Schwyzer Strafgericht

29. September 2017 09:59; Akt: 29.09.2017 10:45 Print

Mann druckt falsche Escort-Flyer mit nackter Ex

Nachdem eine Frau mit ihrem Freund im November 2016 Schluss gemacht hatte, drehte dieser durch. Nun wurde er verurteilt.

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Das Gebäude der Kantonalen Gerichte, in dem sich auch das Schwyzer Strafgericht befindet. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

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Die Beziehung zwischen einem 46-jährigen Italiener und einer gleichaltrigen Serbin dauerte gerade mal fünf Monate. «Er war sehr eifersüchtig. Er war zwar grosszügig, aber ich habe seine aggressiven Ausbrüche nicht mehr ertragen», sagte die Frau am Donnerstag vor dem Schwyzer Strafgericht. Als sie nach einem weiteren Ausbruch im November 2016 mit dem 46-Jährigen Schluss machte und die Schlüssel zu ihrer Wohnung zurückverlangte, eskalierte die Situation, wie der «Bote der Urschweiz» schreibt.

Der Mann belästigte darauf Gäste in der Bar, in welcher die Serbin arbeitet, bezeichnete sie als «huere Schlampe» und ohrfeigte die Frau, als er aus dem Lokal gewiesen wurde. Damit aber nicht genug: Am nächsten Tag schickte er seiner Ex-Freundin diverse Nachrichten via Whatsapp und forderte 160 Franken von ihr – sonst werde etwas passieren, das sie sehr blamiere.

Flyer mit Nacktbild und Handynummer

Wieder einen Tag später ging er mit seiner Whatsapp-Drohung noch einen Schritt weiter. Der Italiener schickte der Frau ein Nacktbild von ihr und forderte 3160 Franken als Schadenersatz, sonst werde er das Nacktbild veröffentlichen.

Einige Tage später wurden im Raum um den Wohnort der Frau Flyer verteilt, wie der «Bote der Urschweiz» schreibt. Darauf zu sehen: das Nacktbild der Serbin, ihre Handynummer und die Aufschrift «Laura privat/diskret».

Ex-Freund streitet Beteiligung am Flyer ab

«Wäre das in Serbien passiert, hätte ich mich brutal an ihm gerächt», sagte die Frau am Donnerstag vor Gericht. Sie sei von mehreren Männern konkret angegangen worden aufgrund dieser Flyer. Sie forderte aber nicht etwa eine finanzielle Wiedergutmachung von ihrem Ex – sie verlangte eine harte Strafe, damit er lerne, dass man mit einer Frau so nicht umgehe.

Der 46-Jährige gab zwar die Ohrfeige zu, über den Flyer und wie dieser verteilt wurde, wollte er aber nicht Bescheid wissen. Sein Anwalt sagte zudem, das die Whatsapp-Nachrichten naiv gewesen seien und nichts mit einer Erpressung zu tun gehabt hätten.

3450 Franken Busse

Das Schwyzer Strafgericht schätzte die Aussagen der Frau aber als glaubwürdiger ein und verurteilte den 46-jährigen Italiener zu einer auf zwei Jahre bedingten Geldstrafe von 140 Tagessätzen à 90 Franken und einer Busse von 3450 Franken. Allein die schriftliche Ankündigung, dass er das Nacktbild veröffentlichen werde, seien Beweis genug für die versuchte Erpressung und die Verleumdung – besonders weil nur er im Besitz des Nacktbildes gewesen sei.

(wed)