Besorgte Schäfer

12. September 2016 13:44; Akt: 12.09.2016 13:44 Print

So viele Wölfe wie noch nie seit ihrer Rückkehr

von Camille Kündig - Rund 40 Wölfe leben derzeit in den Schweizer Wäldern – ein Rekord. Schäfer sind über den hohen Bestand besorgt.

Die hohe Anzahl Wölfe freut nicht alle. (Video: Camille Kündig)
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Seit der Entdeckung eines Jungtiers im Augstbordgebiet VS letzten August steht fest: Es gibt in der Schweiz zum ersten Mal seit der Wiederansiedlung drei Wolfsrudel. Insgesamt sollen hierzulande nun zirka 40 Wölfe weilen.

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Reinhard Schnidrig, Leiter Sektion Wildtiere und Waldbiodiversität des Bundesamts für Umwelt, sagt: «Letztes Jahr schätzten wir die Anzahl Wölfe noch auf zwischen 30 und 35. Wir erreichen also einen neuen Höchststand.» Nicht alle Wölfe leben laut Schnidrig in einem Rudel. «Einzelwölfe gibt es unter anderem in der Innerschweiz und im Berner Oberland.»

Zirka zehn Prozent Wachstum pro Jahr

Die ersten Wölfe sind 1995 zurück in die Schweiz gekommen. «Seither gibt es ein Wachstum von zirka zehn Prozent jedes Jahr», sagt David Gerke, Präsident Gruppe Wolf Schweiz. Möglich wären 30 bis 40 Prozent, aber durch bewilligte Abschüsse oder Wilderei bleibe es bei den zehn Prozent.

Dabei zeigten die Rudel im Graubünden und im Tessin gemäss Gerke, dass das Zusammenleben mit einem Wolfsrudel möglich ist. «Es muss ein guter Herdenschutz geführt werden. Das kostet natürlich und ist mit einem bestimmten Zeitaufwand verbunden, was viele Schäfer abschreckt.»

«Eine Katastrophe»

Helmut Bitz, Berater bei Herdenschutzhunde Wallis, ist nicht erfreut über die steigende Wolfspopulation. Er sorgt sich um die Nutztiere: «Für die Schäfer ist das eine Katastrophe. Viele sind am Boden zerstört.» Herdenschutzmassnahmen seien nicht einfach umzusetzen.

«Viele Schafbetriebe sind Kleinstbetriebe mit 10 bis 15 Tieren.» Je nachdem sei der Aufwand für eine komplette Elektrifizierung der Zäune enorm hoch und für die Betriebe kaum zu bewältigen.

«Man muss handeln»

Viele Betriebe arbeiten mit Weidenetzen. Das funktioniere bis jetzt gut, doch: «Der Wolf wird in solchen Fällen kreativ. Irgendwann wird er es schaffen, die Schafe trotzdem zu reissen.»

Ein zentrales Problem sei auch, dass die Raubtiere mit der Zeit ihre Scheu verloren hätten. Es gebe die Möglichkeit, die Tiere pro­phy­lak­tisch mit Gummischrot abzuschrecken. «Wenn sich ein Wolf dadurch nicht korrigieren lässt, gibt es nur eine Lösung», so Bitz. «Man muss handeln, bevor es zu einem Vorfall mit einem Menschen kommt.»

«Wolfsabschüsse bringen nichts»

Ganz pro Herdeschutz und skeptisch gegenüber präventiven Wolfsabschüssen zeigt sich der WWF. Er verweist auf eine im Fachmagazin «Frontiers in Ecology and the Environment» erschienene Studie, die besagt, dass Wolfsabschüsse zu mehr Rissen von Nutztieren führen.

Gabor von Bethlenfalvy, Grossraubtierexperte WWF Schweiz, weist auf folgende Hypothese der Studie hin: «In einem Wolfsrudel sind Strukturen essenziell. Schiesst man ein Tier ab, das eine wichtige Funktion im Rudel einnahm, destabilisiert man die ganze Organisation der Wolfsfamilie.» Die Jagd auf Tiere wie Hirsche werde dadurch schwieriger für die Truppe. «Die Wölfe können so auf den Geschmack von einfacher Beute wie ungeschützte Schafe kommen.»

Bis heute kam es in der Schweiz zu keinem schwerwiegenden Vorfall zwischen Mensch und Wolf. Doch die Gefahr sei da, ist sich Bitz sicher: «In Deutschland gab es dieses Jahr bereits mehrere Angriffe von Wölfen auf Menschen. In der Augstbordregion wandern viele Leute. Wie weit wollen wir dabei ein Risiko eingehen?»


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Coco am 12.09.2016 14:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pro Wolf und Bär und Luchs und alles

    Ich als Frau habe weniger Angst durch einen Wald voller Wölfe zu laufen als Abends allein über den Hauptbahnhof. Da gibt es mehr "Wölfe" die meiner Meinung kein Recht haben hier zu sein. Und die sind um einiges Brutaler als die echten Wölfe!

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  • Martina am 12.09.2016 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Herdenschutzhund

    Lieber die Schafe auf den Alpen sich selber überlassen. Viele stürzen auch ab. Aber einen Herdenschutzhund nehmen ? Nein, zu aufwändig :(

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  • Keintierschutzfanatiker am 12.09.2016 14:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wuff Wuff

    Ja der Schäfer ist besorgt. Dann soll er eben etwas Geld ausgeben und sich einen Herdenschutzhund Zutun und seine Tiere sind geschützt. Aber das kostet halt etwas, Profit ist wichtiger. Stattdessen wird auf hohem Niveau gejömmerlet.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Seppl am 13.09.2016 08:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herdenschutzhunde, what else?

    Schon heute sind 200 Herdenschutzhunde allein in den Alpen aktiv, also 5 Pro Wolf. Das ist viel zu wehnig, da ja immernoch Nutztiere gerissen werden. Verdoppelt oder verdreifacht das Verhältniss Hund zu Wolf! Bei 10-15 Schutzhunden pro Wolf wird dem Wolf automatisch der Lebensraum auf den Alpengemommen. Ich meine 1500 ausgebildete Herdenschutzhunde werden die 100 Wölfe schon fas fürchten lehren...

  • Zoe. am 12.09.2016 21:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso macht man

    Kein waldpark, ein ganz grosses grundstück für die wölfe? Die wölfe wären sicher vor den schiesswütigen menschen und die schäfer ihren frieden. Es gibt doch genügend plstz für alle, oder ist man so egoistisch?

  • Alpenkraft am 12.09.2016 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorschlag

    In der Stadt und den dicht besiedelten Vierteln setzen wir Krokodile aus. So haben alle ihre Beschäftigung und Gleichberechtigung. Wir wohnen nämlich auf dem Land. Der einzelne Wolf schleicht sich schon länger in unserer Gegend rum und wenn er heult gehts eim durch Mark und Bein. Das ist dann etwas anderes als nur Berichte drüber lesen und Bildchen anschauen. Wir haben auch Jugendliche die im Dunkeln zur Arbeit laufen. Möchte jeden Elternteil sehen dem noch wohl dabei ist. Ja wir können unsere Tochter fahren aber das ist ja auch verpöhnt. Und Garantie kann uns niemand geben wie die Wölfe reagieren. Also. Medien und in Echtheit sind 2 riesen paar Schuhe!!

  • Cira1206 am 12.09.2016 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich wünsche mir noch mehr Wölfw

    In keinen anderen Land ist der Wolf so unerwünscht wie in der Schweiz. Und nirgends wird so ein Gejammer losgelassen wie in der Schweiz. Das geht einem tierisch auf die Nerven.

  • Escobar am 12.09.2016 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pro Natur

    40 Wölfe sollen ein Problem sein? 8'000'000++ Einwohner sind für mich das grössere Problem und bzw. Gefahr.