Entscheid zu Importverbot

03. Dezember 2012 12:24; Akt: 03.12.2012 13:14 Print

Lebend gehäutet – für unseren Luxus

von J. Pfister - Handtaschen oder Gürtel aus Reptilleder boomen. Dass die Tiere grausame Qualen erleiden, ist Konsumenten kaum bewusst. Der Politik schon, doch sie tut sich schwer mit einem Importverbot.

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Egal, ob in Modemagazinen oder auf dem Laufsteg: Schlangenleder ist zurzeit besonders hip. «Ohne Pythonleder geht nichts, das Schlangenmuster wertet jeden noch so schlichten Look auf», heisst es beispielsweise in der Zeitschrift «InStyle». Doch nicht nur internationale Stars schmücken sich mit den tierischen Accessoires, auch bei modebewussten Schweizerinnen und Schweizern ist die Nachfrage nach Uhrenarmbändern, Handtaschen oder Schuhen aus Reptilienleder regelrecht explodiert.

Umfrage
Braucht es ein Importverbot für Reptilleder aus tierquälerischer Haltung?
90 %
10 %
Insgesamt 7516 Teilnehmer

Gemäss den neusten Zahlen des Bundesamts für Veterinärwesen (BVET) wurden im letzten Jahr mit rund 51'000 doppelt so viele Schuhe aus Schlangenleder importiert wie noch im Jahr zuvor. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Handtaschen. Dort stiegen die Importe von rund 25'000 im Jahr 2010 auf 37'000 Stück im letzten Jahr – vor zehn Jahren waren es gerade mal rund 2800. Laut Mathias Lörtscher vom BVET stammt das Schlangenleder vor allem von Pythons aus Indonesien, Malaysia und Vietnam.

«Die Schweiz gehört inzwischen zu den bedeutendsten Abnehmern von exotischen Ledern aus Südostasien«, sagt Sara Wehrli vom Schweizer Tierschutz (STS). Doch was viele Konsumenten nicht wissen oder verdrängen: Hinter den Luxusprodukten steckt oftmals ein grausames Leid. «Die gefangenen Tiere müssen in diesen Ländern schreckliche Qualen ertragen», so Wehrli.

Mit Schlägen auf den Kopf getötet

Die «Rundschau» belegte diese Aussage vor zwei Jahren mit schockierenden Bildern aus Indonesien(siehe Video). Schlangen, die bei lebendigem Leib mit Wasser aufgefüllt und anschliessend gehäutet werden. Wilde Warane, die mit zusammengeschnürten Beinen in Säcken transportiert und tagelang so ausharren müssen und schliesslich mit Schlägen auf den Kopf getötet werden.

Laut Wehrli hat sich die Situation seither kaum verbessert. «Die Schweiz sitzt zwar in den entsprechenden Arbeitsgruppen, die sich mit dem internationalen Handel mit asiatischen Schlangen befassen, doch das wird weder am Trend noch an der Problematik etwas ändern.» Auch die Handelsbestimmungen zum Artenschutz würden nichts helfen – dafür ein Importverbot von Reptilienhäuten aus tierquälerischer Haltung. «Ein solches hätte Signalwirkung, auch auf die anderen Länder», ist Wehrli überzeugt.

Petition mit 34'000 Unterschriften

Doch die Politik tut sich schwer. Am Dienstag behandelt der Ständerat zwar einen entsprechenden Vorstoss der Grünen Nationalrätin Franziska TeuscherFranziska
Teuscher

GPS, BE
Nationalrat
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Schweizerische Verkehrs-Stiftung des Verkehrsclub der Schweiz
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, doch die Chancen für ein Ja sind gering. Und dies, obwohl der Nationalrat einem Importstopp für Reptilienhäute aus Indonesien im Mai zugestimmt und die Tierschutzorganisation Vier Pfoten eine Petition mit über 34'000 Unterschriften eingereicht hat.

«Das Anliegen ist berechtigt, doch ein Importverbot für solche Reptilienhäute ist der falsche Weg», sagt FDP-Ständerat Joachim EderJoachim
Eder

FDP-Liberale, ZG
Ständerat
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Stiftung für Junge Auslandschweizer (Kantonalkomitee Zug)
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, der selbst lieber Uhrenarmbänder aus Metall trägt. Genauso wie der Bundesrat glaube er nicht daran, dass damit die Tötungsmethoden verbessert würden. «Es ist besser, wenn sich der Bund in den entsprechenden Gremien Gehör verschafft und so auf die Herstellung Einfluss nimmt», so Eder. Er vertraue den Aussagen des Bundesrats, das dies auch geschehe.

«Es gibt gute Imitate»

Dieser Überzeugung sind selbst linke Ständeräte wie SP-Frau Géraldine SavaryGéraldine
Savary

SP, VD
Ständerat
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Fondation romande pour la chanson et les musiques actuelles (FCMA)
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, die in der vorberatenden Kommission wie die grosse Mehrheit Nein gestimmt hat. «In Sachen Tierschutz ist die Sensibilität bei unseren welschen Kollegen leider nicht so gross», erklärt Savarys Parteikollegin Anita FetzAnita
Fetz

SP, BS
Ständerat
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Schweizerische Greina-Stiftung (SGS) zur Erhaltung der alpinen Fliessgewässern, Zürich
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. Sie hingegen habe Verständnis für das Anliegen und hat einen entsprechenden Antrag für die Zustimmung zum Vorstoss eingereicht. «Heute gibt es derart gute Imitationen von Reptilleder, dass wir problemlos auf Produkte aus solcher tierquälerischer Haltung verzichten können.»

10 k = 10 000 Stück
Quelle: Bundesamt für Veterinärwesen (BVET)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Python am 06.12.2012 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Snake

    Die armen Tiere, ich pflege selber Reptilien zu Hause, vorallem pflege ich Schlangen. Finde so was einfach nur schrecklich!

  • k.müller am 04.12.2012 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    das ist doch nicht mehr menschlich..

  • Hans am 04.12.2012 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Ja unsere Politiker sind nur an Geld

    Interessiert! Leben?? Das hat nichts wert wenn man kein Bares dafür kriegt... So läuft unsere ach so moderne Demokratie... Gier Gier und noch mehr Gier, da sind wir unschlagbar... Aber hey, solange wir das unterstützen muss man ja nix ändern....

  • Jasmin Vollenweider am 04.12.2012 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz ehrlich wir brauchen sie nicht!

    Es gibt so gute Imitate und auch die können aus hoher Qualität sein. Ich bin der Meinung das es kein verbrechen ist ein Tier zu tönen,(Wen es nicht gerade vom Aussterben bedroht ist) aber es zu quälen. Wen man ein Tier tötet sollte man es nicht nur auf dass Fell abgesehen haben sondern auch sein Fleisch verwenden. Ausserdem gibt es so viele andere schöne Sachen wie Fuchs Fell. Die kann man mit gutem gewissen tragen. Da es diese in der Schweiz im überfluss giebt.

    • Urs Häusermann am 04.12.2012 16:38 Report Diesen Beitrag melden

      Ach ja?

      Hmmm mit dem ersten Teil bin ich einverstanden, aber ich wusste garnicht, dass das Fuchsfell das man hier in der CH kauft von glücklichen Füchsen aus der CH stammt........eher nicht......

    • Gumy Aline am 05.12.2012 08:56 Report Diesen Beitrag melden

      Fuchsfell

      Liebe Jasmin, erkundige dich bitte, wo denn genau die schönen Fuchsfelle herkommen. Um die Nachfrage an Fuchspelzen zu stillen reicht die Jagd längst nicht mehr aus. Sie werden gezüchtet, und dies auf schrecklicher Weise. Kein Tier sollte als modisches Assecoires dienen.

    • Andrea Strähl am 05.12.2012 14:20 Report Diesen Beitrag melden

      Aha....

      So es gibt also genug Füchse in der Schweiz...mag sein, aber den Fuchspelz den sie tragen stammt bestimmt nicht von einem Schweizer Fuchs sondern aus einer Pelzfarm aus dem Ausland.

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  • Yves Schneider am 04.12.2012 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Unsere unfähigen Politiker

    Es ist bezeichnend für unsere Politiker. Hier wäre ein Gesetz bitter nötig, aber es geschieht unter fadenscheinigen Begründungen nichts. Es muss ein Verbot für alle Tierprodukt, die mit tierquälerischen Methoden produziert werden her und dies egal ob Import oder hier prouziert. Dies muss auch für Fleisch, Transport und Haltung von Tieren Gültigkeit haben.

    • Christa Pardeller am 04.12.2012 16:00 Report Diesen Beitrag melden

      Keine "tierischen Produkte"

      vegan leben. Tiere sind Lebewesen. Keine "tierischen Produkte"

    • nicht Veganerin am 04.12.2012 16:37 Report Diesen Beitrag melden

      @Christa Pardeller

      nein das würde ich nicht. hatte einen Freund der Vegan leben wollte.. und deshalb noch einige Ersatzvitamintabletten und co. geschluckt hat.. nein danke da esse ich lieber ausgewogen. Aber ich denke, das ist auch nicht auf demselbem Level wie Tiere ungeheuer brutal zu töten für unnützen Tand...

    • Mendel am 04.12.2012 17:55 Report Diesen Beitrag melden

      Vegan ist leider auch nicht nachhaltig

      Pflanzen sind auch Lebewesen. Meines Erachtens ist es wichtiger den Nutztieren eine schönes und Art gerechtes Leben zu verschaffen bis zu dem einen für das Tier schlechten Tag, an dem es bitte so schonend und vollständig wie möglich verwertet wird. Vegan leben sehe ich da nicht als echte Alternative, da sobald wir von dem leben müssen, was auch hier produziert wird man nur schlecht vegan durch den Winter kommt.

    einklappen einklappen
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