Zuflucht in der Schweiz

26. Januar 2017 11:36; Akt: 26.01.2017 11:36 Print

Wenn Kriegsverbrecher bei uns Asyl suchen

Ein Ex-Minister von Gambia beantragte in der Schweiz Asyl – ihm werden Gräueltaten in seinem Heimatland vorgeworfen. Er ist nicht der erste Flüchtling mit finsterer Vorgeschichte.

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Ousman Sonko war zehn Jahre lang Innenminister des westafrikanischen Staates Gambia. Während seiner Amtszeit soll er willkürliche Verhaftungen, Folter und Hinrichtungen angeordnet haben. Im letzten Jahr reiste Sonko in die Schweiz und beantragte Asyl. Derzeit ist er in einem Asylzentrum im Kanton Bern untergebracht. Auch der Liberianer Alieu Kosiah kam als Asylbewerber in die Schweiz. Vorher war er Kommandant der Rebellenorganisation United Liberation Movement of Liberia for Democracy (Ulimo) gewesen, die gegen den damaligen liberianischen Präsidenten Charles Taylor kämpfte. Nachdem Kosiah 18 Jahre unbehelligt in der Schweiz gelebt hatte, verheiratet mit einer Schweizerin, wurde er im Januar 2016 verhaftet. Als Rebellenführer soll er Kriegsverbrechen begangen oder angeordnet haben – so etwa die Ermordung von Zivilsten und in einem Fall eine Vergewaltigung. Auch die Bosnierin Elfeta K. lebte während vielen Jahren unbehelligt in der Schweiz. Im September 2016 wurde sie dann an ihrem Wohnhort im Kanton Neuenburg verhaftet. Der Vorwurf: Während des Bosnien-Kriegs sei sie im Sommer 1992 für die grausame Ermordung des 12-jährigen serbischen Buben Slobodan Stojanovic (Bild) verantwortlich gewesen. Bosnien-Herzegowina hat die Auslieferung von K. beantragt. Auch ein in die Schweiz eingereister Asylbewerber aus Syrien soll in seinem Heimatland Kriegsverbrechen begangen haben. Im August 2016 hat die Bundesanwaltschaft (im Bild deren Hauptsitz) ein Verfahren gegen den Mann eröffnet. Mit einem während des Bosnienkriegs begangenen Kriegsverbrechen musste sich das Bundesstrafgericht in Bellinzona im Jahr 2014 befassen: Es ging um die Vergewaltigung eines 14-jährigen Mädchens, die einem in der Ostschweiz wohnhaften Bosnier vorgeworfen wurde. Das Gericht verpflichtete die Schweizer Bundesanwaltschaft, sich des Falls anzunehmen. In Bosnien wurde der Mann danach zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Zu einem der schlimmssten Massaker der Geschichte kam es 1994 im afrikanischen Staat Ruanda. Ein Mann, der währenddessen als Minister amtierte und daher für die Kriegsverbrechen mitverantwortlich sein soll, kam als Asylbewerber in die Schweiz und lebte als vorläufig Aufgenommener Luzern. Obwohl die ruandische Regierung die Auslieferung des Mannes forderte, durfte er in der Schweiz bleiben. Der Grund: Es sei nicht damit zu rechnen, dass er in seinem Heimatland einen fairen Prozess bekommen würde. Daher sei seine Auslieferung nicht zumutbar.

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Ousman Sonko war ein Jahrzehnt lang Innenminister im westafrikanischen Staat Gambia. In dieser Funktion soll er für willkürliche Verhaftungen, Folter und Hinrichtungen verantwortlich gewesen sein. Im vergangenen September floh Sonko erst nach Schweden, wo sein Asylgesuch abgelehnt wurde, danach nach Spanien. Seit November lebt der afrikanische Ex-Politiker in der Schweiz, untergebracht in einem Asylheim im Kanton Bern.

Immer wieder reisen in die Schweiz Asylbewerber ein, die eine dunkle Vergangenheit in ihrem Heimatland hatten. So wurde etwa im Januar 2015 der Liberianer Alieu Kosiah verhaftet. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Kosiah 16 Jahre lang unbehelligt in der Schweiz gelebt. Zwar war sein 1998 eingereichtes Asylgesuch abgelehnt worden, dank der Heirat mit einer Schweizerin durfte er aber im Land bleiben.

Kosiah war in den Neunzigerjahren ein Kommandant der Rebellenmiliz United Liberation Movement of Liberia for Democracy, die im liberianischen Bürgerkrieg den damaligen Präsidenten Charles Taylor bekämpften. Mehrere Zeugen werfen Kosiah Kriegsverbrechen vor – etwa die Ermordung von Zivilisten und Vergewaltigung.

Bosnierin soll 12-Jährigen getötet haben

Mitglieder der liberianischen Gemeinschaft in der Schweiz verteidigen Kosiah jedoch: Er sei kein Kriegsverbrecher, sondern habe nur seinen von der Vertreibung bedrohten Stamm verteidigt, sagte ein Bekannter Kosiahs damals zu 20 Minuten.

Im September 2016 wurde in der Schweiz eine Frau verhaftet, die an Gräueltaten im Bosnienkrieg beteiligt gewesen sein soll. Die 56-Jährige, die während vielen Jahren im Kanton Neuenburg lebte, soll 1992 in der Nähe von Srebrenica einen 12-jährigen serbischen Jungen ermordet haben. Bosnien-Herzegowina fordert ihre Auslieferung.

Ex-Minister aus Ruanda lebte von Sozialhilfe

Sonko ist nicht der erste afrikanische Ex-Minister, der als Asylsuchender in die Schweiz einreiste. Vor fünf Jahren wurde der Fall eines Mannes aus Ruanda bekannt, der dort der Regierung angehörte, während sich im Land eines der schlimmsten Massaker der Geschichte ereignete.

Dessen Asylgesuch hatte die Schweiz zwar abgelehnt – weil aber nicht zu erwarten sei, dass ihm in seiner Heimat ein fairer Prozess gemacht würde, wurde er vorläufig aufgenommen und lebte, wie damals der «SonntagsBlick» berichtete, in Luzern von der Sozialhilfe.

Weitere Fälle finden Sie in der Bildstrecke.

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wm Oz am 26.01.2017 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei allem Respekt...

    aber wer die Menschenrechte von zig Leuten jahrelang mit Füssen tritt, hat seine eigenen Menschenrechte verwirkt.

    einklappen einklappen
  • Schweizerin am 26.01.2017 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechtssystem

    Wundervolles Rechtssystem in der Schweiz. Kann es sein, dass da etwas falsch läuft?!

    einklappen einklappen
  • bareu am 26.01.2017 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur traurig

    wie unser Asylstaat funktioniert. Das Vertrauen in den Staat sinkt und sinkt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • busa am 26.01.2017 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kontrolle

    So kontrollieren wir wer reinkommt! Super!

  • MuRo am 26.01.2017 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gibt nur eins:

    Abholen, rein in den nächsten Flieger und RAUS, aber ganz schnell

  • Cartman1993 am 26.01.2017 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwierige Diskussion

    Vielfach habe ich jetzt gelesen, dass man Kriegsverbrechern die Menschenrechte entziehen soll. Ich kanndas zwar emotional nachvollziehen, jedoch funktioniert unser Rechtstaat halt nicht so. Auch ein Neonazi, der anderen ihre Rechte entziehen will, hat trotzdem anspruch auf genau diese Rechte, da diese Rechte universal sind.

  • Antonio am 26.01.2017 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Neutrale Schweiz

    Ich habe immer gedacht, das man nur in 1 Land einen Asylantrag stellen kann? Aber ich bin sicher, das die Neutrale Schweiz Ihn aufnehmen wird. Ich will ja nicht wissen wie-viele Kriegsverbrechen in der Schweiz leben!!!

  • gery frauchiget am 26.01.2017 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kriegsverbrechen

    Bei uns ist alles möglich. Es ist nicht zu glauben.