Schule

02. November 2010 16:34; Akt: 02.11.2010 19:08 Print

SVP will Homosexualität verbannen

Weniger Fremdsprachen, mehr Kopfrechnen und keine Gleichbehandlung von Homo- und Hetero-Beziehungen in Schulbüchern: Die SVP will den Lehrplan umkrempeln.

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SVP-Bildungspolitiker Ulrich Schlüer hat eine andere Vorstellung vom Schulunterricht als die kantonalen Erziehungsdirektoren. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

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Vor gut einer Woche hatte die SVP ein Positionspapier zur Schule verabschiedet, nun hat sie einen detaillierten Lehrplan präsentiert.

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Das 96-seitige Dokument ist als Gegenprojekt zum Lehrplan 21 gedacht, den die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) derzeit ausarbeitet. Die SVP hatte damit gerechnet, dass dieser im Herbst vorliegen würde, was nicht der Fall ist.

Der Lehrplan ist der Partei aber schon jetzt ein Dorn im Auge. Sie befürchtet insbesondere, dass den Kantonen zu viel vorgeschrieben werden könnte. Mit dem Lehrplan 21 werde sich die EDK zum «Bildungsvogt» mausern, warnte SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer am Dienstag an einer Medienkonferenz in Bern.

Ginge es nach dem Willen der SVP, sollte der neue Lehrplan nur Ziele enthalten. Auch die SVP möchte den Kantonen aber einiges vorschreiben. So soll der Fremdsprachenunterricht erst in der Oberstufe einsetzen.

Fremdsprachen nicht für alle

Zwei Fremdsprachen - Französisch und Englisch - wären nur im Niveau A obligatorisch, also für die besten Schüler. Im Niveau B würden die Schüler wählen, welche der beiden Sprachen sie lernen. Ganz freiwillig wäre der Fremdsprachenunterricht im Niveau C der Oberstufe.

Aufgewertet werden sollen nach dem Willen der SVP die Fächer Mathematik und Realien. In der Mathematik fordert die Partei eine Rückkehr zum «bewährten Rechenunterricht» mit mehr Kopfrechnen und Dreisatz.

Klimawandel mit Fragezeichen

Das heutige Fach «Mensch und Umwelt» lehnt die SVP ab. Solchen Fächern mit Inhalten wie dem «beliebten» Klimawandel seien Fächer wie Physik zum Opfer gefallen, kritisierte der Thurgauer Lehrer Franziskus Graber. Die globale Erwärmung sollte nach Ansicht der SVP im künftigen Lehrplan unter dem Titel «Klimakatastrophe oder Klimalüge?» thematisiert werden.

Mehr Gewicht sollte ausserdem die Schweizer Geschichte erhalten - und zwar nicht in Form «linker Geschichtsschreibung». Als solche taxiert die SVP den Bergier-Bericht über die Schweiz während dem Zweiten Weltkrieg.

Thema «Homosexualität» tabu

Scharfe Kritik übt die SVP an Projekten für den künftigen Sexualkundeunterricht. Es gehe nicht an, dass in Schulen die «Gleichwertigkeit sexueller Orientierungen propagiert» werde, sagte der Aargauer Lehrer Willi Villiger.

Die Schule sollte stattdessen die Vorzüge der Familie aufzeigen, einer «staatserhaltenden Kraft und jahrtausendealten Lebensform», wie es im Lehrplan heisst. Als Aussage über Homosexualität will die SVP dies nicht verstanden wissen: Solche Themen hätten einfach im Schulunterricht nichts verloren.


Plädoyer für die Schnürlischrift

Gar nichts hält die SVP ferner von «selbständig entdeckendem Lernen». Dies sei ein «sozialromantisches Phantom», hiess es. Stattdessen soll wieder mehr geübt werden. Und auch die Schnürlischrift ist der SVP wichtig: «Sie darf nicht sterben», sagte Lehrer Graber.

Eine Gruppe von Lehrern hatte den «SVP-Lehrplan» erarbeitet. Was damit nun geschehen soll, ist offen. Die EDK zeigt sich offenbar nicht sonderlich interessiert: «Die haben uns die kalte Schulter gezeigt», sagte Schlüer. Dies sei bedauerlich.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Noldi am 04.11.2010 18:24 Report Diesen Beitrag melden

    Fremdsprachen gehören unbedingt in die

    Primarschule. Kinder in dem Alter lernen sehr gut Fremdsprachen. Z.B. ein Junge kam als 8 Jähriger aus Santo Domingo. Redete nur Spanisch, ein Jahr darauf konnte er schon Mundartdeutsch und verstand praktisch alles was wir redeten. Ihr SVPler habt alle das Gefühl alleinwissend zu sein. Eure wankelmütige Aussagen bringen euch nur Häme ein.

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  • Fabienne Steiner am 05.11.2010 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    jaja...

    «staatserhaltenden Kraft und jahrtausendealten Lebensform». Das sagt ja schon alles aus über das Niveau der SVP.

  • Hans Satt am 08.11.2010 01:01 Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbar ist das nicht

    Die SVP ist ja für ihre regressiven Positionen bekannt. Die Familientradition aufrecherhalten wollen sie, damit wir alle in ihrem System die Zahnrädchen spielen. Er sagt ja selber, dass dieses Konstrukt staatserhaltend ist, viel dreister gehts ja gar nicht mehr. Die Ideologie für den Depp auf der Strasse und die Sesselpupser profitieren davon, wenn man sie wählt. Homophobie, Sexismus und Rassismus darf keine Chance gegeben werden, sonst sind wir ganz schnell wieder da, wo wir vor 70 Jahren waren. Wir brauchen endlich progressive Massnahmen zur Überwindung des Kapitalismus!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Satt am 08.11.2010 01:01 Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbar ist das nicht

    Die SVP ist ja für ihre regressiven Positionen bekannt. Die Familientradition aufrecherhalten wollen sie, damit wir alle in ihrem System die Zahnrädchen spielen. Er sagt ja selber, dass dieses Konstrukt staatserhaltend ist, viel dreister gehts ja gar nicht mehr. Die Ideologie für den Depp auf der Strasse und die Sesselpupser profitieren davon, wenn man sie wählt. Homophobie, Sexismus und Rassismus darf keine Chance gegeben werden, sonst sind wir ganz schnell wieder da, wo wir vor 70 Jahren waren. Wir brauchen endlich progressive Massnahmen zur Überwindung des Kapitalismus!

    • Tommy am 08.11.2010 14:25 Report Diesen Beitrag melden

      Schwachsinn

      Wenn man von den statistischen 5-10% ausgeht ist die Präsenz dieser Gruppe in den Medien schon überproportional. UNd das Gejammer von Benachteiligung kann ich nicht mehr hören. Wittwenrente für gleichgeschschlechtliche Paare oder Kinder zum Beispiel: Da keiner der Kindererziehung nachgeht können auch beide Arbeiten und beide Vorsorgen. Es wird eh Zeit das die Hinterblibenenversorgung an die Kinder gebunden wird die es fördern soll und nicht reiche Witwen gefüttert werden die nie gearbeitet haben. Und dort zeigt sich die Gier dieser Gruppe: Auch haben statt abschaffen.

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  • fabienne steiner am 05.11.2010 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    booh

    stecken wir die doch alle in eine schule speziell für diese leute und schauen, wie weit sie es im leben schaffen?

    • Tomek am 08.11.2010 14:29 Report Diesen Beitrag melden

      Zumindest in technischen/ argrawissen.

      Bereichen haben wir wohl Nachwuchsmagel. Nur Designer, Schöngeister, Popstars, Installationskünstler, DJ und Jungpolitiker haben wir wegwerfen genug. Aber ohne die ersten werden die zweiten hungern

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  • Fabienne Steiner am 05.11.2010 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    jaja...

    «staatserhaltenden Kraft und jahrtausendealten Lebensform». Das sagt ja schon alles aus über das Niveau der SVP.

  • P. Hofer am 04.11.2010 20:34 Report Diesen Beitrag melden

    Die erste Partei, die Mut hat ...

    ... diese Lüge anzusprechen: "Die globale Erwärmung sollte nach Ansicht der SVP im künftigen Lehrplan unter dem Titel «Klimakatastrophe oder Klimalüge?» thematisiert werden." Dass ich das noch erleben darf! Das geht runter wie Öl ...

  • Noldi am 04.11.2010 18:24 Report Diesen Beitrag melden

    Fremdsprachen gehören unbedingt in die

    Primarschule. Kinder in dem Alter lernen sehr gut Fremdsprachen. Z.B. ein Junge kam als 8 Jähriger aus Santo Domingo. Redete nur Spanisch, ein Jahr darauf konnte er schon Mundartdeutsch und verstand praktisch alles was wir redeten. Ihr SVPler habt alle das Gefühl alleinwissend zu sein. Eure wankelmütige Aussagen bringen euch nur Häme ein.

    • Kathrin am 05.11.2010 07:04 Report Diesen Beitrag melden

      Toll

      Das finde ich aber toll, das ein Kind dass in die Schweiz kommt Deutsch lernt. Oder sollten die Schweizer Kinder Spanisch lernen damit sie sich mit ihm verständigen können?

    • Noldi am 05.11.2010 13:39 Report Diesen Beitrag melden

      Wollte damit sagen,

      er lernte schnell, weil er jung war. Was soll die hämische Bemerkung?

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