Organspende

23. August 2017 06:55; Akt: 23.08.2017 09:39 Print

Schweizer hinken weit hinter dem Ausland her

Der Organmangel in der Schweiz ist akut. Das Bundesamt für Gesundheit versucht, junge Menschen zu animieren, über das Thema zu sprechen.

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Die Realität als Patient, der auf ein Organ wartet, ist hart. Die Warteliste ist mit derzeit 1502 Personen lang und wird immer länger. Die Anzahl Patienten auf der Liste hat in den vergangenen fünf Jahren um über 300 Personen zugenommen. Gründe dafür sind die demografische Entwicklung und der medizinische Fortschritt, der eine Transplantation erst möglich macht.

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Im Verhältnis zur Warteliste spenden nur wenige Personen jährlich nach dem Tod ihre Organe. Es sind zwischen 100 und 150 Spender pro Jahr. Um mehr Menschen für eine Organspende zu gewinnen, hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Kampagne gestartet, die sich vor allem an junge Personen richtet.

Das Umfeld soll Bescheid wissen

«Gerade bei Jugendlichen ist die Hilfsbereitschaft gross», sagt Cinzia Pastore Ferrari, die beim BAG für die Organspende-Kampagne verantwortlich ist. Um die jungen Erwachsenen zu erreichen, arbeitet das BAG unter anderem mit bekannten Personen zusammen, die in den sozialen Netzwerken aktiv sind. Dazu gehören Moderator Stefan Büsser oder Bloggerin Nives Arrigoni.

In kurzen Videos fordern die Influencer die Zuschauer auf, dem Umfeld zu sagen, ob man spenden will oder nicht. «Ich habe mich für eine Organspende entschieden und habe mit meinen Liebsten darüber gesprochen», sagt Arrigoni. Es sei ihr wichtig, dass die Liebsten wissen, wie sie sich entschieden habe.

Angehörige lehnen eine Spende häufig ab

Büsser, der an einer Lungenkrankheit leidet und möglicherweise bald auf ein Spenderorgan angewiesen ist, weiss von allen Personen in seinem Umfeld, wer spenden möchte. «Nehmt euren Liebsten den Entscheid ab», appelliert er. Dann müssen die Angehörigen sich im Spital nicht mit dieser schwierigen Frage befassen.

Darin liegt der Kern der Kampagne. «Die Mehrheit der Bevölkerung ist bereit, Organe zu spenden», sagt Pastore. Die Angehörigen würden sich aber oft gegen eine Spende entscheiden, weil sie den Willen des Verstorbenen nicht kennen. Das Ziel der Kampagne sei deshalb, die Leute dazu zu bringen, über das Thema zu reden und ihren Wunsch den Angehörigen mitzuteilen.

Organspendetag findet erstmals am gleichen Tag statt

Das ist besonders auch deshalb angezeigt, weil die Schweiz bei den Spendezahlen im europäischen Vergleich weit zurück liegt. Den Grund dafür sieht Pastore insbesondere bei der hohen Ablehnungsrate der Angehörigen: «In der Schweiz ist die Rate mit knapp 60 Prozent fast doppelt so hoch wie im übrigen Europa.»

Teil der Kampagne ist auch der Europäische Organspendetag, der die Schweiz dieses Jahr organisieren darf. Er findet am 9. September auf dem Bundesplatz in Bern statt, am gleichen Tag wie der nationale Organspendetag. Gleichzeitig wird in Genf der Weltorganspendetag abgehalten. «Es ist das erste Mal, dass die drei Anlässe im selben Land und am gleichen Datum durchgeführt werden», so Pastore.

In sozialen Netzwerken darüber sprechen

Ein Liveticker zählt seit dem 1. Juni, wie viele Schweizer eine Spendekarte ausgefüllt haben. Bis zum Organspendetag sollen es 100'000 Personen sein, derzeit sind es gut 55'000. Auf Instagram und Facebook veröffentlicht das BAG regelmässig neue Botschaften. «Wir versuchen, die Jungen dort abzuholen, wo sie sich aufhalten», sagt Pastore. Es sei das Ziel, dass in den sozialen Netzwerken vermehrt über Organspende gesprochen wird.

Wer an leicht aufbereiteten Informationen zum Thema interessiert ist, sollte die Website Leben-ist-teilen.ch besuchen. Dort finden sich Antworten zu allen möglichen Fragen.

(tam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • von mir am 23.08.2017 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nein nichts

    da da viel Geld im Spiel ist, traue ich denen zu, das gesunde zu gunsten reicher Empfänger abgemurkst werden. in Indien werden reihenweise Menschen dafür ermordet. das ist big business.

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  • Misstrauen am 23.08.2017 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts?

    Es wundert mich nicht, dass wir einen akuten Organmangel haben. Wenn bereits das gespendete Blut ins Ausland verkauft wird, warum soll es denn mit Organen anders sein? Ausserdem machen mir die Entnahmebedingungen Angst, wer garantiert mir, dass ich beim plötzlichen Hirntod auch wirklich nichts mehr fühle? Und wenn wir zu dem Zeitpunkt wirklich nicht mehr lebensfähig sind und anscheinend nichts mehr fühlen, warum wird man dennoch sediert und mit Schmerzmitteln betäubt? Es gibt bezüglich Organspende auch viele Horrorgeschichten was der Schwarzmarkt betrifft. Aus all diesen Aspekten und reiflicher Überlegung, habe ich meinen Spenderausweis in viele kleine Stücke zerteilt. Meinetwegen würde ich eine Niere oder Rückenmark spenden, aber dazu müsste es auch eine Datenbank geben, wo Ärzte in der Schweiz zugriff hätten und eine Anfrage an die Spender machen könnten, wenn die Blutgruppe und sonstige Faktoren übereinstimmen. Mein Beileid an jene, die auf eine Organspende angewiesen sind!

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  • Cicero am 23.08.2017 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hilfe, darf nicht spenden

    Ich möchte gern mein Denkorgan den Behörden und der Politk spenden, welche ermöglichen, dass solche Prediger wie in Biel nicht umgehnend abgeschoben werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bibi am 24.08.2017 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Darum bin ich skeptisch

    Mir hat man als Baby sehr geringe Überlebenschancen eingeräumt. Ich habe mich ohne Hilfe selbst ins Leben gebracht. Seither schwächele ich etwas, bin aber am Leben, was ich evtl. als Organspenderin nicht wäre.

  • Manuel Fernandez am 24.08.2017 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein Sorry

    Nein Nein Nein. Sorry ist hart aber wer defekte Organe hat soll sich an eine Maschine anschlissen lassen. Geht das nicht, dan soll man halt das Schicksal akzeptiren und Sterben wens den sein muss. Wir haben weiss Gott genug Menschen auf der Welt. Man kan nun mal nicht Ewig leben. Mal abgesehen davon das der Organ-Handel etwas vom Kriminelsten ist was es gibt. Und als Gläubiger Christ darf man eigentlich sowieso nicht.

  • Prof. Dr. Abdul Nachtigaller am 24.08.2017 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Zitate und Informationen

    Die Aussagen, dass David Rockefeller schon 6 (oder 7) Spenderherzen erhalten hat gründen alle auf einem Artikel im Satiremagazin World News Daily Report. Die neuste Schlagzeile dort lautet wie folgt :USA: 30,000 people reportedly turned blind after watching eclipse on TV. Egal woher ihr solche Informationen habt bitte prüft sie auch auf den Wahrheitsgehalt. Es ist erschreckend wie viele falsche Zitate und nachweislich falsche Informationen umhergeistern. Bitte Denkt etwas mit.

  • Martin79 am 24.08.2017 03:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein danke

    Ich will meine Organe nicht spenden, es könnte sein dass meine Organe ein Islamist bekommt.

    • Moritz am 24.08.2017 08:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin79

      Ich will meine Organe auch nicht spenden. Und das aus einem einzigen Grund: ich will nicht dass Du es bekommen könntest falls Du eines Tages ein neues Organ brauchst...

    • Fritzli am 24.08.2017 11:53 Report Diesen Beitrag melden

      Bashing

      Ja gebts euch und lenkt euch ab von den wahren und wesentlichen Herausforderungen, bei denen wir ALLE im gleichen Boot sitzen. Aldous Huxley's Die schöne neue Welt und Orwell's 1984 nehmen uns die Freiheit. Aber easy, geht uns ja noch gut im Vergleich zu anderen - oder sollte ich sagen, am wenigsten schlecht?

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  • Niemand am 23.08.2017 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schreck lass nach

    Ich bin schockiert wie schlecht Frau und Mann Schweizer über Organspende informiert ist. Wie sie von Seele sprechen und im gegenzug behaupten Atheisten zu sein. Die meisten haben doch einfach Angst vor dem was nach dem Tod passieren könnte. So als Wiedergeburt ohne Organe?

    • Dr. Gabber am 24.08.2017 08:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Niemand

      willkommen in der realen Schweiz wo auf den ersten 50000 Plätzen nur ich selbst und niemand anderes Platz hat, wo niemand gerbe gibt, aber sofort gejammert wird, wenn jemand mehr erhalten könnte. Dem Land der vordergründigen Freundlichkeit, wo jeder für sich knallhart Toleranz fordert aber sich für andere keinen Nanometer bewegen würde.

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