Skandal?

22. Februar 2010 22:30; Akt: 23.02.2010 10:41 Print

Pro Helvetia finanziert Swinger-Orgien in WienPro Helvetia finanziert Swinger-Orgien in Wien

von Deborah Rast - Ein Schweizer Künstler sorgt in Wien für Aufregung: Er hat in einem Museum einen Swingerclub eingerichtet. Mitfinanziert wird das Projekt von Pro Helvetia.

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Ein Sexclub in einem altehrwürdigen Museum? So etwas geht in Wien – vorausgesetzt, es läuft unter dem Titel «Kunst». Der Basler Künstler Christoph Büchel hat in der ­Secession, in der auch der berühmte Beethovenfries von Gustav Klimt ausgestellt ist, einen echten Swingerclub eingerichtet. Tagsüber kann die Secession ganz normal besichtigt werden. Ab 21 Uhr wird das Erdgeschoss des Museums zum Swingerclub, inklusive Darkroom, Séparées und Sadomaso-Zimmer.

Obwohl die als Swingerclub eingerichteten Räume auch tagsüber nur für Erwachsene zugänglich sind, laufen Politiker in Wien Sturm gegen «den Sittenverfall». Doch auch in der Schweiz ist Aufregung vorprogrammiert: An den Kosten von 90 000 Euro für das Swinger-Projekt hat sich die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia mit 15 000 Franken beteiligt. «Christoph Büchel gehört zu den bekanntesten Künstlern der Gegenwart in der Schweiz. Kunst soll auch zu kontroversen Diskussionen anregen», so die Leiterin Visuelle Künste, Marianne Burki.

Das Engagement sorgt bei Schweizer Politikern für Empörung: «Es ist absolut jenseits, dass Pro Helvetia eine derart geschmacklose Krea­tion mitfinanziert», sagt CVP-Präsident Christophe Darbellay. «Man hätte meinen können, dass sie nach der Hirschhorn-Geschichte mehr Fingerspitzengefühl hätten», so Darbellay. Auch FDP-Präsident Fulvio Pelli findet das Engagement von Pro Helvetia «problematisch».

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  • Sabine am 28.09.2010 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Kunst als legitimierte Opposition

    Kulturelles Schaffen hat in Nationalstaaten u. a. den Zweck, nationale Konsenswerte bewusst zu machen. Schockiert sie, ist sie anstössig, geschieht genau dies: Das Bewusstsein der nationalen Eigenheit wird ins Zentrum gerückt, das Individuum für die Kulturfrage sensibilisiert. "Moderne Kultur untergräbt und dient gleichzeitig moderner Existenz", schreibt der Soziologe Zygmunt Bauman. In diesem Sinne stellt ihre Dysfunktionalität gleichzeitig ihre Funktionalität dar, sie schafft Handlungsbedarf, weiter für Ordnung und nationalstaatlichen Wertekonsens einzutreten.

  • Dinu, der Kunstinteressierte am 26.02.2010 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Steuern?

    Ich gehe davon aus, dass die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia aus unseren Steuergeldern finanziert wird? In dem Fall sollten wir ermäsigten Eintritt bekommen! Zeit für einen nächtlichen Museeumsbesuch!

  • Alex Grendelmeier am 24.02.2010 18:26 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist Kunst?

    "Kunst ist, was sich als Kunst verkaufen lässt." Mit ihrem finanziellen Beitrag macht die Kulturstiftung Pro Helvetia den Swinger Klub zum Kunstobjekt. So einfach ist das.