Absichtserklärung

20. November 2008 17:19; Akt: 20.11.2008 17:26 Print

Schweiz wird Teil des zentraleuropäischen Luftraums

Die Schweiz wird Teil eines gemeinsam von sechs Staaten bewirtschafteten Luftraums in Zentraleuropa. Nicht mehr Staatsgrenzen sollen dabei bestimmend sein, sondern die Verkehrströme.

Fehler gesehen?

Wie Direktor Raymond Cron vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) am Donnerstag vor den Medien in Bern erklärte, stellt die Unterzeichnung einer Absichtserklärung mit seinen Kollegen aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden eine erste politische Verpflichtung der sechs Staaten dar.

Mit von der Partie sind auch die sechs Flugsicherungen und die Maastrichter Kontrollstelle. Sie haben mit einer Vereinbarung die Basis für eine verstärkte Zusammenarbeit auf operationeller Ebene geschaffen. Die sieben Flugsicherungen würden gegenüber Eurocontrol gemeinsam auftreten, sagte Skyguide-Chef Daniel Weder.

Kürzere Flugwege

Im Rahmen des Projektes für einen einheitlichen europäischen Luftraum wurde unter dem Namen FABEC (Functional Airspace Block Europe Central) der Luftblock mit den sechs Staaten ausgeschieden. Dank dem bilateralen Luftverkehrsabkommen mit der EU kann die Schweiz partizipieren.

Zentraleuropa sei mit 5,3 Millionen Flügen pro Jahr einer der weltweit am dichtesten genutzten Lufträume, sagte Cron. Das heutige Flugsicherungssystem sei nicht effizient. Bei einem Flug von Amsterdam nach Zürich müsse der Pilot das Gebiet von vier Flugsicherungen überfliegen und sich sieben Mal anmelden.

Mit dem FABEC wäre die vorhergesagte Verkehrszunahme um 50 Prozent bis 2018 ohne Einbussen bei der Sicherheit zu bewältigen, sagte Cron. Die Verspätungen würden nicht zunehmen, die Emissionen dank direkterer Flugwege zurückgehen. Ein Flug verkürzte sich im Schnitt um 17,4 Kilometer.

Letztes Wort beim Parlament

Laut Cron weist eine Expertenstudie beim CO2-Ausstoss eine Reduktion von 220 Kilogramm pro Flug aus. Die Flugkosten könnten bis 2025 um 10,5 Milliarden Franken sinken. Für die Einführung des FABEC, der 55 Prozent des gesamten Luftverkehrs in Europa umfasst, ist ein Staatsvertrag erforderlich, dem das Parlament zustimmen muss. Ziel ist eine Inbetriebname im Jahre 2012.

Eine Chance sei der FABEC auch für die Luftwaffe, sagte deren interimistischer Chef, Divisionär Markus Gygax. Der Luftraumblock verbessere die Trainingsmöglichkeiten und harmonisiere die Zusammenarbeit. Die Souveränität werde nicht berührt. Jeder Staat bleibe für seinen Luftraum verantwortlich. Deshalb brauche es genügend Kampfflugzeuge.

(sda)