Prämienrabatt für Junge

15. Dezember 2016 14:23; Akt: 15.12.2016 14:23 Print

«Erwachsene müssen die Zeche bezahlen»

Junge Erwachsene und Familien mit Kindern sollen bei den Krankenkassenprämien entlastet werden. Bürgerliche finden das «nicht nachhaltig».

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Ganz knapp sagte der Nationalrat am Mittwoch Ja zu einem Prämienrabatt für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Unter 18-Jährige sollen neu einen Rabatt von 80 statt bisher 50 Prozent auf die Prämien erhalten. Junge Erwachsene von 19 bis 25 Jahren sollen noch die Hälfte der Prämien zahlen müssen.

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Die Mitteparteien und die Linken hatten die Vorlage unterstützt, entsprechend gross ist die Freude bei SP-Nationalrätin Barbara Gysi. «Wir haben schon lange für eine stärkere Unterstützung der Familien bei den Krankenkassenbeiträgen eingesetzt, nun sind wir einen grossen Schritt weitergekommen.»

«Jeden Monat Hunderte Franken sparen»

Der Prämienanstieg der letzten Jahre hätten die Familien besonders stark getroffen, diese müssten bis zu 17 Prozent des Haushaltseinkommens für die Krankenversicherung aufwenden. «Das ist ein happiger Brocken.» Nehme auch der Ständerat das Gesetz an, so würden Familien mit vielen Kindern mehrere hundert Franken sparen.

Auf der anderen Seite würden die Prämien Erwachsener um rund 10 Franken steigen, sagte Kommissionssprecherin Ruth Humbel (CVP) im Rat. «Irgendjemand wird die Zeche bezahlen müssen. Es gibt wieder ein Herumschieben der höheren Prämien, und das geht natürlich zulasten der Erwachsenen», kommentierte SVP-Nationalrat Toni Brunner.

Berset sieht Kantone am Drücker

Ob die Prämien für die Erwachsenen tatsächlich steigen, ist umstritten. Bundesrat Alain Berset widersprach Brunner: Ein Prämienrabatt für Junge bedeute keineswegs, dass automatisch die Erwachsenen die Zeche bezahlen müssten. Es sei an den Kantonen, einen derartigen Kostenanstieg zu verhindern. Dazu könnten Gelder aus dem Risikoausgleich verwendet werden.

Dass andere eventuell mehr zahlen müssen, nimmt Gysi in Kauf. «Bei Familien wird die Erhöhung von 10 Franken auf der Erwachsenenprämie mehr als kompensiert.» Zwar hätte sie gerne eine Lösung mit höheren öffentlichen Beiträgen gehabt, dafür eine Mehrheit zu finden sei aber nicht möglich gewesen. Weiterhin werde man in der SP diskutieren, Initiativen zur Festlegung einer maximalen Haushaltsbelastung von 10% der verfügbaren Einkommens zu lancieren.

«Kantone werden zu Rabatten verdonnert »

FDP-Nationalrat Bruno Pezzatti kritisiert, die Kantone würden dazu verdonnert, ihr Geld für erhöhte Prämienverbilligungen aufzuwenden. «Wenn sie es wollen, können die Kantone die Krankenkassenprämien bei Kindern heute schon mehr als 50 Prozent verbilligen, nun wird es ihnen diktiert.» Eine freiwillige Lösung sei liberaler und föderalistischer

Auch sei eine Ausbau der Prämienverbilligung keine nachhaltige Lösung für das Problem der ausufernden Gesundheitskosten. «Wir müssen das Problem bei der Wurzel packen und zum Beispiel den Vertragszwang aufheben, zumindest aber lockern.» Heute müsse jede Kasse mit jedem Arzt oder Spital einen Vertrag abschliessen, egal wie effizient und in welcher Qualität ihre Leistungen erbracht werden. So werden zu oft unnötige Untersuchungen und chirurgische Eingriffe durchgeführt.

Auch Gysi will das Kostenwachstum dämpfen. «Änderungen dürfte allerdings noch einige Zeit dauern, und die Familien leiden jetzt unter den hohen Prämien. Die zusätzliche Prämienverbilligung schafft hier schnell Abhilfe.»

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steph. am 15.12.2016 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Kosten senken

    Solange die Ausgaben gleiche hoch sind, sind auch die Prämien gleich hoch. Es werden also nur die Prämien neu verteilt. Bezahlen muss am Schluss immer der Bürger. Das Parlament und der Bundesrat würde besser eine Lösung suchen, damit die kosten im Gesundheitswesen sinken statt immer steigen.

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  • ohne Kind Frau am 15.12.2016 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Privatsache

    Kinder sind privat Sache.Bezahle mit meinen Steuern genug an Kindergarten,Schule etc.

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  • Politker Pack am 15.12.2016 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Verlogenes

    Die zweite Kiste Bier in einer Woche gewonnen. habe schon gestern geschrieben, dass die Geichung nur aufgeht, wenn andere mehr zahlen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sola am 16.12.2016 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Mogelpackung

    Es ist ein Versuch des Staates, sich aus der Sozialverantwortung zu ziehen und die Sozialkosren und Prämienverbilligungen auf die, die noch eine Kleinigkeit haben, abzuwälzen. Dass ausgerechnet von der SVP Hilfe kommen sollte, bezweifle ich jedoch. Und die lonken finden es total gut!

  • Fragende am 16.12.2016 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    aus welcher Ecke kommt das?

    Ich würde gerne mal eine Statistik (keine gefälschte) zu Gesicht bekommen um zu sehen wer in diesem Land tatsächlich die Kosten in die Höhe treiben. Dort muss dann massivst interveniert werden und zwar die Kosten senken und nicht umverteilen. Es bringt überhaupt nichts die Prämien bei den einen zu senken um es den anderen aufzudrücken. Das hat nichts mehr mit Sozialstaat zu tun, wenn es immer dieselben sind die für alles gerade stehen müssen. Aber ich kann mir schon vorstellen aus welcher Ecke die Kosten immer mehr explodieren, aber das darf man ja in der Öffentlichkeit nicht kundtun.

  • ben mader am 16.12.2016 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    tschüss schweiz

    Jetzt reicht es langsam, ich wandere aus! Bin nicht bereit, für die verwöhnten egoistischen gofen mehr zu zahlen. Hoffentlich wird das referentum ergriffen, dann können wir das ganze abschmettern! Es wurde den Retnern auch nicht mehr Geld gegönnt!

    • Und tschüss am 16.12.2016 12:37 Report Diesen Beitrag melden

      bye bye

      Es sind dann aber genau diese "verwöhnten Gofen" die Ihre Rente finanzieren!

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  • Sola am 16.12.2016 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Sieht das denn niemand!

    Ja das stimmt. Auch die Alten mit bescheidener Rente. Nun, ein Verbilligung der Prämien für Kinder ist an und für sich nichts schlechtes. Nur, es ist vor allem auch wieder eine Umverteilung an die kinderreichen Migranten. Sogar die Oma muss blechen für eine absurde und hinterhältige Vermögensumverteilung!

  • Ciao bs-Politik am 16.12.2016 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal schauen

    Bei einer erneuten Erhöhung der Prämien bezahle ich nur noch auf ein Sperrkonto. Das ganze Rösslispiel mit Betreiben und so spiele ich gerne mit, mehrfach, wenn nötig. Wenn man in wenigen Jahren auswandern wird, geht sowas.

    • Peter Moser am 16.12.2016 09:36 Report Diesen Beitrag melden

      Besser erst nachdenken

      Wenn Sie nämlich ins Spital müssen und eine Kostengutsprache benötigen, so werden Sie erst alles Bar bezahlen müssen. Mit Betreibungen werden dann auch Kreditkarten-, Telefon-, Internetanbieter irgendwann Probleme machen...

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