Riskante Lebensweise

01. Februar 2017 16:52; Akt: 01.02.2017 16:57 Print

25- bis 34-Jährige erleiden mehr Schlaganfälle

Während ältere Menschen im Schnitt heute weniger häufig einen Hirnschlag erleiden, nimmt die Zahl bei Jüngeren deutlich zu. Schuld ist wohl der heutige Lebensstil.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Zahl der Jungen mit einem Herzinfarkt hat deutlich zugenommen. Heute gibt es bei der Gruppe der 25 bis 34-Jährigen ein Drittel mehr Schlaganfälle als zur Jahrtausendwende. Entsprechend besorgt sind die Mediziner. Denn jeder Vierte Schlaganfallpatient bleibt für immer behindert und kann oft auch nicht mehr arbeiten gehen. Sie raten darum, schon früh etwas gegen die drohende Gefahr zu unternehmen. Ganz wichtig ist, sich genügend zu bewegen. 2,5 Stunden pro Woche machen schon einen grossen Unterschied. Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, was man tut. Die einen gehen joggen. Andere machen eine Wanderung wie hier auf dem Sentiero delle Guardie im Tessin. Das ist oft nicht nur gut für den Körper, sondern kann auch der Seele guttun. Ganz allgemein sollte man darauf achten, dass man nicht übergewichtig wird. Je jünger man anfängt, dagegen anzugehen, desto besser sind die Prognosen für einen wirksamen Schutz gegen einen Herzinfarkt. Zurückhaltung üben sollte man auch beim Alkoholkonsum. Wichtig ist einerseits, dass man nicht zu viel auf einmal trinkt. Man sollte aber auch nicht jeden Tag Alkohol trinken. Noch viel schlechter als Alkohol ist aber das Rauchen. Wer etwa Bluthochdruck hat und auch noch raucht, erhöht die Gefahr eines Schlaganfalls um das Vierfache. Mediziner raten darum dazu, ganz mit dem Rauchen aufzuhören. Wichtig ist auch eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse, Früchten und wenig Fett. Aber auch Mineralstoffe wie das Vitamin B12, das in tierischen Produkten vorkommt, schützen vor Herzinfarkten. Bei Frauen sind auch Verhütungsmittel eine Gefahr, ganz besonders dann, wenn man sie mit Rauchen kombiniert. Ausserdem sollten Blutdruck und Blutzuckerspiegel regelmässig kontrolliert werden. Gerade Bluthochdruck wird meist erst bemerkt, wenn schon ein sehr kritischer Wert erreicht worden ist. Doch ein gesunder Lebensstil bedeutet nicht nur, sich zu bewegen und sich gesund ernähren. Auch der Genuss und die Entspannung dürfen nicht zu kurz kommen. Wer einen stressigen Job hat, sollte zwischendurch dafür sorgen, dass er genügend Entspannung erhält. Dies kann wie hier das Ausspannen in einem Liegestuhl sein. Man kann sich aber auch mal etwas Gutes tun. Oder in eine Yoga-Klasse gehen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Junge laufen immer häufiger Gefahr, einen Hirnschlag zu erleiden. Das zeigt ein Blick in die Statistik des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan). Zwar erleidet weniger als ein Prozent der Bevölkerung unter 34 einen Schlaganfall. Doch seit der Jahrtausendwende hat bei den 25- bis 34-Jährigen die Anzahl Schlaganfälle um gut ein Drittel zugenommen.

Umfrage
Haben Sie in Ihrem Umfeld jemanden, der schon jung einen Schlaganfall erlitt?
20 %
28 %
6 %
40 %
6 %
Insgesamt 3954 Teilnehmer

Diese Entwicklung erfolgt zudem gegen den Trend insgesamt. Denn schaut man die Schlaganfälle aller Altersgruppen an, sind die Fälle in den letzten 20 Jahren im Vergleich zur Bevölkerungszahl zurückgegangen. Das heisst, ältere Patienten erleiden heute durchschnittlich etwas weniger Schlaganfälle als früher. Zudem konnte die Mortalität deutlich reduziert werden. Starben 1995 von je 100'000 Bewohnern noch 51 Männer und 71 Frauen an einem Schlaganfall, waren es 2014 noch 26 Männer und 41 Frauen.

Hundert junge Patienten jedes Jahr

Die Schweiz steht mit der Zunahme juveniler Schlaganfälle nicht allein da. Dieselbe Entwicklung beobachtet man in ganz Europa und den USA. Sogar Kinder unter 18 Jahren können einen Schlaganfall erleiden und auch diese Zahl nimmt zu.

Marcel Arnold, Präsident der Schweizerischen Hirnschlaggesellschaft und Leiter des Stroke Center am Inselspital in Bern, behandelt heute ebenfalls deutlich mehr junge Hirnschlagpatienten als früher. «Wir haben mehr als 100 junge Patienten jedes Jahr mit einer Streifung oder einem Schlaganfall.»

Heutige über 55-Jährige waren früher schlanker

Eine Erklärung für diese Entwicklung liegt im heutigen Lebensstil. Laut Obsan haben mehr Personen heute einen erhöhten Blutdruck, einen zu hohen Cholesterinspiegel oder leiden an Diabetes. «Eine wichtige Rolle spielen auch das Rauchen, eine ungesunde Ernährung und der Bewegungsmangel», sagt Arnold. Die meisten Leute seien sich viel zu wenig bewusst, wie sehr man das Risiko, einen Hirnschlag zu erleiden, durch eine gesunde Lebensweise senken könne.

So weiss man mittlerweile, dass die heute über 55-Jährigen im Schnitt früher schlanker waren, weniger rauchten und sich mehr bewegten. Zudem ernährte man sich früher offenbar auch gesünder und nahm mehr natürliche Stoffe, Enzyme und Spurenelemente zu sich, die sich positiv auf den Blutdruck und die Cholesterinwerte auswirken können. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse der Registerdaten aus den USA, die Forscher in New Brunswick und New Jersey ausgewertet haben.

Jeder Vierte bleibt ein Leben lang behindert

Die häufigsten Auslöser für Schlaganfälle sind denn auch sogenannte Embolien. Sie entstehen häufig in Arterien, die durch Fett- oder kalkhaltige Ablagerungen verengt sind. Ähnlich häufig sind Embolien im Herzen, die insbesondere bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen vorkommen. Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte sind für beide Auslöserarten wichtige Faktoren.

Die Folgen eines Schlaganfalls sind auch bei jungen Patienten gravierend. In der von Marcel Arnold geleiteten Swiss Young Stroke Study verstarben drei Prozent der unter 55-jährigen Schlaganfallpatienten und rund ein Viertel aller Betroffenen blieb behindert.

Sport treiben und mit Rauchen aufhören

Arnold: «Jene mit Behinderungen haben oft langfristig eine deutlich eingeschränkte Lebensqualität und schaffen den Wiedereinstieg ins Berufsleben nur mit Mühe oder gar nicht.» Arnold rät dazu, gezielt gegen jene Faktoren vorzubeugen, die einen Schlaganfall begünstigen. «Mit Rauchen aufhören, nicht zu viel Alkohol trinken, Übergewicht vermeiden, sich viel bewegen und Stress reduzieren.» (Siehe auch Box)

(ann)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ybking1 am 01.02.2017 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitgeber sind gefordert

    Kein Wunder bei diesem Stress und Überstunden!

    einklappen einklappen
  • Susi Sorglos am 01.02.2017 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Kein Wunder bei diesen Konkurrenzkämpfen um Arbeit und Zukunft !!!

    einklappen einklappen
  • Realistus am 01.02.2017 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur logisch

    Diese entwicklung ist nur logisch. Mehr druck, mehr stress, überall zucker und fett im essen, schlechtere umeltbedigungen, überall mikroplastik drinn, antennen, regelmässger komsum von tabak,alk,gras,koks,ecstasy,amphetamine,ketamine, und weis der guuger was alles noch führen halt etwa 15 bis 25j später zu solchen resultaten... Es wird wohl noch schlimmer werden.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Leser am 02.02.2017 11:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    genetische vererbung

    ein schlaganfall kann auch durch eine gerinnungsstörung entstehen. es gibt viele die wissen gar nicht dass sie das haben. da braucht es zum teil nur wenig, das kann eine thrombose und schlaganfall ect zur folge haben. auch rauchen und hormone ist keine gute kombination und sollte mehr thematisiert werden.

  • Awe some am 02.02.2017 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Mineralien

    Einfach genug opc, Vitamine, mineralstoffe und R-ALA und schon hat man einen super Schutz gehen Infarkte. So wie es sich die Natur gedacht hatte.

  • Nico Meier am 02.02.2017 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    fängt beim Kochen der Mütter an!

    Wenn ich im Pausenraum sehe, wieviele der jungen Kollegen heute täglich diese Fertigemnüs in die Mikrowelle schieben, so wundert mich diese Tendenz nicht. Warum nur wird dem Kochen heute keine Beachtung mehr geschenkt? Auch viele junge Mütter ernähren ihren Nachwus hauptsächlich mit Fertignahrung. Wir erhielten damals noch selbstgemachte Breilis aber dafür sind sich die Eltern heute zu schade, da hätten sie ja weniger Zeit für Computer und Handy!

    • Hildi am 02.02.2017 13:49 Report Diesen Beitrag melden

      Ganz richtig

      ...und das geht zudem auch noch ganz schön ins Geld, und dann jammern, dass Familien zu wenig Unterstützung kriegen etc. Früher konnten die Mütter noch kochen und nahmen sich auch die Zeit dazu, aber man hätte sich auch schlicht nichts anderes leisten können.

    einklappen einklappen
  • PASCAL M. am 02.02.2017 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Wirtschaft

    Also das mann keine zeit mehr hatt um sich zu bewegen , liegt für mich ganz klar am arbeits und schulstress immer mehr verlangen und weniger bezahlen das macht druck danach soll mann noch sporttreiben oder richtig kochen. Dich der mensch will leben nicht nur arbeiten! Arbeitszeit auf 35 h pro woche reduzieren und mann hatt auch wieder zeit für die gesundheit! Wenns aber so weitergeht wirds nur noch schlimmer.

    • Nico Meier am 02.02.2017 11:03 Report Diesen Beitrag melden

      @Pascal M.

      Alles ausreden Pascal M. Meine Partnerin und ich arbeiten beide 100% zurzeit beide bedeutend mehr als 45h die Woche und wir kochen trotzdem frische Nahrungsmittel! Da wird halt mehr aufs mal gekocht und ein Teil eingefroren!

    einklappen einklappen
  • GenosseE am 02.02.2017 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Snowflakes

    Die heutigen Jungen können nichts mehr aushalten, die sind einfach zu verweichlicht.

    • Reto am 02.02.2017 11:27 Report Diesen Beitrag melden

      Beide Extreme sind nicht gut

      Als ob alles Aushalten gesundheitsfördernder wäre...Aber eine gewisse Balance ist wichtig.

    einklappen einklappen