Managed Care

30. März 2012 14:22; Akt: 30.03.2012 14:22 Print

Komitee fürchtet «Zweiklassen-Medizin»

Wer seinen Arzt frei wählen will, soll dafür nicht mehr bezahlen müssen als bisher. Mit diesem Argument kämpft ein Komitee aus Ärzten, Pflegepersonal, Spitälern, Gewerkschaften und der SP gegen die Managed-Care-Vorlage.

storybild

FMH-Präsident Jacques De Haller wehrt sich gegen die Managed-Care-Vorlage.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Aus Sicht des Komitees, das die vom Parlament letzten September beschlossene Reform mit einem Referendum bekämpft, ist es falsch, die Patientinnen und Patienten in integrierte Versorgungsnetze - so genannte Managed-Care-Modelle - zwingen zu wollen.

Dies wäre laut Jacques de Haller, Präsident des Ärztedachverbandes FMH, faktisch der Fall, da alle Versicherten künftig mehr bezahlen sollen, die sich keinem solchen medizinischen Netzwerk anschliessen wollen. Das sei «Zweiklassenmedizin».

Aufpreis für freie Arztwahl

Gemäss den Parlamentsbeschlüssen sollen solche Versicherte künftig einen Selbstbehalt von 15 Prozent bezahlen. Ausserdem wird für diese Versicherten der Deckel für den Selbstbehalt von heute 700 auf 1000 Franken angehoben.

Nur wer sich in einem Netzwerk behandeln lässt, soll wie heute noch einen Selbstbehalt von 10 Prozent bezahlen. Der Selbstbehaltsdeckel für diese Versicherten wird auf 500 Franken gesenkt.

Mit diesem Anreiz wollen Bundesrat und Parlament die Einschränkung der freien Arztwahl ausgleichen. Denn beim Anschluss an ein solches Netzwerk können die Patienten in der Regel nur noch bei den angeschlossenen Leistungserbringern - etwa Hausärzte, Spezialärzte und Physiotherapeuten - in Behandlung gehen.

Da diese Leistungserbringer für die Behandlung finanzielle Mitverantwortung übernehmen und diese im Rahmen eines Gesamtbudgets organisieren sollen, erhoffen sich Bundesrat und Parlament davon eine dämpfende Wirkung auf die Gesundheitskosten und damit die Krankenkassenprämien.

«Ethischer Stress» wegen Rationierung

Für die Referendumsführer kommt dies einer Rationierung der medizinischen Versorgung gleich, obwohl die Netze alle Leistungen der obligatorischen Krankenversicherung anbieten müssen.

Die Budgetmitverantwortung führe zu einer unangemessenen Einschränkung bei Diagnose und Therapie, sagte Augenarzt Michel Matter, der eines der Referendumskomitees präsidiert. Und nach Ansicht des Hausarztes René Haldemann, der ein zweites Referendumskomitee präsidiert, wird durch das «Korsett des Budgetzwangs» die Beziehung zwischen Arzt und Patient beschädigt.

vpod-Präsidentin Katharina Prelicz-Huber, welche die Interessen zahlreicher Angestellter des Gesundheitswesens vertritt, sprach von «ethischen Stress, Ökonomie stärker zu gewichten als die Bedürfnisse der Patienten». Sie warnte auch vor dem Druck auf die Arbeitsbedingungen und kritisierte ausserdem, dass die vor kurzem eben eingeführte freie Spitalwahl bereits wieder ausgehöhlt wird.

Kein Beweis für kostendämpfende Wirkung

Laut Matter hat bislang keine Studie gezeigt, dass die Generalisierung von Managed Care - der Bundesrat möchte dass 60 Prozent der Versicherten sich solchen Modellen anschliessen - zu Einsparungen führt. In vielen angelsächsischen Ländern - etwa den USA mit den höchsten Gesundheitskosten - sei Managed Care «ein Fehlschlag» und «ein finanzielles Fiasko», sagte er.

SP-Vizepräsidentin Jacqueline FehrJacqueline
Fehr

SP, ZH
Nationalrat
Profil anzeigenauf MerklisteVerbunden mit
Pro Familia Schweiz, Bern
weitere Verbindungen anzeigen
spricht auch von einem Etikettenschwindel. Nirgends sei gewährleistet, dass allfällige Einsparungen tatsächlich an die Versicherten zurückfliessen würden, sagte sie.

Ausserdem führe die Budgetmitverantwortung zu einem Diktat der Krankenkassen, die am längeren Hebel sässen. Netzwerke mit teuren Patientinnen und Patienten,- etwa Chronischkranken - werde benachteiligt.

Den Befürwortern der Vorlage wirft Fehr auch Augenwischerei vor. Die Randregionen würden benachteiligt, da es dort - etwa im Kanton Uri - bislang keine solchen Netzwerke gebe. Das Parlament habe es verpasst, die Versicherungen zu zwingen, Managed-Care-Modelle anzubieten.

(sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fat CAt am 30.03.2012 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Agenda 21 lässt grüssen

    Managed Care = Agenda 21. Ein Kommitee von Experten wird entscheiden ob du Wert bist Pflege zu kriegen. Eine schlaue Art Agenda 21 einzuführen die die Elite der Welt erlaubt das Wachstum der WeltBevölkerung zu kontrollieren.

  • Peschä am 30.03.2012 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    Gegen Managed-Care

    Für freie Arztwahl, gegen Zweiklassenmedizin. Warum sollte eigentlich die Einschränkung der freien Arztwahl Kosten sparen? Wer behauptet, dass ein selbst gewählter Arzt teurer ist. Was tun, wenn der Hausarzt im einen Netwerk ist, der Augenarzt im anderen und der Dermatologe im dritten? Warum mehr bezahlen oder Arzt wechseln, wenn man bereits Ärzte hat, bei denen man gut aufgehoben ist? An "Managed-Care" werden vor allem die Manager profitieren, die Patienten werden's zahlen müssen.

    einklappen einklappen
  • Carina Weber am 30.03.2012 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Sparen heisst mehr zahlen

    Wenn im Gesundheitswesen gespart werden soll, heisst das immer, dass die Versicherten mehr zahlen müssen. Auch hier wieder: Für die gleiche Leistung wie bisher muss ich auf einmal 5% mehr Selbstbehalt zahlen - NEIN DANKE zu dieser Mogelpackung

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fat CAt am 30.03.2012 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Agenda 21 lässt grüssen

    Managed Care = Agenda 21. Ein Kommitee von Experten wird entscheiden ob du Wert bist Pflege zu kriegen. Eine schlaue Art Agenda 21 einzuführen die die Elite der Welt erlaubt das Wachstum der WeltBevölkerung zu kontrollieren.

  • Peschä am 30.03.2012 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    Gegen Managed-Care

    Für freie Arztwahl, gegen Zweiklassenmedizin. Warum sollte eigentlich die Einschränkung der freien Arztwahl Kosten sparen? Wer behauptet, dass ein selbst gewählter Arzt teurer ist. Was tun, wenn der Hausarzt im einen Netwerk ist, der Augenarzt im anderen und der Dermatologe im dritten? Warum mehr bezahlen oder Arzt wechseln, wenn man bereits Ärzte hat, bei denen man gut aufgehoben ist? An "Managed-Care" werden vor allem die Manager profitieren, die Patienten werden's zahlen müssen.

    • empty()set am 30.03.2012 15:54 Report Diesen Beitrag melden

      Parallelbehandlungen

      Es geht weniger darum, dass die einzelnen Ärzte teurer sind, sondern, dass bei ManagedCare die Behandlungsschritte aufeinander abgestimmt werden. Dadurch lassen sich bei gleichbleibender oder sogar besserer Betreuung Kosten sparen. Zudem wird ja niemand gezwungen, in ein ManagedCare System zu wechseln. Die CHF 300 oder 500 pro Jahr, die im schlimmsten Fall (Behandlungskosten von etwa CHF 7'000) anfallen, vermag wohl noch jeder.

    einklappen einklappen
  • Bruno Schmid am 30.03.2012 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Managed-Care für Krankenkassen

    Ein Einheitsmodell wie bei AHV, IV und SUVA hätte mit Bestimmtheit dämpfende Wirkung auf die Gesundheitskosten und somit die Prämien.

    • Mart am 30.03.2012 15:29 Report Diesen Beitrag melden

      Wohl kaum!

      Wo waren die riesigen Löcher in den Kassen schon wieder? Ach ja, AHV & IV! Nur interessiert es ja niemanden, da das Geld ja eh dem "Staat" gehört. Das wir dann alle zahlen, scheint auch weiter ausgeblended zu werden. Du erinnerst dich u.a. vielleicht noch an die MWSt. Erhöhung? Im übrigen: Schau dir mal das NHS (National Health Service) in den UK an - Gute Nacht, sag' ich nur!

    • w.odi am 30.03.2012 18:16 Report Diesen Beitrag melden

      nicht für alle

      ..........2 Klassen - Medizin gibt es auch heute nicht. Es gibt in der Regel 3 verschiedene Varianten wie man sich versichern kann. 1. allgemein 2. halbprivat 3. privat die frage ist jetzt nur was ich mir leisten will! und das ist halt jetzt mal so in unserer Freiheit die wir (noch) haben. es gibt ja auch keine Einheitsautos oder Einheitsferien

    einklappen einklappen
  • empty()set am 30.03.2012 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Man rechne

    Angenommen, jemand habe eine 1'000er Franchise. Dann bezahlt er ohnehin die ersten CHF 1'000 selber. Von dem, was darüber hinausgeht werden nun 10% oder 15% als Selbstbehalt angerechnet, bis CHF 500 oder CHF 1'000. Das heisst, dass man entweder innerhalb von CHF 5'000 (total CHF 6'000) oder innerhalb von CHF 6'667 (total 7'667) für den Selbstbehalt aufkommen muss. Sowieso, es kommen maximal plus CHF 500 Selbstbehalt pro Jahr dazu (korrekt gerechnet sogar nur CHF 300, da bisher ein Selbstbehalt von CHF 700 galt). Wie man da auf eine "Zweiklassen-Medizin" kommt, gibt mir Rätsel auf...

  • Carina Weber am 30.03.2012 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Sparen heisst mehr zahlen

    Wenn im Gesundheitswesen gespart werden soll, heisst das immer, dass die Versicherten mehr zahlen müssen. Auch hier wieder: Für die gleiche Leistung wie bisher muss ich auf einmal 5% mehr Selbstbehalt zahlen - NEIN DANKE zu dieser Mogelpackung

    • empty()set am 30.03.2012 15:50 Report Diesen Beitrag melden

      Man kann es auch anders sehen

      Wer bisher schon in einem Hausarztmodell war und auf ManagedCare wechselt, zahlt nun weniger.

    einklappen einklappen
Immobilien

powered by

Immobilien finden

PLZ
Preis bis
Zimmer bis

Nachmieter finden? Jetzt bei homegate.ch inserieren