Vory v Zakone

30. Januar 2012 20:53; Akt: 30.01.2012 20:53 Print

Vier ranghohe georgische Mafiosi angeklagt

Im jahrelangen Kampf gegen eine ex-sowjetische Verbrecherorganisation erhebt die Bundesanwaltschaft Anklage gegen vier ranghohe Mitglieder. Sie sollen Teil eines europaweiten Netzwerkes sein.

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Am Bundesstrafgericht in Bellinzona kommt es zu einem Prozess gegen führende Mitglieder einer Verbrecherorganisation aus Georgien, die in ganz Westeuropa agiert. Die Bundesanwaltschaft (BA) hat vier Männer angeklagt, denen die Beteiligung an einer kriminellen Organisation, Geldwäscherei und bandenmässiger Einbruchsdiebstahl vorgeworfen werden. Die Beschuldigten sollen führende Stellungen in der Organisation «Vory v Zakone» (russisch für Diebe im Gesetz) innegehabt haben, schreibt die BA am Montag in einer Mitteilung.

Angeklagt sind der Landesverantwortliche für die Schweiz, dessen mutmasslicher Bruder, der Regionalverantwortliche Tessin sowie eine Person, die dem Schweiz-Chef zugedient haben soll. Alle vier befinden sich in der Schweiz in Haft. Der mutmassliche Bruder des Schweiz-Chefs hat Frankreich im letzten Jahr an die Schweiz ausgeliefert. Die Verwandtschaft ist nicht restlos geklärt, weil die Bandenmitglieder unter verdeckten Namen agieren. Laut BA deuten jedoch DNA-Spuren darauf hin.

Verbrecherkaste sowjetischen Ursprungs

Die Bundesanwaltschaft ermittelt bereits seit April 2009 gegen mehrere Personen aus Osteuropa, mehrheitlich Georgen und Russen, sowie dem Phänomen der «Vory v Zakone». Diese Verbrecherkaste geht auf die Zeit der Sowjetunion zurück und soll unter den Sträflingen in den Gulag Stalins entstanden sein. Die Mitglieder folgen einem eigenen Kodex, dem Gesetz der vory, tragen Tätowierungen mit bestimmten Bedeutungen, sprechen einen kryptischen Jargon (fenya) und sind streng hierarchisch organisiert. Einen Teil ihres kriminellen Verdienst bezahlen sie in eine Gemeinschaftskasse (obschak).

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 breitete sich die «Vory v Zakone» als Teil der russischen Mafia auch nach Westeuropa aus. Laut Bundesanwaltschaft gehören die von ihr angeklagten Personen einem europäischen Zweig der Organisation an, dessen Führung sich in Spanien angesiedelt hatte und von dort die Aktivitäten in den einzelnen Ländern lenkte und beaufsichtigte. Die Schweiz war wiederum in mehrere Regionen mit eigenen Verantwortlichen aufgeteilt: Romandie, Region Zentralschweiz/Bern, Region Ostschweiz mit Zentrum Zürich und Tessin. Laut BA mussten die Regionenchefs die Diebestouren ihrer Mitglieder überwachen und die Abgaben einsammeln.

Europaweit koordinierte Verhaftungen

Nachdem die Bundesanwaltschaft vor rund drei Jahren aufgrund der schweizweiten Einbruch- und Ladendiebstählen von Georgier-Banden aktiv geworden war, kam es im März 2010 zu einer international koordinierten Aktion. Die Behörden von Spanien, Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz verhafteten gleichzeitig mehrere Dutzend Personen. In der Schweiz standen 120 Polizisten von Bund und Kantonen im Einsatz und nahmen elf Personen fest. Die Bundesanwaltschaft sprach von einem herben Schlag, der dem georgischen organisierten Verbrechen in Europa versetzt wurde.

Bereits im Oktober 2010 verurteilte ein Genfer Gericht sieben Georgier wegen Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation. Ihr wurden über 200 Einbrüche zur Last gelegt. Die Verurteilten bekamen Strafen zwischen zwölf Monaten bedingt und sechs Jahren unbedingt. Dabei ging es um dieselbe Organisation wie bei der aktuellen Anklage der Bundesanwaltschaft. Der Fall ist aber weiterhin nicht abgeschlossen. Wie die BA schreibt, laufen noch Untersuchungen gegen weitere 30 Personen.

(mdr)

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