelassen. Die Ausnahme bestätigt die Regel. Für mich ist die Legalisierung ein absolutes No Go. Und es geht dabei nicht darum ob Alkohol schlimmer ist oder nicht. Nur weil ein Übel akzeptiert ist, muss man das andere nicht auch legalisieren!!!

    • apollocombat am 23.04.2016 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @AndyM69

      es geht drum dass die konsumenten kriminalisiert werden was bei alkohol nicht der fall ist !!! -.-

    • Jo am 24.04.2016 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @AndyM69

      Och die armen armen Kiffer werden kriminalisiert... Im Umkehrschluss müssten dann in dem Fall Autofahrer die zu schnell fahren auch entkriminalisiert werden.. Denn zu schnell wird auch immer wieder gefahren, also alle tun es trotzdem und werden dann dafür horrend gebüsst... Cannabis soll verboten bleiben, solange ich noch Geschwindigkeitsbussen zahlen muss..

    • apollocombat am 24.04.2016 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jo

      aha und alk hat keinen einfluss auf autofahrer ?? es ist legal und trotzdem kommt man damit zu recht ??? komisch

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