Hohe Stimmbeteiligung

06. März 2011 13:24; Akt: 06.03.2011 17:17 Print

Amstutz schlägt Wyss knapp

Bei der Ständerats-Stichwahl im Kanton Bern sind die Würfel gefallen. SVP-Kandidat Adrian Amstutz gewinnt äusserst knapp vor Ursula Wyss von der SP.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Adrian Amstutz (SVP) ist neuer Berner Ständerat. Der 57-jährige Rechtspolitiker aus dem Oberland setzte sich in der Ständerats-Ersatzwahl knapp gegen Ursula Wyss (SP) durch und bescherte der SVP einen Prestige-Erfolg zum Auftakt des Wahljahres 2011.

Im zweiten Wahlgang holte Amstutz 50,6 Prozent der Stimmen, wie die bernische Staatskanzlei am Sonntag mitteilte. Wyss musste sich mit 49,4 Prozent begnügen. Die Stimmbeteiligung lag bei unerwartet hohen 46,3 Prozent. Der Berner Oberländer Amstutz erzielte 163 537 Stimmen, Wyss kam auf 159 900 Stimmen.

Amstutz freute sich über den knappen Sieg: «Der intensive Wahlkampf hat sich gelohnt, jede Stimme hat gezählt», sagte er vor Journalisten im Rathaus. Entscheidend sei wohl gewesen, dass er im Volk verankert sei und kein Berufspolitiker sei. Seine markanten Aussprüche hätten ihm offenkundig nicht geschadet: «Die Leute haben auch meinen Stil gewählt.»

Wyss enttäuscht

Die unterlegene Ursula Wyss wurde von ihren Parteigenossen im Rathaus mit lang anhaltendem Applaus gefeiert. Wyss habe den Rückstand auf Amstutz im zweitem Wahlgang um 16 000 auf noch gut 3600 Stimmen verkürzt und damit viele Mitte-Stimmen geholt, sagte SP-Präsident Roland Näf. Das verdiene Anerkennung.

Wyss machte keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung. Zugleich freute sie sich über die «unglaubliche Mobilisierung» unter SP, Grünen und Arbeitnehmern. Dass am Schluss nur wenige Tausend Stimmen fehlten, sei im bürgerlich dominierten Kanton ein grosser Erfolg, sagte Wyss vor Journalisten im Rathaus. Das Abstimmungsresultat sei eine Motivationsspritze für die SP im Hinblick auf die Wahlen vom Herbst.

Wyss gratulierte im Rathaus ihrem Kontrahenten Adrian Amstutz. Die beiden hatten sich über Monate einen harten Wahlkampf geliefert. Am Sonntag waren sie sich wenigstens in einem Punkt einig: Die hohe Stimmbeteiligung sei sehr erfreulich, sagte Wyss - sie liege ganz im Interesse einer funktionierendem Demokratie, hielt Amstutz fest.

Beschwerden hängig

Die ländliche Bevölkerung verhalf Amstutz zum Sieg: Wie schon im ersten Wahlgang setzte sich der SVP-Mann zum Beispiel im Emmental, im Oberaargau und im Berner Oberland deutlich durch. Wyss siegte dagegen in den Städten Bern und Biel und erneut auch im Berner Jura. Doch das reichte nicht ganz aus, um Amstutz noch abzufangen.

Die Stichwahl vom Sonntag wurde überschattet von drei Stimmrechtsbeschwerden. Auslandberner machen geltend, sie hätten das Wahlmaterial erst kurz vor der Wahl erhalten und hätten so ihre Stimme nicht fristgerecht abgeben können. Das Verwaltungsgericht wird über die Beschwerden befinden. Der Kanton Bern zählt rund 12 500 Stimmberechtigte im Ausland.

SVP-Angriff auf Ständerat

Für die SVP Schweiz beginnt das eidgenössische Wahljahr mit der Wahl von Amstutz optimal. Die wählerstärkste Partei des Landes hat den Ständerat zu einem strategischen Ziel erklärt und will im Herbst in jedem Kanton für die kleine Kammer kandidieren.

Seit diesem Wochenende hat die SVP nun 7 der 46 Ständeratssitze. Amstutz muss sein Mandat allerdings bereits im Herbst gegen harte Konkurrenz verteidigen: BDP-Ständerat Werner Luginbühl tritt sicher an, ebenso Nationalrat Alec von Graffenried von den Grünen. Die SP will ebenfalls wieder antreten, «am liebsten mit Ursula Wyss», wie Kantonalpräsident Näf sage. Die FDP hat sich bisher nicht in die Karten blicken lassen.

Fuchs im Nationalrat

Den Sitz von Adrian Amstutz im Nationalrat erbt der 44-jährige Thomas Fuchs. Der umtriebige Stadtberner hat in den letzten Jahren im Kantonsparlament politisiert.

(sda)