SBB-Projekt

01. Dezember 2017 14:11; Akt: 01.12.2017 14:25 Print

Verkaufen Ticket-Apps die Kundendaten?

Ab 2018 funktionieren die automatischen Billett-Apps Lezzgo und Fairtiq in der ganzen Schweiz. 20 Minuten gibt die Antworten zu den wichtigsten Fragen.

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Ab Anfang 2018 werden die Apps Lezzgo und Fairtiq, die automatisch Reisen im öffentlichen Verkehr erfassen und abrechnen, in der ganzen Schweiz verfügbar sein. In die SBB-Preview-App wird zudem nächstes Jahr die Technologie von Fairtiq integriert. Die Nachricht hat bei 20-Minuten-Lesern viele Fragen und Kritik provoziert. 20 Minuten und Fairtiq-CEO Gian-Mattia Schucan beantworten die drängendsten Fragen.



Antwort:«Der Kunde muss eine
ausreichende Akkuleistung für die gesamte Dauer der Fahrt garantieren», heisst es in den AGB von Fairtiq. Wenn das nicht möglich ist, muss ein Billett am Automaten oder Schalter gekauft werden. «Wie bei anderen Ticketing-Apps ist der Kunde dafür verantwortlich, dass sein Mobiltelefon funktionsfähig ist», sagt Fairtiq-CEO Gian-Mattia Schucan.


Antwort: Sparbillette gibt es mit der Fairtiq-App tatsächlich nicht mehr. Garantiert wird nur, dass die Kosten nicht höher werden als die Tageskarte der während eines Tages bereisten Zonen respektive Tarifverbünde. Bei mehreren Reisen am Tag ermittelt die App jeweils den besten Preis über alle Fahrten.


Antwort: Um die App nutzen zu können, müssen Pendler eine Visa- oder Mastercard-Kreditkarte besitzen. Für Swisscom-Kunden bietet sich als Alternative auch die Zahlungsmöglichkeit Easypay an. Dabei wird über die Telefonrechnung abgerechnet. Gian-Mattia Schucan sagt, auch die Bezahlung mit Postcard sei in Vorbereitung.


Antwort: Apps wie Lezzgo oder Fairtiq haben mit dem Swiss Pass an und für sich nichts zu tun. Die Lösungen funktionieren unabhängig voneinander.


Antwort: Sowohl Lezzgo als auch Fairtiq schliessen Werbung anhand der Kundendaten nicht kategorisch aus. «Sollte das in Zukunft zum Thema werden, wird jeder einzelne Nutzer gefragt, ob er dies zulassen will oder nicht», sagt Fairtiq-Chef Schucan. «Die Nutzung ist nicht daran gebunden, ob der Nutzer dies zulassen will.»


Antwort: «Die Daten der Nutzer werden nicht weiterverkauft. Dazu verpflichtet sich Fairtiq auch in seinen AGB», sagt Gian-Mattia Schucan.


Antwort: Es braucht nur eine App. Sowohl Lezzgo als auch Fairtiq sollen ab 2018 in der ganzen Schweiz funktionieren. Es handelt sich um Konkurrenzprodukte. Nutzer müssen nicht mehrere Apps installieren, sondern können sich für jene entscheiden, die ihnen am besten zusagt.


Antwort: «Fairtiq steht in Partnerschaft mit Transportunternehmen des öffentlichen Verkehrs», sagt CEO Schucan. «Diese entschädigen uns für den Betrieb in der jeweiligen Region.» Die Entschädigung hänge auch von der Anzahl der verkauften Tickets ab.


Antwort: Sowohl Lezzgo als auch Fairtiq betonen, sich an die schweizerischen Datenschutzbestimmungen zu halten. Bei Fairtiq heisst es, die Daten würden auf Servern in der Schweiz oder in der EU gespeichert. Die habe ein sehr strenges Datenschutzgesetz, sagt Gian-Mattia Schucan. «Die Daten werden so kurz wie möglich gespeichert. Ein Jahr nach der Fahrt werden die Nutzerdaten automatisch vollständig anonymisiert.» Die weitere Verwendung der Daten geschehe anonym. Zugriff auf die gemachten Fahrten hätten einzig die Mitarbeiter des Kundendiensts und einzelne Softwareentwickler. Auf die Daten, die mit der Fairtiq-App erhoben würden, habe etwa die SBB keinen Zugriff, sagt Schucan.

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ueli dr hecht am 01.12.2017 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Datenkrake swissmade

    «Die Daten werden so kurz wie möglich gespeichert. Ein Jahr nach der Fahrt werden die Nutzerdaten automatisch vollständig anonymisiert.» Und warum müssen die Daten ein Jahr gespeichert werden, die kann man doch nach 24 Stunden schon anonymisieren. Und ausserdem, auch anonymisierte Bewegungsdaten lassen sich gewinnbringend verkaufen. Zu der konkreten Datensicherheit gibt es zudem keine Aussage. Und die AGB's werden dann schnell mal geändert. Alles in allem ist es also sehr wahrscheinlich das die Kundendaten verkauft werden und zudem nicht sicher sind.

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  • zurich99 am 01.12.2017 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Datensammlerei

    Ein Jahr nach der Fahrt werden die Nutzerdaten automatisch vollständig anonymisiert. Also vorher nicht? Was geschieht dann damit?

  • Pendler am 01.12.2017 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Misstrauen ist angesagt

    Wenn ich der SBB nur trauen könnte. Ich bin nicht davon überzeugt, dass sie mit den Kundendaten viel Kohle machen werden. Da müsste mal der Datenschutz ran und klare, für alle verständlichen Regeln festlegen. Und bei Datenmissbrauch die Gehälter der verantwortlichen in der Chefetage um 90% kürzen. Mittlerweile traue ich sowohl den Halb- als auch den Staatsbetrieben gar nicht mehr über den Weg. Das sind nur noch Geldumverteiler von unten nach oben auf Kosten der Kunden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Claudia am 02.12.2017 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es verschwindet wieder...

    ...wenn wir darauf verzichten! Wir sind doch nicht die Marionetten der Bahn.

  • sternengucker50 am 02.12.2017 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Datenschutze wo bleibst Du???

    Hat eigentlich hier jemand schon mit dem Datensammeln beschäftigt. Den ganzen Tag mit Smartphone oder wie alle heissen durch die Welt rennen, dann mal in Google oder ähnlich nachsehen, wo man war, da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich nicht mehr. Datenschutz wird von den Usern selber ausgehebelt. Glaubt jemand noch an den Samichlaus? Smartphone abstellen, wen ausser Hause gegangen wird und erst wieder einschalten wenn man es braucht. Das ist Datenschutz. ;-))))

  • Satox am 02.12.2017 14:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lächerlich

    Witzig finde ich, je weniger jemand von den heutigen Technologien versteht (insb. Geofencing und personalisierter Werbung), desto lauter schreit er auf... Nutzt den Service oder lasst es sein. Eure Kommentare braucht niemand - kauft einfach ein normales Billet und seid glücklich damit...

  • k.jakob am 02.12.2017 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    alle zahlen mit

    die SBB entschädigt private Firmen für einen Service der von allen ihren Kunden getragen werden muss, in anderen Worten ein staatliches Unternehmen zwingt Nichtnutzer dieses Systems zur Mitfinanzierung und zur Bereicherung von dessen Besitzer.

    • NS2037 am 02.12.2017 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @k.jakob

      Ja schon aber mit dem Geld das da alle bezahlen kann man nicht mal eine Weiche des in Basel entgleisten ICE reparieren. Es ist ein sehr sehr kleiner Betrag den man da zahlt ^^ Ausserdem: Ich als Lezzgonutzer bezahle ja auch für die Automaten die ich nie anfasse ;-) es ist halt immer ein geben und nehmen und das ist auch gut so.

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  • carmen diaz am 02.12.2017 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    es kann nicht sein, dass privatfirmen...

    ...irgend etwas mit dem öffentlich finanzierten verkehr zu tun haben. jedes ÖV sollte ausschliesslich durch den staat betrieben und von staatsangestellten gesteuert werden und der ticketverkauf ist ebenfalls ausschliesslich sache des staates...