Neue Erfahrungen

07. Januar 2017 14:48; Akt: 07.01.2017 14:48 Print

«Alle Schweizer sollten einmal auswandern»

Auswanderer würden praktisch als Landesverräter behandelt, stellt ein Migrationsexperte fest. Dabei seien sie eine Bereicherung für die Wirtschaft.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Schweiz müsse sich mehr mit ihren Auswanderern beschäftigen, verlangt Walter Leimgruber, Präsident der Migrationskommission, im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung.» Er hat im Rahmen eines Nationalfondsprojekts mit Auswanderern gesprochen. Eine Weile ausserhalb der Schweiz zu leben, hat laut Leimgruber viele Vorzüge: Man eigne sich beispielsweise neue Kompetenzen in anderen Sprachen und Kulturen an. Er bedauert darum, dass es immer noch nur eine Minderheit mit dem Auswandern probiert. «Es braucht vielleicht ein Selbstverständnis, dass alle einmal in ihrem Leben auswandern sollten; es muss ja nicht für immer sein.» In der Schweiz herrsche noch immer der Glaube, ein guter Staatsbürger müsse sesshaft sein. «Für einige ist ein Auswanderer ein Landesverräter», so Leimgruber. Diejenigen, die es mit dem Auswandern wagen, seien in der Regel zwischen 20 und 35 Jahre alt und sehr gut ausgebildet. «Es gibt viele, die zurückkommen. Man versucht es einfach einmal.» Diese Rückkehrer sind gemäss Leimgruber für die Schweizer Wirtschaft und Politik eine grosse Chance. Die hier ansässigen Firmen hätten extreme Mühe, Schweizer zu finden, die für sie in die Welt hinausgehen. «Also holen sie Mitarbeiter aus dem Ausland, die das tun, was wiederum dazu führt, dass die Zurückbleibenden Angst um ihren Job haben.» Die Zahl der Auslandsschweizer belaufe sich auf etwa 700'000 Leute und steige stetig. Leimgruber begründet dies damit, dass sich Leute, die etwas Spezielles leisten wollen, in der Schweiz nicht entfalten könnten. «Die Schweiz hat ein Problem, mutige, kreative und schöpferische Menschen im Land zu halten.» Die Auswanderer, mit denen Leimgruber gesprochen hat, erzählten immer dieselbe Geschichte: «Wenn du in der Schweiz etwas umsetzen willst und du scheiterst, bekommst du immer den Satz zu hören: Ätsch, ich habe dir ja gesagt, dass das nicht funktioniert.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Schweiz müsse sich mehr mit ihren Auswanderern beschäftigen, verlangt Walter Leimgruber, Präsident der Migrationskommission, im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung.» Er hat im Rahmen eines Nationalfondsprojektes mit Auswanderern gesprochen.

Umfrage
Sind Sie schon Mal aus der Schweiz ausgewandert?
12 %
1 %
14 %
15 %
4 %
16 %
15 %
19 %
4 %
Insgesamt 6527 Teilnehmer

Eine Weile ausserhalb der Schweiz zu leben, hat laut Leimgruber viele Vorzüge: Man eigne sich beispielsweise neue Kompetenzen in anderen Sprachen und Kulturen an. Er bedauert darum, dass es immer noch nur eine Minderheit mit dem Auswandern probiert. «Es braucht vielleicht ein Selbstverständnis, dass alle einmal in ihrem Leben auswandern sollten; es muss ja nicht für immer sein.»

Rückkehrer sind eine grosse Chance

In der Schweiz herrsche noch immer der Glaube, ein guter Staatsbürger müsse sesshaft sein. «Für einige ist ein Auswanderer ein Landesverräter», so Leimgruber.

Diejenigen, die es mit dem Auswandern wagen, seien in der Regel zwischen 20 und 35 Jahre alt und sehr gut ausgebildet. «Es gibt viele, die zurückkommen. Man versucht es einfach einmal.» Diese Rückkehrer seien gemäss Leimgruber für die Schweizer Wirtschaft und Politik eine grosse Chance.

Die hier ansässigen Firmen hätten extreme Mühe, Schweizer zu finden, die für sie in die Welt hinausgehen. «Also holen sie Mitarbeiter aus dem Ausland, die das tun, was wiederum dazu führt, dass die Zurückbleibenden Angst um ihren Job haben.»

«Die Mutigen und Kreativen wandern aus»

Die Zahl der Auslandschweizer belaufe sich auf etwa 700'000 Leute und steige stetig. Leimgruber begründet dies damit, dass sich Leute, die etwas Spezielles leisten wollen, in der Schweiz nicht entfalten könnten. «Die Schweiz hat ein Problem, mutige, kreative und schöpferische Menschen im Land zu halten.»

Die Auswanderer, mit denen Leimgruber gesprochen hat, erzählten immer dieselbe Geschichte: «Wenn du in der Schweiz etwas umsetzen willst und scheiterst, bekommst du immer den Satz zu hören: ‹Ätsch, ich habe dir ja gesagt, dass das nicht funktioniert.›»

(lz)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sasch am 07.01.2017 15:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bald

    Bald leben mehr echte Schweizer im Ausland . Kein wunder-:)

  • Jimmy Neutral am 07.01.2017 16:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein, aber nei. danke

    Wenn ich durch Spreitenbach laufe fühle ich mich schon genug fremd :)

  • Babyboomer am 07.01.2017 16:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Lebenserfahrung mehr . . .

    Ich verliess die Schweiz als Dreiundzwanzigjähriger und lebte drei Jahre in London und siebzehn Jahre in den New York und bin froh, das Leben auch ausserhalb der Schweiz kennengelernt zu haben. Es hat mir viel geholfen beruflich wie auch privat und ich konnte auch viel Erfahrung sammeln. Man sieht so die Heimat etwas anders als die immer Zuhausegebliebenen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Seeed am 08.01.2017 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auswandern auf Zeit

    Für mich käme eher ein langer Trip in Frage, bei dem ich neue Kulturen kennen lernen kann und mein Weltbild etwas auffrischen kann. Sollte sich die Gelegenheit ergeben für längere Zeit an einem Ort zu verweilen würde ich nicht nein sagen. Australien wäre so ein Plätzchen (-:

  • GLC am 07.01.2017 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was jetzt?

    Was will der Mann jetzt genau? Sollen wir jetzt hierbleiben oder gehen? Ich bin mir nicht sicher ob ich zurückkommen würde... Die Firmen sollten eher die CH Mitarbeiter mehr schätzen lernen! Schaut dass Familien in der Schweiz geschätzt werden und es sich leisten können ihre Kinder selber zu erziehen und dass Familien überhaupt eine Existenz haben!

  • Crigs am 07.01.2017 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WISSEN STATT POLITISIEREN

    Alle Schweizer Politiker sollten einmal die Schulbank drücke, um die Lorentz Transformationen verstehen zu können. Es handelt sich um die Spezielle Relativitätstheorie, die an jedem Gymnasium unterrichtet werden kann. Wer es nicht glauben will, dem empfehle ich via You Tube mit Ramamurti Shankar "Fundamental Physics Lesson 12 -15" durchzuarbeiten. Ein Gymeler schafft es innerhalb einer Woche. Und Sie ? Jetzt können Sie ein Auswandern wagen. Viel Spass beim Vermitteln von Wissen. Politik ist nebensächlich.

  • Pack Man am 07.01.2017 17:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nix neues

    Finde ich auch gut,damit die Schweitzer erkennen,wobei sie sich selbst im Weg stehen und wieviel Dinge einfach keinen Sinn machen.Auch würden sie merkeln,wenn man mit dem Finger auf jemanden deutet,drei Finger auf einen selbst gerichtet sind,besonderst was Aroganz angeht und Selbstüberschätzung.Tja,wir Ausländer wissen das schon lange,doch gehört Kritikfähigkeit auch nicht zu schweitzer Stärken.Zum Glück bestätigt die Ausnahme die Regel.Schönes Wochenende;)

  • Sfera72 am 07.01.2017 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht auch umgekehrt.

    Ich bin vor fast 11 Jahren auch ausgewandert. Allerdings IN, nicht AUS der Schweiz und fühle mich sehr wohl und habe einen tollen Freundeskreis hier. Einzig die ewig gestrigen stören.