Nein zu Burkaverbot

08. Mai 2017 12:05; Akt: 08.05.2017 12:05 Print

«Kantone sollten sich an Glarus Beispiel nehmen»

von B. Zanni - Der Kanton Glarus erteilte dem Burkaverbot eine Absage. Die jubelnden Burka-Befürworter bringen die Gegner nicht aus der Ruhe.

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Burka-Befürworter jubeln nach dem Nein der Landsgemeinde. «Ich hatte diesen Entscheid nicht erwartet», sagt Nora Illi, Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats IZRS. Es freue sie, dass rational entschieden worden sei. «Auch andere Kantone sollten sich an Glarus ein Beispiel nehmen und sich nicht in die immer schneller drehende Spirale der Islamophobie stürzen.» IZRS-Sprecherin Janina Rashidi sagt: «Das Nein ist ein Lichtblick in der sehr polemisch geführten Burkadebatte.» SP-Nationalrätin Yvonne Feri hofft, dass sich die Bevölkerung schweizweit ein Beispiel am Glarner Abstimmungsresultat nimmt. «Ein Verhüllungsverbot ist keine Antwort auf die Fragezeichen und Ängste, die Frauen in Burkas bei Schweizern auslösen können.» Walter Wobmann, Vorsitzender des Initiativkomitees «Ja zum Verhüllungsverbot»: Es sei nicht überraschend, dass sich die Glarner gegen das Verhüllungsverbot ausgesprochen hätten. «Glarus hat keine grossen Zentren und Städte, wo vermehrt verhüllte Frauen auftauchen. Auch hatte der Kanton keine Probleme mit linksextremen Chaoten.» Auch für Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, steht fest: «Salafistische Uniformen für Frauen wie Nikabs dulden wir in der Schweiz nicht. Dafür sollte das Land ein klares politisches Signal gegen aussen senden.» Hat sich gegen ein Burkaverbot ausgesprochen: Die Landsgemeinde in Glarus. (7. Mai 2017) Hoher Besuch bei Regenwetter: Bundesrat Guy Parmelin (m.) und Korpskommandant Philippe Rebord (r.) an der Landsgemeinde. Im Tessin bereits unter Strafe: Am 1. Juli 2016, dem Tag der Einführung des Burkaverbots, liess sich Nora Illi in Locarno öffentlich büssen. Mit diesem Blatt informieren die Tessiner Polizei und Hoteliers Touristen aus dem arabischen Raum über das Verhüllungsverbot. Unter anderem wird die maximale Busse von 10'000 Franken erwähnt.

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Umhüllt von einer Burka einzukaufen, ist weiterhin genauso erlaubt wie mit einer Burka in die Moschee zu gehen. Die Glarner Landsgemeinde schickte die Abstimmungsvorlage zu einem Verhüllungsverbot im öffentlichen Raum am Sonntag im Verhältnis von zwei zu eins bachab. Die Abstimmung folgte auf eine Initiative von SVP-Politiker Roland Hämmerli aus Bilten. Er führte die Sicherheit ins Feld. Ein Verbot hätte verhindern sollen, dass Verhüllte bei Ausschreitungen an Sportanlässen Radau machen. Auch initiierte Hämmerli das Verbot, weil er nicht wolle, dass Frauen unterdrückt werden.

Umfrage
Braucht es ein nationales Verhüllungsverbot?
77 %
13 %
1 %
4 %
5 %
Insgesamt 6301 Teilnehmer

Burka-Befürworter jubeln nach dem Nein der Landsgemeinde. «Ich hatte diesen Entscheid nicht erwartet», sagt Nora Illi, Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats IZRS. Es freue sie, dass rational entschieden worden sei. «Auch andere Kantone sollten sich an Glarus ein Beispiel nehmen und sich nicht in die immer schneller drehende Spirale der Islamophobie stürzen.»

«Jede Frau entscheidet selbst über ihre Kleidung»

Auch IZRS-Sprecherin Janina Rashidi sagt: «Das Nein ist ein Lichtblick in der sehr polemisch geführten Burka-Debatte.» Die Abstimmung in Glarus habe gezeigt, dass die Bürger nicht auf Scheinargumente der Burka-Gegner reingefallen seien. «Jede Frau soll selbst entscheiden können, wie sie sich kleidet.» Das Argument der Unterdrückung sei völlig veraltet. «Ein Verhüllungsverbot entspricht nicht dem Gedanken der Gleichberechtigung und der weiblichen Entscheidungsfreiheit.»

Linke Politiker teilen das Nein der Glarner. SP-Nationalrätin Yvonne Feri hofft, dass sich die Bevölkerung schweizweit ein Beispiel am Glarner Abstimmungsresultat nimmt. «Ein Verhüllungsverbot ist keine Antwort auf die Fragezeichen und Ängste, die Frauen in Burkas bei Schweizern auslösen können.» Laut Feri könnten Begegnungen entgegenwirken. «Und damit meine ich auf keinen Fall Konvertitinnen, die ihre Verhüllung durch alle Böden hindurch verteidigen.»


«Auch Glarus wird ein Verbot befürworten»

Das Glarner Resultat bringt Walter Wobmann, Vorsitzender des Initiativkomitees «Ja zum Verhüllungsverbot», nicht aus der Ruhe. Es sei nicht überraschend, dass sich die Glarner gegen das Verhüllungsverbot ausgesprochen hätten. «Glarus hat keine grossen Zentren und Städte, wo vermehrt verhüllte Frauen auftauchen. Auch hatte der Kanton keine Probleme mit linksextremen Chaoten.»

Zudem haben an der Landsgemeinde laut Wobmann nur wenige Bürger abgestimmt. Er glaubt dagegen, dass seine Initiative im Fall einer Volksabstimmung auch von vielen Glarnern unterstützt werde. «Auch Glarus wird ein Burkaverbot befürworten.» Mit 65 Prozent sei der Kanton Glarus schliesslich ein überdurchschnittlich grosser Befürworter des Minarett-Verbots gewesen.

Noch 30'000 Unterschriften fehlen

Das Komitee «Ja zum Verhüllungsverbot» sammelt bis am 15. September 2017 Unterschriften für ein nationales Verhüllungsverbot. Dieses soll neben Burkaträgerinnen auch vermummte Demonstranten betreffen. Zurzeit hat das Komitee 80'000 Unterschriften gesammelt. 30'000 fehlen noch.

Auch für Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, steht fest: «Salafistische Uniformen für Frauen wie Nikabs dulden wir in der Schweiz nicht. Dafür sollte das Land ein klares politisches Signal gegen aussen senden.» Auch im Kanton Glarus seien radikale Prediger aktiv. «Den Glarnern ist aber offenbar zu wenig bewusst, dass muslimische Frauen im Umfeld von Moscheen nichts zu sagen und sich zu fügen haben.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Theorie & Praxis am 08.05.2017 08:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja zum verbot

    Ganz ehrlich, ich will niemanden zu nahe treten, aber im glarus haben wahrscheinlich die bewohner eine burke das erste mal hier beim titelbild gesehen. Nimmt mich wunder ob sie nein gesagt hätten, wenn es wie in der westschweiz aussehen würde.

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  • Phipps82 am 08.05.2017 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    haha

    Vollverschleierung gehört nicht in die Schweiz! !!!PUNKT!!! geht mal als Nonne in ein Islamisches Land ;-) mal schauen, was dort passiert ;-)

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  • MichiZug am 08.05.2017 08:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Frage

    Wieso muss man im 2017, in einer globalisierten Welt, seine Religionen immer wieder provokant zu Show stellen? Und damit meine ich alle Religionen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nationless am 08.05.2017 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiser Entscheid

    Burkas sind noch nicht das Problem und die Glarner haben weise entschieden im Gegensatz zu den Tessiner, obwohl im Tessin weit und breit keine wohnhaften Burkaträgerin zu sehen ist und selbst Touristen verirren sich aus diesen Gegenden seltener ins Tessin erst recht wenn ein Burkaverbot selbst für Touristen gibt. Die Ticinesi sind so belämmerte hinterwäldlerische Angsthasen. Eine Burkaträgerin plus ein Koran und schon kriegen Ticinesi Paranoia.

  • Sunne83 am 08.05.2017 22:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Landsgemeinde

    Ich habe es geahnt, dass es abgelehnt wird, obwohl ich gehofft habe, dass es angenommen wird. Es gab in der Südostschweiz sehr viele Leserbriefe von Leuten, die gegen das Verbot waren. Nun hoffe ich auf die nationale Abstimmung.

  • Palestin!!!!!!!!!! am 08.05.2017 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    arme leute........

    ich verstehe die aufregung gar nicht, mal erlich wie viele burkaträgerinnen haben sie die hier so "braune" kommentare schreiben schon gesehen? in echt in der stadt dorf usw??? ja da kommt man ins grübeln, weil es eine lächerliche zahl ist, für die soviel geld investiert wird um es zu bekämpfen und gleichzeitig von wesentlichen dingen ablenkt. andere kantone sollten sich auch ein beispiel nehmen, danke glarus. man sollte sich mal die letzten paar jahre zurück denken und die hetzkampagne gegen den islam betrachten (ohne seite zu ergreifen). funktionierende länder wie lybien ägypten tunesien usw. wurden destabiliesiert und amerikanisiert, weil sie sich nicht mehr am dollar orientierten sondern ihr eigenes system gehabt haben und denn noch funktionierend!! noch was kleines, die schweiz beliefert das kriegsgebiet mit munition, nicht vergessen. so ist sie mitverantwortlich für die lage da "unten" wie so viele andere länder...... peace of world.

  • Lya am 08.05.2017 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Luxus

    Muss schon sagen wir haben echt Luxus Probleme in der Schweiz.

  • Kein Burka-Befürworter am 08.05.2017 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wie kann man da jubeln?

    Jubelt mal nicht zu früh, das wird bald auf Landesebene geklärt, dann dürfte es anders aussehen.