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24. Juli 2016 06:09; Akt: 27.07.2016 15:20 Print

Terrorangst treibt Schweizer zum Waffenkauf

Zahlen zeigen einen markanten Anstieg bei Waffenverkäufen in der Schweiz. Experten sehen darin eine gefährliche Entwicklung.

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Wirksames Mittel gegen Terrorismus? Pistolen und Gewehre bei der freiwilligen Waffenabgabe 2011 in Zürich. (Archivbild). (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Für den Kauf einer Schusswaffe ist in der Schweiz ein Waffenerwerbsschein nötig. Zahlen aus den Kantonen zeigen, dass der Andrang markant gestiegen ist: Schweizweit gingen im letzten Jahr 29 146 Gesuche ein, 17 Prozent mehr als 2014. Gemäss «Sonntagsblick» stieg die Nachfrage am stärksten in Obwalden (49 %), Luzern (34 %) und Zug (33 %). Gemäss laufenden Zahlen aus St.Gallen oder Baselland zeichnet sich für 2016 eine weitere Steigerung ab.

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Daniel Wyss, Präsident des Schweizerischen Büchsenmacher- und Waffenfachhändlerverbands, kennt auch die Verkaufszahlen. «Anbieter verkaufen viel mehr Waffen als sonst. Zum Teil stieg der Umsatz seit Jahresbeginn um 25 Prozent», sagt er im «Sonntagsblick». Hauptgrund für den Waffenkauf sei offenbar Angst vor Terrorattacken und die Hoffnung, sich besser schützen zu können, so Wyss.

Keine Lösung gegen den Terror

Experten halten diese Entwicklung für gefährlich. «Sich selber zu bewaffnen, bringt nicht mehr Sicherheit. Im Gegenteil, es bringt mehr Gewalt und mehr Tote», sagt Ortwin Renn, Risikoforscher an der Universität Stuttgart. Auch Beat Villiger, Vizepräsident der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD), ist skeptisch: «Man kann niemandem verbieten, legal eine Waffe zu erwerben», sagt er im «Sonntagsblick». Doch dies sei keine Lösung gegen den Terror. «Es entspricht nicht dem Rechtsstaat, die Sicherheit auf eigene Faust durchzusetzen», sagt Villiger. Dazu gebe es Organisationen wie die Polizei.

Laut der «Schweiz am Sonntag» haben die Baselbieter Behörden bis Ende Juni fast 800 Waffenerwerbsscheine ausgestellt. So viele wurden 2012 insgesamt bewilligt. Der gleiche Trend zeigt sich in Basel-Stadt. Auch hier nahm die Zahl der ausgestellten Waffenerwerbsscheine in den vergangenen Jahren kontinuierlich zu. 2012 bewilligten die Basler Beamten 355 dieser Lizenzen, im vergangenen Jahr waren es bereits 484. Damit dürfen Privatpersonen Pistolen, Revolver oder halbautomatische Gewehre kaufen und zu Hause aufbewahren.

Effektive Anzahl Waffen schwer zu ermitteln

Wie viele Waffen tatsächlich in den Haushalten liegen, ist jedoch aus verschiedenen Gründen unklar. Ein Zuzügler muss seine Waffe nicht in den hiesigen Waffenbüros melden. Zudem war der Erwerb von Waffen vor Dezember 2008 nicht meldepflichtig. Während im Waffenregister des Baselbiets 19 200 Exemplare registriert sind, weist Basel-Stadt 35 000 aus.

(chi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ZEidgenoswe am 24.07.2016 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Autobahn

    Die Polizei hat keine Zeit für Sicherheit weil sie Autobahn- Pinkler büssen muss ...

  • Geissenpeter am 24.07.2016 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso bewaffnen wir uns?

    Vielleicht sollten sich die Herren Büchsenmacher und Polizeichef fragen, wieso wir uns alle bewaffnen. Hier die Antwort -- Weil die Politik NICHTS gegen den drohenden Terrorismus in der Schweiz unternimmt!

    einklappen einklappen
  • Sarawak am 24.07.2016 07:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logische Konsequenz

    "Es entspricht nicht dem Rechtsstaat das Gesetz auf eigene Faust durchzusetzen" dies sehen alle Bürger ja auch so. Nur was, wenn der Rechtsstaat nicht mehr funktioniert und Verbrecher nicht mehr abschreckend bestraft werden? Dann überwiegt der Drang zum Selbstschutz.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ohne Michi am 26.07.2016 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere Gründe

    Ich habe mir eine Waffe zugetan, damit ich mit meiner Familie beruhigt in den Schweizer Bergen wandern gehen kann und mich gegen Wildtiere, die von gewissen Kreisen unbedingt wieder angesiedelt werden sollen und meine Kinder als Beute sehen könnten, wehren kann. Oder soll ich untätig zusehen, wenn es mal so weit kommt?

  • mrfiveduck am 25.07.2016 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Graus

    mit einer Knarre rumfuchteln kann jeder. Im Ernstfall verantwortungsvoll damit umgehen nur wenige. Mir grausts wenn ich dran denke...

    • Ohje Mine am 26.07.2016 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @mrfiveduck

      Ja, man siehts ja in den USA wie sicher die Gesellschaft ist, wenn jeder Möchtegern-Held eine Waffe trägt.

    • mägge am 27.07.2016 09:17 Report Diesen Beitrag melden

      zur Kenntnisnahme

      Die Schweiz gehört nach den USA das Land mit der höchsten Pro Kopf Bewaffnung. Es sind ja nur schon über eine halbe Million Armeewaffen bereits in zu hause und trotzdem ist bei uns die Waffengewalt sehr sehr klein.

    einklappen einklappen
  • Simba74 am 24.07.2016 09:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die Zeiten ändern sich 

    eine WAffe zu kaufen schützt zwar nicht vor terror aber es beruhigt eine zu besitzen.

  • Vreni 2 am 24.07.2016 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Waffen für zu Hsuse

    Waffe kaufen um zu Hause zu lassen , schützt nicht gegen Terror! Denn nur wenige haben die Erlaubnis Waffen zu tragen !!

  • R.F. am 24.07.2016 08:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komische Sache

    Alle die eine Waffe besitzen fühlen sich jetzt sicherer. Die die keine besitzen solten sich jetzt nicht mehr sicher fühlen, weil alle anderen eine Waffe haben- oder was?