Überversorgung

16. März 2017 16:17; Akt: 16.03.2017 16:26 Print

Zahnärzte nehmen mehr unnötige Eingriffe vor

Wegen einer Überversorgung an Zahnärzten kämpfen einzelne Praxen ums Überleben. Laut Fachleuten nehmen sie daher unnötige Eingriffe vor.

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Unnötige zahnärztliche Behandlungen nehmen zu. Beispielsweise Weisheitszähne ziehen, ohne dass es notwendig wäre, oder alle Füllungen präventiv ersetzen. Das ist laut dem Winterthurer Zahnarzt Peter Zuber reine Abzocke, kommt aber nicht selten vor. Auch Zahnfachfrau Maggie Reuter von der Stiftung Patientenschutz in Zürich stellt diese Überbehandlungen durch Zahnärzte fest. Dabei stünden vor allem die Zahnzentren im Fokus. «Wir stellen in unseren Beratungen regelmässig fest, dass man in solchen Zentren vermehrt an Patientinnen und Patienten Behandlungen durchführen will, die nicht absolut notwendig sind.» Das sei schlicht unseriös. Beim Betreiber einer dieser Zahnarztzentren, der Zahnarztzentrum.ch AG, will man von diesen Anschuldigungen nichts wissen. «Man unterstellt uns ja eigentlich Körperverletzung», sagt Geschäftsführer und Zahnarzt Christian Spliethoff. Der ehemalige Zahnarzt Zuber stellt fest, dass durch solche Zentren die Konkurrenzsituation verschärft wurde: «Nicht wenige Patientinnen und Patienten wanderten in jüngster Vergangenheit zu den Zahnarztzentren ab, in denen viele junge, aber nicht selten auch ziemlich unerfahrene zum Teil ausländische Berufskolleginnen und -kollegen arbeiten.» Dies sieht die Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft (SSO) als Problem: «Die massive Zunahme ausländischer Zahnärztinnen und Zahnärzte in den Städten und Agglomerationen hat zu einer Überversorgung geführt», sagt SSO-Sprecher Marco Tackenberg zum «Landboten». Auf Anfrage von 20 Minuten sagt er, dass das Problem schweizweit bestehe – in Genf, Basel, Bern, Zürich, Winterthur, aber auch in Lugano und Chiasso. Wegen dieser Überversorgung seien die Praxen meist aber nur noch wenig ausgelastet. Tackenberg: «Jede zweite Praxis ist nur noch zu 80 Prozent oder weniger ausgelastet. Das führt dazu, dass Zahnärzte in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen könnten.»

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Weisheitszähne ziehen, ohne dass es notwendig wäre, oder alle Füllungen präventiv ersetzen: Laut dem Winterthurer Zahnarzt Peter Zuber kommt das nicht selten vor, sei aber reine Abzocke: «Meine Abklärungen zeigten, dass für einige solcher Eingriffe überhaupt keine Notwendigkeit bestand.»

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Wie der «Landbote » schreibt, spricht Zuber aus Erfahrung: 34 Jahre lang sei er als Zahnarzt tätig gewesen. In dieser Zeit habe er «verschiedenste Veränderungen» in seinem Berufsstand festgestellt – nicht nur positive. Er sagt zur Zeitung: «Wir stellen leider in immer mehr Fällen fest, dass man bei den Patientinnen und Patienten Eingriffe vornehmen will, die überhaupt nicht notwendig sind.»

Zahnzentren im Fokus

Für ihn ein Grund, hilfesuchende Patienten zu unterstützen: Seit etwa einem Jahr bietet er in Winterthur zusammen mit seiner Frau eine unabhängige zahnärztliche Beratung an. In dieser führt er Diagnostiken aktueller Zahnprobleme durch und gibt Zweitmeinungen ab. In dieser Tätigkeit würden sich die Abzocker-Beobachtungen manifestieren.

Auch Zahnfachfrau Maggie Reuter von der Stiftung Patientenschutz in Zürich stellt diese Überbehandlungen durch Zahnärzte fest. Dabei stünden vor allem die Zahnzentren im Fokus: «Wir stellen in unseren Beratungen regelmässig fest, dass man in solchen Zentren vermehrt an Patientinnen und Patienten Behandlungen durchführen will, die nicht absolut notwendig sind.» Das sei schlicht unseriös. Vor allem auch, weil mit Verkaufstaktiken versucht werde, dem Patienten klarzumachen, dass es besser wäre, wenn beispielsweise alle Amalgamfüllungen ersetzt würden.

Konkurrenzsituation verschärft

Bei einem der Betreiber von Zahnarztzentren, der Zahnarztzentrum.ch AG, will man von diesen Anschuldigungen nichts wissen. «Man unterstellt uns ja eigentlich Körperverletzung», sagt Geschäftsführer und Zahnarzt Christian Spliethoff. Der Massstab ihrer Behandlungsmethode sei so ausgerichtet, dass es dem Wohl des Patienten diene. Und: «Alle Behandlungen sind von guter Qualität und müssen an den jeweiligen Patienten individuell angepasst sein.» Das werde auch kontrolliert: «Unsere Zentrumsleiter führen regelmässig Qualitätskontrollen bei allen Zahnärzten durch.» Das sei in der Branche einzigartig.

Der ehemalige Zahnarzt Zuber stellt fest, dass durch solche Zentren die Konkurrenzsituation verschärft wurde: «Nicht wenige Patienten wanderten in jüngster Vergangenheit zu den Zahnarztzentren ab, in denen viele junge, aber nicht selten auch ziemlich unerfahrene, zum Teil ausländische Berufskolleginnen und -kollegen arbeiten.»

Zunahme ausländischer Zahnärzte führe zu Überversorgung

Dies sieht die Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft (SSO) als Problem: «Die Zuwanderung ausländischer Zahnärztinnen und Zahnärzte in die Städte und Agglomerationen hat zu einer Überversorgung geführt», sagt SSO-Sprecher Marco Tackenberg zum «Landboten».

Zu 20 Minuten sagt Tackenberg, das Problem des Überangebots bestehe schweizweit – etwa in Genf, Lausanne, Basel, Bern, Zürich, Winterthur, aber auch in Lugano und Chiasso. Wegen dieser Überversorgung sei ein Teil der Praxen deutlich weniger ausgelastet. Tackenberg: «Jede zweite städtische Praxis ist nur noch zu 80 Prozent oder weniger ausgelastet. Das führt dazu, dass Zahnärzte in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen könnten.»

Schweizer Zahnärzte stärken

«Fixkosten wie Löhne des Praxisteams oder die Miete sind so schwierig zu stemmen», so Tackenberg. Man müsse auch bedenken, dass bei einer Überversorgung Anreize für unnötige Behandlungen geschaffen würden. «Zudem stellen wir fest, dass es überdurchschnittlich mehr Klagen von Patienten wegen ausländischer Zahnärzte gibt, die nicht hier ausgebildet wurden.»

Doch wie könnte man dem Problem entgegenwirken? Tackenberg sagt: «Die Ursache der Überversorgung und damit der mangelnden Qualität der Zahnärzte hängt mit den bilateralen Verträgen zusammen.» Dadurch habe man einen massiven Zustrom an ausländischen Zahnärzten. «Eine Migrationsbewegung von Zahnärzten quer durch Europa ist gesundheitspolitisch stossend.»

Denn die unterschiedlichen Qualitätsvorstellungen der Zahnärzte gefährden das traditionell hohe Niveau der Zahnmedizin in der Schweiz. Lösungen würden beispielsweise darin bestehen, mehr Schweizer Zahnärzte auszubilden. Ein ausländisches Diplom sollte nur dann anerkannt werden, wenn die Ausbildung dem Standard der Ausbildung in der Schweiz entspricht.

(jen)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fragezeichen am 16.03.2017 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ich frage mich...

    Habe mich zur Dentalhygiene angemeldet und die Ärztin (!) hat diese durchgeführt. Nebenbei hat sie noch 5 Löcher entdeckt. Habe mir dann 2 Wochen später eine 2. Meinung eingeholt. Der andere Zahnarzt fand kein einziges Loch meinte aber, ich hätte mal wieder eine Zahnreinigung nötig. Ich frage mich, was hat da die gute Frau gemacht?

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  • Jimmy am 16.03.2017 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nie wieder zahnarztzentrum

    Kann ich nur bestätigen und allen empfehlen das Zahnarztzentrum zu meiden. Wollten mir doch ernsthaft noch eine Röntggenaufnahme berechnen, die nur aufgrund eines Fehlers ihrerseits nötig war. Und das nachdem die Ärztin beinahe einen Eingriff vorgenommen hatte den ich explizit abgelehnt habe. Wenn wir schon dran sind Die einzig Guten arbeiten da an der Reception. Und sich wehren mit Watte im Mund ist auch nicht lustig. Nie wieder.

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  • Ein Leser am 16.03.2017 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Ich kann mir das gut vorstellen

    Ich war schon lange nicht mehr beim Zahni. Obwohl er mir gesagt hat ich habe mehrere Löcher, geht es mir immer noch sehr gut. Ich denke auch das viel unnötiges gemacht wird. Einem Laien kann man nicht mal beweisen das man ein Loch hat. Ein Zahnarzt kann jetzt wirklich alles behaupten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Claudia F. am 25.03.2017 03:18 Report Diesen Beitrag melden

    Implantate

    Zahnspangen, Implantate und Schienen rentieren auch dann wenn es meist nicht aus einer Notgedrungen Basissituation kommt.

  • Silvio Meier am 17.03.2017 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    Zahnarzt

    "2Meinungen" anbieten ist ein Verkaufskonzept und dient der Arbeitsbeschaffung! (Ist dies Werbung?) Und die SSO kümmert sich nicht wie viele Zahnärzte in der Schweiz arbeiten. Wenn ein Zahnarzt den Mitgliederbeitrag Bezahlt, darf er sogleich seine Praxis mit "Mitglied SSO" beschriften. Hauptsache er bezahlt. Von der Sso gibt es auch keine Behandlungsrichlinien, jedet darf so behandeln wie er will! Komischer Verein! Der braucht dringend Veränderungen!!!

  • D-Mann am 17.03.2017 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Zahnärzte sind generell

    viel zu teuer . Ich gehe seit Jahren zu einem sehr guten Zahnarzt in Gottmadingen DE . Topmoderne Praxis und perfekte Arbeit ohne Abzocke . So was muss man lange suchen .

  • Norma am 17.03.2017 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Era ohne Ethik

    Das ist das Geldgier. Um mehr zu verrechnen und sich zu bereichern, schaden sie dem Patient. Eigentlich das ist illegal und muss verboten sein.

  • Sensus am 17.03.2017 06:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues

    Das ist doch leider nichts neues oder?