Sozialhilfe

07. November 2017 09:20; Akt: 07.11.2017 13:54 Print

Deutlich mehr Sozialfälle in Städten

Die Zahl der Sozialhilfefälle 2016 fällt mit 5,2 Prozent überdurchschnittlich hoch aus. Die meisten Fälle finden sich dabei in Biel, Lausanne und Basel.

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Familienhaushalte sind gefährdeter: Ein Beratungsgespräch im Sozialzentrum Albisriederhaus in Zürich am 31. März 2016. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Junge alleinerziehende Mütter, die in Schweizer Städten leben, sind in 80 Prozent der Fälle auf Sozialhilfe angewiesen. Dies zeigt ein Bericht der Städteinitiative Sozialpolitik. Gefährdet sind auch geschiedene und verwitwete Menschen, die alleine leben.

Die Zahl der Sozialhilfefälle sei im letzten Jahr in praktisch allen 14 untersuchten Städten gestiegen, erklärte Nicolas Galladé, Präsident der Städteinitiative Sozialhilfe und Winterthurer Stadtrat, heute vor den Medien in Bern. Eine deutliche Zunahme verzeichneten besonders mittelgrosse Städte und Agglomerationen.

Grund für den überdurchschnittlichen Anstieg von 5,2 Prozent sind neben der wachsenden Bevölkerung auch die Zunahme der Arbeitslosigkeit und der Zahl der Ausgesteuerten. Besonders für gering qualifizierte Menschen sei es schwierig, eine existenzsichernde Anstellung zu finden, erklärte Studienautorin Michelle Beyeler von der Berner Fachhochschule.

Kinder als Armutsrisiko

Dabei werden zunehmend Personen aus aussereuropäischen Ländern unterstützt. Zwar lässt sich laut Beyeler nicht zweifelsfrei feststellen, ob diese aus dem Asylbereich kommen. Es gebe aber Hinweise darauf, dass es sich um anerkannte Flüchtlinge und Aufgenommene handle. «Besonders kleine Städte spüren das.»

Allerdings bilden Schweizerinnen und Schweizer in den meisten der untersuchten Städten weiterhin die Mehrheit der Sozialhilfebezüger. Die Ausnahme sind hier Basel, Biel, Lausanne, Schlieren ZH und Schaffhausen, wo der Anteil ausländischer Personen bei über 50 Prozent liegt.

In den Städten sehr hoch ist das Sozialhilferisiko für junge, alleinerziehende Frauen. Dies gelte auch für Städte, in denen die Sozialhilfequote ansonsten tief sei, sagte der Luzerner Stadtrat Martin Merki. Vier von fünf Mütter unter 25 Jahren lebten von Sozialhilfe. Mit steigendem Alter nehme das Risiko ab. Kinder zu haben, sei generell ein Armutsrisiko, hält der Bericht fest.

Dies gilt auch für geschiedene, getrennt lebende oder verwitwete Menschen, die alleine leben. Am höchsten ist das Sozialhilferisiko für alleinlebende geschiedene Männer: Rund 20 Prozent dieser Haushalte beziehen Sozialhilfe.

Sorgenkinder mittelgrosse Städte

In den grossen Städten bleibt die Sozialhilfequote relativ stabil, wie es im Bericht heisst. Bern konnte die Quote im letzten Jahr um 0,1 auf 5,1 Prozent senken. In Lausanne verharrte sie bei 8,8 Prozent und in Zürich resultierte ein leichtes Plus von 0,1 auf 4,6 Prozent.

Eine Ausnahme bildet die Stadt Basel, deren Quote von 6,3 auf 6,7 Prozent zunahm. Studienautorin Beyeler begründet dies mit dem starken Franken, der in der Grenzstadt spürbar sei. Vor allem der Detailhandel und die Gastronomie seien unter Druck. Sorgenkinder der Städteinitiative Sozialhilfe bleiben die mittelgrossen Städte. Dort stieg die Quote im letzten Jahr fast überall zwischen 0,1 bis 0,3 Prozent weiter an, nachdem Städte wie Chur, Luzern, Schlieren und Winterthur ZH bereits in den letzten Jahren eine Zunahme verzeichneten.

Die höchste Quote der 14 Städte weist weiterhin Biel mit 11,8 Prozent (Vorjahr 11,6) auf, gefolgt von Lausanne und Basel. Am tiefsten ist die Sozialhilfequote in Uster ZH (1,6 Prozent) und in Zug (1,7 Prozent.)

Im Schnitt lange Bezugsdauer

Die Situation wird dadurch erschwert, dass die durchschnittliche Bezugsdauer der Sozialhilfe in den untersuchten Städten 42 Monate beträgt. Je länger aber jemand Sozialhilfe bezieht, desto schwieriger wird es, aus diesem System wieder herauszufinden.

Entscheidend sei eine frühe Intervention, sagte Galladé. Dies würden auch die Zahlen zeigen. In rund einem Viertel der Fälle werde die Sozialhilfe weniger als ein Jahr bezogen. Aus Sicht der Städteinitiative Sozialhilfe lohnt es sich deshalb, Neubezüger intensiv zu beraten und in die Bildung und Weiterbildung zu investieren.

Pionierarbeit leistet in dieser Hinsicht die Stadt Lausanne, die ihre Sozialhilfequote seit 2012 kontinuierlich senken konnte. Als erfolgreich hätten sich etwa Ergänzungsleistungen für Familien, Überbrückungsrenten und Bildungsmassnahmen für junge Erwachsene ohne Ausbildung erwiesen, sagte der Lausanner Stadtrat Oscar Tosato.

(sep/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ruedi am 07.11.2017 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    egal in welcher Stadt....

    was ich nicht verstehe und auch nie kapieren werde ist, dass man den Sozialhilfeempfängern einfach alles zahlt, KK ,Miete, Rauchzeug, Essensgeld etc etc. ohne dass sie irgend einen Beitrag an die Gesellschaft zurückzahlen müssen. Ich bin sicher, wenn die Sozialhilfeempfänger 2 mal pro Woche gemeinnützige Arbeit leisten müssten, (wer nicht erscheint, dem werden die Zahlungen gekürzt) hätten wir innerhalb von einem Jahr 50% weniger Bezüger.

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  • löru am 07.11.2017 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Geld wird verschoben

    egal was wir tun, fordern oder sagen es wird sich nichts ändern! die Politik und die Weltwirtschaft will das so - es ist alles organisiert und geplant das wir diese Situation haben - alles gewollt! traurig aber 100%ig die Wahrheit. der ehrliche arbeiter hat immer weniger, egal was er tut. die gelder werden immer dorthin verschoben wos gerade fehlt und so hat es immer in irgendeiner kasse wo Steuergelder drin sind zuwenig und fazit somit wird sich nichts ändern.

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  • Röbi am 07.11.2017 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    so oder so

    Madame in Bern will doch zukünftige Sozialhilfeempfänger einfliegen lassen!? Klar, dass diese Zahlen steigen, das RAF hat die Zeitspanne der Zahlungen früher eingestellt und die Leute automatisch an das Sozialamt weitergeschoben. Also, so oder so eine Misswirtschaft ohne Ende.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcel am 08.11.2017 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Bewohner in der Schweiz

    Das Einkommen soll nicht über 1/3 des Nettolohnes sein. Also eine Fam. mit 2 Kinder Einkommen 4200.- Netto. 4 1/2 Zi-Wohnung. Mietzins Zwischen 1200.- und weit über 2000.-.Also sind wir im Tieferen Zins bei Faktor 3 bei 3600.-Und was ist mit der Krankenkasse die eine Fam. haben muss. ca. 1200.- bei 2 Kindern dann sind wir bei 4800.-Steuern, Essen, TV, usw. noch nicht gerechnet.! Und unsere Besserwisser Bund Quatscht immer vom Durchschnitt. Es gibt kein Durchschnitt. und wenn dann solltet Ihr alle die bis 5000.- ! Und da fragt Ihr euch warum wir immer mehr Sozialhilfeempfänger Haben!

  • Steuerzahler Sdadt Zürich am 08.11.2017 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Fiese Trickserei

    Ist ja klar, wenn die Gemeinden im Kanton alle Sozialfälle nach Zürich und Winterthur "entsorgen". Der Kantos soll gefälligst für die Leute aufkommen, welche weder in Zürich noch in Winterthur das Bürgerrecht besitzen! Das ist schon lange ein Trick der Gemeinden im Kanton dass sie die Sozialfälle solange schickanieren, bis sie nach Zürich oder Winterthur ziehen und dann auf unseren Taschen liegen!

  • P.L: am 08.11.2017 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder ein Armutsrisiko sehr bedenklich

    Ich finde es echt bedenklich, dass in einem reichen Land wie die CH es ist, Kinder ein Armustrisoko sind!! Sowas sollte uns allen zu denken geben! Nicht die Ausländer und nicht die jungen Mädchen mit Kind, müssen hier angeprangert werden! Der Staat! Wieso schaffen es andere Länder, Familien zu unterstützen und hier muss man sich 10x überlegen, ob es drin liegt ein Kind zu kriegen. Sowas ist doch nicht normal! Finde es auch bedenklich, wie hier viele auf den Alleinerziehenden rumhacken, die hätten es sich vorher ausrechnen sollen etc. Geld soll niemals der Grund sein, auf Kinder zu verzichten!

    • Georg H., 5 Kinder am 08.11.2017 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @P.L:

      Naja, ich finde schon, dass man nur so viele Kinder in die Welt setzen sollte, wie man selbst durchbringen kann. Aber manchmal macht einem das Schicksal einen Strich durch die Rechnung. Meine Schwester hat ein Jahr nach der Geburt ihres 5. Kindes ihren Mann verloren. Trotzdem schafft sie's allein. Ich fände es auch o.k., wenn sie Unterstützung erhielte. Es stört mich allerdings, dass sich gewisse Migranten einfach darauf verlassen, dass ihnen alles bezahlt wird und fast jährlich ein Kind in die Welt setzen. Das ist extrem ungerecht und ärgerlich.

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  • Bibiana am 08.11.2017 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herrlich

    Es ist eine Schande, das man sich keine Gedanken mehr machen muss, wie man sein Leben finanzieren kann. Egal wie es kommt, die Gemeinde zahlt einem alles und man ist von allem befreit. Ich bin nun Pensioniert nach einem langen und mühsamen Arbeitsleben und sehe nun auch wie schön es ist, wenn man sein Leben einteilen kann und sich nicht mehr unterordnen muss. Wenn ich nochmals auf die Welt komme, will ich auch von der Sozialhilfe leben und mir keine Gedanken mehr machen müssen, wie ich meine Rechnungen Steuern und Zahnarzt usw. bezahlen soll.

    • Heino am 08.11.2017 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bibiana

      Sie übersehen das Sie all das was Sie vom Sozialamt bekommen zurück bezahlt werden muss. Aber es gibt natürlich auch solche die sind zufrieden mit 900fr im Monat und wollen nicht arbeiten, kenne auch solche. Die nützen das natürliche voll aus.

    • Peter am 08.11.2017 12:17 Report Diesen Beitrag melden

      @Heino

      Ich kenne einige "Sozialfälle" persönlich. Keiner bekommt nur 900 Franken. Alleine von der Miete wird in der Ostschweiz (für alleinstehende) schon bis zu 900 Franken übernommen. In St. Gallen bekommt man da eine schöne, vor 5-Jahren renovierte 2-Zimmer Wohnung, 10 min zu Fuss ins Zentrum. Das weiss ich aus meinem persönlichen Umfeld... Geld zurück? Ja klar, die meisten Sozialfälle landen nach fünf Jahren Amt steile Karrieren!

    • mawa am 08.11.2017 16:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bibiana

      Sie habe ja keine Ahnung wie es wirklich ist! Schön das unterdessen in Rente sind und diese Welt nicht mehr miterleben müssen! Ich bin 58 und intenstiv auf Jobsuche ... denn ich habe noch 7 Jahre zur Pensionierung! Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet und jetzt die Kündigung bekommen nach 12 Jahren. Ich verurteile alle die hier jetzt so überheblich sind die meinen ... Schicksal! ... selber Schuld!!! Wie weit sind wir gesunken ... ich wünsche es niemanden!

    • Georg H. am 08.11.2017 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heino

      Sie müssen nur zurückzahlen, wenn Sie zu ziemlich viel Geld kommen. Die Meisten zahlen nie etwas zurück.

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  • [HazE]Büsi am 08.11.2017 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Definitiv nicht die Mütter

    sind das Problem sondern dass man sonst jeden Gloschar bei uns aufnimmt und die sofort Sozialgelder bekommen! Es sind nicht die alleinerziehenden Mütter die so viel Geld brauchen, denn diese Frauen(jedenfalls die meisten) wissen wie mit dem Geld das sie bekommen umzugehen!

    • Nicht von der Sozialhilfe abhängig am 08.11.2017 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @[HazE]Büsi

      Danke! Als alleinerziehende Mutter muss man sich bald schämen. Und ja, mein Mann hat uns wegen eigener andern verlassen. Ich arbeite und kämpfe, um meinen Kindern ein gutes, normales Leben zu ermöglichen.

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