Drohender Verkehrskollaps

13. Juni 2017 17:23; Akt: 13.06.2017 17:41 Print

«Zur Rushhour sofort den Pannenstreifen freigeben»

Der Verkehr auf unseren Autobahnen nimmt ungebremst zu. Wie wollen Politiker den Kollaps verhindern?

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Schweizer Autobahnen sind so voll wie nie. Auf den fünf meistbefahrenen Abschnitten wurde letztes Jahr laut den Zahlen des Bundesamts für Strassen eine Rekordzahl von Fahrzeugen registriert. Auch Staus nehmen seit Jahren zu: Seit 2008 hat sich die Zahl der Staustunden auf über 22'000 verdoppelt.

Prognosen zufolge dürfte der Verkehr auch künftig wachsen. Doch wie lässt sich ein Verkehrskollaps abwenden? 20 Minuten hat Politiker nach ihren Rezepten befragt.

6 Massnahmen gegen den Stau

Pannenstreifen freigeben: Als Sofortmassnahme fordert SVP-Nationalrat Walter Wobmann, dass zu Spitzenzeiten der Pannenstreifen für den Verkehr freigegeben wird, um Stau zu vermeiden. «Obwohl der Pilotversuch in Morges-Ecublens erfolgreich war, geschieht die Freigabe viel zu zögerlich.» Leider würden Einsprachen etwa die geplante Umnutzung auf der A6 zwischen Wankdorf und Muri blockieren. Weitere Umnutzungen sind in den Regionen Aargau, Basel, Bern, Genf, Lausanne, Winterthur und Zürich geplant.

Schnell ausbauen: Mit der Annahme des Strassen- und Agglomerationsfonds NAF liegt Geld für die Engpassbeseitigung bereit. Bis 2030 sollen rund 6,5 Milliarden Franken investiert werden. Geplant sind Verbesserungen etwa bei der Nordumfahrung Zürich oder zwischen Luterbach und Härkingen. FDP-Nationalrat und TCS-Vize Thierry Burkart verlangt, dass der Ausbau rasch angepackt wird: «Solange die Bevölkerung und der Wohlstand zunehmen, wächst auch der Verkehr. Wir müssen die Verkehrsinfrastruktur darauf ausrichten.» Heute dauere es aber viel zu lange, bis ein Projekt realisiert werden könne. «Die Beschwerdeverfahren müssen massiv verkürzt werden.»

Zuwanderung bremsen: Ein Grund für das Verkehrswachstum ist das Bevölkerungswachstum. Wobmann sagt, eine Beschränkung der «Masseneinwanderung» sei auch die wirksamste Verkehrspolitik. «In einer 10-Millionen-Schweiz wird sich das Stau-Problem vergrössern.»

Umfrage
Welche Massnahme löst das Stauproblem?
15 %
26 %
6 %
32 %
6 %
12 %
3 %
Insgesamt 7227 Teilnehmer

Mobility Pricing: Grünen-Nationalrat Bastien Girod sieht die beste Lösung im Mobility Pricing. «Mit den Ausbauten wird der Stau nur verschoben. Das ist teuer und macht keinen Sinn. Wir sollten stattdessen den Markt spielen lassen.» Für die zurückgelegten Kilometer würde eine Gebühr erhoben, zu Stosszeiten und an neuralgischen Stellen wäre das Autofahren teurer. So könnten die Verkehrsspitzen gebrochen und die Strasse gleichmässiger ausgelastet werden. Der Bund prüft derzeit zusammen mit Kantonen und Gemeinden entsprechende Pilotprojekte.

Homeoffice und Fahrgemeinschaften: Laut FDP-Verkehrspolitiker Burkart kann Homeoffice langfristig einen Beitrag zur Entlastung der Strasse leisten. Allerdings brauche es Zeit, bis die Firmen ihre Mitarbeiter noch vermehrt von zu Hause aus arbeiten lassen – und ein flexibleres Arbeitsrecht. Ausserdem sehen Burkart und auch Wobmann Potenzial im Carsharing. «In der Agglomeration ist es sinnvoll, ein Auto zu teilen», so Wobmann. Auch dafür brauche es aber die nötige Infrastruktur – etwa Parkplätze bei Autobahnauffahrten, wo sich Fahrgemeinschaften treffen und das eigene Auto abstellen können.

Doppelstöckige Autobahn: Nachgedacht wird im Bundeshaus auch über kreative Ideen. So schlug SVP-Nationalrat und Fuhrhalter Ulrich Giezendanner schon vor gut zwei Jahren vor, die A1 mit einer zusätzlichen Spur zu überdachen – nach dem Vorbild von Highways in Los Angeles. Das Bundesamt für Strassen liess damals gegenüber der «Aargauer Zeitung» verlauten, dass eine solche Lösung enorm teuer sei.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marcello M. am 13.06.2017 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Mobility Pricing

    Ich muss zur Arbeit, da ändert auch Mobility Pricing nichts daran ausser, dass sich die Arbeit bald nicht mehr lohnt.

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  • Erich am 13.06.2017 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Doris nimmt jeweils den Helikopter

    Wo ist das Problem? Macht es doch wie Doris und nehmt den Superpuma.

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  • Rebel son am 13.06.2017 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lösung

    Einwanderung bremsen, 2stöckige Autobahnen minimumstandart, lkw wohnmobile und Autos mit Anhänger nur unten. überholverbot für lkw. Für Touristen teurere Vignetten. Problem gelöst. Und der Mittelstand zahlt keinen Rappen mehr.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Faules Schwein am 06.07.2017 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Ansichten des BR

    Wenn es um Einahmen geht , kann es dem BR nie genug sein, bei sinnvollen Investitionen heisst es gleich zu teuer. Verdamtnoch..... , in ausländischen Großstädten geht es auch und ohne Gejammer, da reagiert man schon Vorzeitig. Klare Anweisung an BR : Statt die jährlichen 13,2 Milliarden in irgendwelche dubiose Hilfswerke im unbekannten Pfefferland zuverpulvern, diesen Betrag in Straßenbau & AHV Rente investieren. Hier sind die dringenden Baustellen und nicht im Ausland, dafür ist auch das Steuergeld gedacht.

  • Realist am 13.06.2017 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere zeiten zum arbeiten

    schaffen wir doch die gleitende Arbeitszeit ab dann kann man den Verkehr regeln ! 1.woche 06.00 bis 15.00 uhr 2. Woche 07.00 bis 16.00 3. Woche 08.00 bis 17.00 uhr usw. das währe für jeden eine Woche im Monat, die Straßen und Eisenbahnen währen mit diesem system besser ausgelastet. dadurch könnten die Ämter und Banken Post am abend länger offen haben was wiederum mehr Dienst am kunden währe.

  • Martough am 13.06.2017 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pension

    Wie wärs wenn die Pensionierten ihren Fahrausweis obligatorisch abgeben ab dem Zeitpunkt wo sie nie wieder ergendwo arbeiten können? 50% auf ÖV Billete und wenn sie in den Urlaub fahren wollen, beim Strassenverkehrsamt einen Tauglichkeitstest ablegen und eine Fahrbewilligung kriegen für 250 ChF die Woche. Weniger Gass/bremse verwechselt - weniger schleichen ect.

    • Pensionär am 14.06.2017 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martough

      wenn sie pensioniert werden, könnten sie doch zu Fuss gehen.

    • Faules Schwein am 06.07.2017 09:35 Report Diesen Beitrag melden

      @Martough

      Bin auch Pensionär, umgekehrt wird ein Schule draus. ;-) wir Pensionäre können die Fahrzeiten selber einteilen, wo ihr Arbeitnehmer eine zeitliche Vorgabe habt.

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  • Herbert am 13.06.2017 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinnig

    Ernsthaft?? Zuwanderung begrenzen löst uns das Verkehrschaos?? Das ist ja mal typisch nicht über den Tellerrand schauen.

  • Bebbichlo(e)pfer am 13.06.2017 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu voll

    Wenn ich mir jeden Morgen auf der A2 als Exot mit meinem CH-Nummernschild zwischen all den EU-Nummernschildern vorkomme, denke ich, dass sicher auch dort angesetzt werden kann.