Mindestlohn

10. April 2014 06:00; Akt: 10.04.2014 11:04 Print

22 Franken – zieht das Ausländer an oder nicht?

von Camilla Alabor - Die Mindestlohn-Gegner fürchten, dass die Initiative zu mehr Einwanderung führt. Was die tatsächlichen Folgen sind, darüber sind sich nicht einmal die Experten einig.

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Laut dem Basler Wirtschaftsprofessor George Sheldon würde mit der Mindestlohn-Initiative die Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften sinken.

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Wirtschaft ist keine exakte Wissenschaft. Das zeigt sich einmal mehr daran, dass selbst Experten die Folgen eines Ja zur Mindestlohn-Initiative völlig unterschiedlich einschätzen – auch was den Effekt auf die Einwanderung betrifft.

Für den Freiburger Wirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger ist klar: «Die Initiative führt zu mehr Zuwanderung.» Ein Lohn von 4000 Franken sei für Ausländer sehr attraktiv, weshalb sie in den heimischen Arbeitsmarkt drängen würden.

Zu viele Stellensuchende

Schon heute sei der Prozentsatz an Ausländern in Tieflohnbereichen wie der Gastronomie sehr hoch. «Dieser Anteil wird mit einer Mindestlohn-Initiative weiter steigen», prognostiziert Eichenberger. Gleichzeitig werde die Nachfrage aufgrund höherer Preise für einen Kaffee oder einen Haarschnitt sinken. «Das Resultat ist ein Überangebot an Arbeitskräften.»

Diese Situation würde zu einer höheren Arbeitslosigkeit führen – aber nicht nur. «Das Überangebot ermöglicht es den Arbeitgebern, für die 4000 Franken Lohn mehr zu verlangen.» Zum Beispiel längere Arbeitszeiten oder ein schnelleres Arbeitstempo.

Ausländer kommen nicht von selbst

Ganz anders interpretiert der Basler Wirtschaftsprofessor George Sheldon die Folgen der Mindestlohn-Initiative. «Die Vorlage Mindestlohn wird die Zuwanderung reduzieren», sagt Sheldon. Bisher seien die Einwanderer meist nicht von sich aus in die Schweiz gekommen, sondern von den Unternehmen geholt worden.

«Die Initiative aber wird gewisse Stellen im Tieflohnbereich vernichten, weil ein Lohn von 22 Franken für gewisse Jobs zu viel ist.» Damit sinke auch die Nachfrage nach schlecht qualifizierten Arbeitern. Dies wiederum bedeute weniger Zuwanderung, weil gerade in Tieflohnbereichen wie der Gastronomie oder dem Detailhandel viele Ausländer arbeiteten. Gleichzeitig würde die Arbeitslosigkeit laut dem St. Galler Wirtschaftsprofessor Reto Föllmi zunehmen.

Kein Export von Niedriglohnjobs

Einen ganz anderen Standpunkt nehmen die Gewerkschaften ein, die die Initiative mit lanciert haben. «Wenn die Firmen Inländern und Ausländern denselben Lohn zahlen müssen, wird es für sie weniger attraktiv, Arbeitnehmer im Ausland zu suchen», sagt Thomas Zimmermann vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund.

Anders als der St. Galler Wirtschaftsprofessor geht Zimmermann aber nicht von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit aus. «Nur weil der Kaffee um einige Rappen teurer wird oder der Haarschnitt ein paar Franken mehr kostet, werden die Leute nicht aufhören, ins Restaurant und zum Coiffeur zu gehen.» Und exportieren liessen sich diese Jobs schon gar nicht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anderer Ansatz am 10.04.2014 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Mindestlohn - Nein, Faire Löhne - Ja

    Mindestlohn - Nein. Lieber faire auf die Branchenbezogene GAV's und allgemein eine härtere Gangart und schärfere Kontrollen bei Verstössen gegen diese. Alles andere Verstösst in meinen Augen gegen die allgemein bekannten Grundregeln von Arbeit und Ertrag.

  • Toni am 10.04.2014 07:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Will dann auch mehr

    Ich verdiene heute 4000.- geht dann mein Lohn auch rauf ? Ich habe ja eine Lehre gemacht...

    einklappen einklappen
  • AnthonySmith am 10.04.2014 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    NEIN

    Das Problem ist, dass viele Arbeiter das Gefühl haben, dass die Gutverdiener in unserem Land überbezahlt sind und nicht sehen, dass auch diese Herren viel opfern müssen und früher meistens viel viel gelernt haben und auf Freizeit verzichten mussten. Auch in der Arbeit, wer will schon ein solches Leben, da hat man kein privates mehr. Dafür sollen Sie auch etwas bekommen. Diese Initiative muss abgelehnt werden, da man mit Argumenten um sich wirft, wenn du und viele andere viel verdienen in der Schweiz, dann soll ich auch mindestens 4000 erhalten. Das bekommt man auch, liefere ned lafere!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Emini ABEL am 10.04.2014 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    Mindestlohn JA - AHV retten!

    Mit dem Mindestlohn kommen jährlich um die 300Mio Franken mehr in die AHV-Kasse! Denkt daran, es geht auch ums die Zukunft der Jungen Bevölkerung. Mit 4000Fr Mindestlohn steigt auch der Konsum in der Schweiz sowohl auch die Gehälter die mehr als 4000Fr. sind! JA!

  • Visionär am 10.04.2014 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Vor 2002 war vieles o.k.

    Warum dies ganze Theater? Wir hatten vor der PFZ ein intaktes Lohnsystem -> orts-u. branchenüblich - Warum nicht diese Verhältnisse wieder herstellen? - wo ist das Problem? Ach ja, da gibt es ja noch die Wirtschaftsverbände und Arbeitgeber, die weiterhin aufgrund dieser Umstände profitieren wollen. Dies ist nur einer von vielen negativen Auswirkungen der PFZ, die endlich abgestellt werden müssen.... Also, die Schweiz sollte wieder sicherer, sozial gerechter und lebenswerter werden - wie eben vor dieser PFZ.....

  • Schnyder Noeru am 10.04.2014 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Für was 4000.--

    Die Mindestlohn Initiative wird garantiert angenommen da die ganze untere arbeitende Gesellschaftsschicht meint sie müsse auch etwas vom Kuchen der Reichen kosten können, die würden ja sowieso immer reicher. Die meisten Befürworter beginnen morgens irgendeine Arbeit und hören nachmittags auf dann wird der Off Schalter betätigt und der Rest des Tages ist Freizeit und das für 4000? Ich arbeite für einen Nettolohn von 7400.-- habe aber nicht um 17 Uhr Feierabend sondern verbringe noch einge Stunden mehr im Büro und Samstag, Sonntag wird zu Hause gearbeitet, da ist der Lohn gerechtfertigt

  • li-so am 10.04.2014 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Abstimmung?

    Diese Abstimmung ist ein Witz.Eine Wahl zwischen Pest und Cholera.Ob so oder so,die "Teppichetage"reibt sich die Hände.Nur wir sind wieder mal die Verlierer!

  • Mr.Hanky am 10.04.2014 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    So geht es nicht weiter

    Wenn nicht bald ein Umdenken bei den obersten statt findet wird auch der Mindestlohn nichts mehr bringen... Immer mehr, mehr und noch mehr... Genug gibt es nicht... Wachstum ohne Ende... Neue Weltreligion "Kapitalismus"... So werden wir schlussendlich untergehen denn alles hat Grenzen. Ein Sozialstaat kann mit gierigen nimmersatten Neidern (egal ob zu oberst oder zu unterst in der Nahrungskette) nicht funktionieren und wird über kurz oder etwas länger zusammenbrechen. Dann wird es leider erst richtig übel... Und nein es wird keine 20 Jahre mehr dauern...