An'Nur-Verein Winterthur

25. August 2017 05:43; Akt: 25.08.2017 12:17 Print

Schlägerei in Moschee – alle Verdächtigen frei

von Jennifer Furer - Sechs Monate nach dem Angriff auf zwei Männer in der An’Nur-Moschee sind alle neun Verdächtigen wieder auf freiem Fuss. Das ist die Folge einer Beurteilung des Obergerichts.

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Die Polizei hat am 21. Februar in Winterthur zehn Personen verhaftet, die am 22. November mutmasslich zwei Personen mit dem Tod bedrohten, einschlossen, schlugen und misshandelten. Acht Erwachsene und ein Jugendlicher mussten in Untersuchungshaft. Der ebenfalls verhaftete Imam wurde nach zwei Tagen freigelassen.

Gemäss Recherchen von 20 Minuten sind seit zwei Tagen alle mutmasslichen An'Nur-Schläger aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Darunter befindet sich auch der Sohn des Imams.

Mutmassliche Täter würden keine Gefahr mehr darstellen

Die Freilassungen erfolgten aufgrund einer Beschwerde eines mutmasslichen Täters, der sich damit an das Zwangsmassnahmengericht in Winterthur gewandt hatte. Dieses lehnte die Freilassung im Mai noch ab, mit der Begründung, dass eine Ausführungsgefahr der Drohungen bestehe.

Das Obergericht des Kantons Zürich sieht das anders. Zwar sei «ein dringender Tatverdacht» gegeben, dass die mutmasslichen Opfer mit dem Tod bedroht worden seien. Das Obergericht verneinte aber in der Beurteilung zweier ähnlich gelagerter Fälle die Ausführungsgefahr der Drohungen. Diese ist gegeben, wenn ernsthaft zu befürchten ist, dass eine Person ihre Drohung wahrmacht, ein schweres Verbrechen auszuführen.

Drohungen in «speziell, aufgeheizter Situation» erfolgt

Gestützt auf die Erwägungen des Zürcher Obergerichts entschied das Zwangsmassnahmengericht, dass die Drohungen an die Opfer in einer «speziellen, aufgeheizten Situation» geäussert worden seien. Diese sei kurze Zeit später aufgelöst worden, wodurch die Drohungen entfielen. Zudem würden keine Umstände vorliegen, die darauf schliessen würden, dass die Drohungen auch auf die Zukunft bezogen gewesen seien.

Deshalb hat das Zwangsmassnahmengericht in Winterthur nun angeordnet, den Beschwerdeführer sowie die anderen mutmasslichen Täter aus der U-Haft zu entlassen.

Bereits im Mai war der Präsident des An'Nur-Vereins auf freien Fuss gekommen. Zudem wurde auch der verhaftete Jugendliche aus der Untersuchungshaft entlassen – unter Auflagen. Die zuständige Staatsanwältin war für 20 Minuten nicht erreichbar.