Bus-Betriebe wehren sich

09. Februar 2017 05:53; Akt: 09.02.2017 09:43 Print

«Viele schauen aufs Handy statt sich festzuhalten»

Viele ÖV-Benutzer beklagen sich über unfreundliche und rowdyhafte Buschauffeure. Die Verkehrsbetriebe wehren sich und erklären, mit welchen Problemen die Fahrer kämpfen.

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Fahrgäste stürzen, weil die Busfahrer losfahren, bevor die Passagiere sitzen. Kommt man angerannt, wartet der Chauffeur nicht und fährt los. Während der Fahrt wird abrupt gebremst und Fahrgäste fallen hin. Die Vorwürfe der Leser an ihre Buschauffeure sind vielfältig und kommen aus den unterschiedlichsten Regionen.

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Tatenlos sind die Verkehrsbetriebe aber nicht. So sagt etwa Rolf Meyer, Sprecher von Bernmobil: «Wir schulen unsere Buschauffeure im vorausschauenden Fahren.» So sollen abrupte Manöver vermieden werden. Aber, so Meyer: «Wir machen ÖV, wir können es nicht jedem recht machen.» Die Fahrer seien auch nicht immer die Verantwortlichen. «Unachtsame Verkehrsteilnehmer sind ein grosses Problem», sagt er. Abrupte Bremsungen seien häufig auf sie zurückzuführen.

«Für die Sicherheit nehmen wir Verspätungen in Kauf»

Eine Regel, wann der Busfahrer losfahren sollte, gibt es bei Bernmobil nicht. Aber: «Der Fahrer sollte den Passagierraum beobachten. Gerade auf ältere Leute muss er Rücksicht nehmen», so Meyer. In Bern gehe es nicht darum, den Zeitplan minutengenau einzuhalten: «Für uns ist nicht die Pünktlichkeit wichtig, sondern die Regelmässigkeit, mit der eine Haltestelle bedient wird.»

Auch in Luzern steht die Pünktlichkeit nicht an erster Stelle, wie VBL-Sprecher Christian Bertschi sagt. «Bei uns ist der Fahrplan nicht das wichtigste Kriterium, sondern die Sicherheit. Dafür nehmen wir auch Verspätungen in Kauf.» Von rund 2000 Kundenreaktionen bei 47 Millionen Fahrgästen jährlich betreffen weniger als fünf Prozent den Fahrstil eines Chauffeurs.

Passagiere werden vom Handy abgelenkt

Trotzdem werden die VBL-Fahrer regelmässig und unangekündigt bei einer Tour begleitet. Gibt es Schwächen, werden die Mitarbeiter anschliessend in die Weiterbildung geschickt. «Das tut jedem gut, auch wenn es nicht dringend notwendig wäre.»

Bertschi betont, dass es gerade im Stadtverkehr nicht immer möglich ist, auf jeden Fahrgast zu warten. «Oft kommt dann von hinten bereits der nächste Bus, der Platz braucht.» Und auch dafür, dass Passagiere stehen gelassen werden, hat er eine Erklärung: Ist der Chauffeur bereit loszufahren, schaut er in den linken Rückspiegel, damit er in den Verkehr einfädeln kann. So kann es sein, dass rechts heraneilende Passagiere übersehen werden.

Bertschi hat auch einen Rat für die Passagiere: «Wenn es geht, sollte man sich setzen oder festhalten. Wir haben bemerkt, dass viele im Bus oft auf ihr Handy schauen und dann völlig überrascht sind, wenn der Bus abrupt abbremsen muss.»

«Nehmen Sie den ersten Sitzplatz, den Sie sehen»

In Zürich war die Kundenzufriedenheit der VBZ-Fahrer 2016 gemäss einer Umfrage auf einem «historischen Hoch», wie Sprecher Andreas Uhl sagt. «Wir haben hohe Anforderungen an unsere Fahrer.» Sie würden auch periodisch geschult und kontrolliert. Kundenfeedbacks werden an die betroffenen Fahrer weitergeleitet, damit sie Stellung nehmen können.

Damit der öffentliche Verkehr in der Stadt Zürich überhaupt fliessen kann, gibt es bei der VBZ einige Grundsätze. Wenn die Bustür zu sei, dann bleibe sie zu. «Sonst verpasst der Fahrer beim Lichtsignal womöglich sein Zeitfenster.» Auf stehende Fahrgäste nehme man zwar Rücksicht, «wenn der Bus aber voll besetzt ist, kann der Fahrer nicht mehr kontrollieren, ob sich alle festhalten oder sitzen». Uhl rät deshalb: «Nehmen Sie den ersten freien Sitzplatz, den Sie sehen, und durchqueren Sie nicht erst das halbe Fahrzeug.»

«Auch Busfahrer können einen schlechten Tag haben»

In Basel zählt zu den häufigsten Beschwerden, dass Fahrgäste an Haltestellen übersehen werden oder Busse abfahren, wenn man einsteigen möchte, erklärt BVB-Sprecher Benjamin Schmid. «Im Gegensatz zum Tram darf ein Bus bei einer Haltestelle ohne Halt durchfahren, sofern sich der Buschauffeur vergewissert hat, dass niemand ein- oder aussteigen will. Entsprechend wichtig ist es, sich klar ersichtlich zu zeigen – gerade auch bei schlechten Sichtverhältnissen.»

Schliesslich räumt Schmid auch ein: «Auch unsere Buschauffeure sind Menschen. Auch sie können einmal einen schlechten Tag haben. Sie sind sich ihrer Rolle als Dienstleister im öffentlichen Verkehr aber trotzdem jederzeit bewusst.»

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Denkpause am 09.02.2017 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Machen wir uns ...

    ... lieber Gedanken darüber, was diese Busfahrer von einigen Passagieren über sich ergehen lassen müssen.

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  • Peter am 09.02.2017 06:06 Report Diesen Beitrag melden

    Super Service :-)

    Das ist nicht überall so!!! Auf der Linie Niederrohrdorf Mellingingen-Heitersberg gibt es jeden Tag ein "Guten Morgen", "Einen Schönen Tag", Auf Wiedersehen, Die nächsten Verbindungen sind.... und wenn jemand nach dem richtigen Kursbus sucht, wird geholfen und der Bus fährt nicht einfach ab. Funkverbindung wird auch genutzt um ein Fahrgast für ein andere Busverbindung anzumelden. UND DER ZUG WIRD ABGEWARTET, WENN ER VERSPÄTUNG HAT. Super Service rundum und sehr, sehr Freundlich. :-)

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  • giusi rengi am 09.02.2017 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verständlich

    also die meisten busfahrer machen meiner meinung nach einen super job - danke dafür! das der eine oder andere mal bisschen grummlig ist kann ich in manchen situationen absolut verstehen. achja... ein danke nach der busfahrt hilft da wunder :) gute fahrt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • H.Lauchenauer am 10.02.2017 23:44 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt immer schwarze Schafe

    Seit etwa 35 Jahren bin ich mit öVs unterwegs, jedoch seit ich Kinder gabe bin ich viel sensibler geworden. In der Stadt Thun hat man meine Kinder schon mehrmals halb in den Türen eingeklemmt worauf ich den Chauffeur "angebellt" habe und dieser mir versicherte dass die Türen automatisch schliessen und er nichts dafür könne. Komisch das uns das seit wir auf dem Land wohnen nie wieder passiert ist! Ansonsten finde ich das es immer und überall schwarze Schafe gibt und die Chauffeure mehrheitlich sehr nett und zuvorkommend sind! Danke für eure Arbeit!

  • G Nauer am 10.02.2017 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Smslen wo nur immer möglich

    Überlegt mal, warum eventuell manchmal wie Berserker gefahren wird. Nicht weil der Chauffeur unsensibel ist, nein, weil er wegen schlendernd einsteigenden Passagieren immer mehr ins Minus gerät. Leute, versorgt doch während den Ein- und Aussteigen mal euer Handy, man muss weiss gott nicht auch noch beim Ein- und Aussteigen smslen.

  • Versuch-das Beste am 09.02.2017 21:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht immer starke Nerven...

    Als Chauffeur braucht man in der Schweiz besonders starke Nerven... Ein Knigge für Fahrgäste wäre sinnvoll. - nicht im Türbereich stehen; - rechtzeitig, also nicht zu früh und nicht zu spät, die Haltewunschtaste drücken, wenn man aussteigen möchte; - nicht bei Kälte vorn beim Fahrer ein-und aussteigen; - wenn der Fahrer noch auf einen wartet, kleines Dankeschön sagen und auch so meinen; - das A und O : stets sicheren Stand und Festhalten, auch Kinderwagen sind festzuhalten. Gefahrensituationen entstehen schneller, als man denkt.... - Kinderwagen so hinaus, wie man hinein, also eher hinaus ziehen, statt stossen; - auf offene Speisen und Getränke, die Gerüche verbreiten, verzichten; - bei Taktintervallen von ca 7 Minuten muss nicht unbedingt gerannt werden, gemütlich weiter gehen und ganz einfach den nächsten nehmen; - Augen auf, bisschen mitdenken und gute Rundumsicht, nicht nur auf dem Nateldisplay... vielleicht steht dahinter ein weiterer Bus; - rasch ein- und aussteigen, zügig ins Wageninnere gelangen; - älteren Menschen Sitzplatz ungefragt anbieten; - und vor allem eines : Miteinander statt gegeneinander.... über ein freundliches Wort, freut sich jeder Chauffeur. Leider kann man es nicht immer jedem Recht machen... Sorry dafür. Aber alles was ein Chauffeur macht, hat auch einen Grund... meistens ;) den "Sie" als Fahrgast im Moment vielleicht nur nich nicht entdecken....

    • Schöppelimunggi am 09.02.2017 21:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Versuch-das Beste

      Bravo! als Antwort an alle chronischen Meckerern.... sich in die Rolle als Chauffeur während Hauptverkehrszeiten zu versetzen versuchen!

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  • Mark am 09.02.2017 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Top Job

    Es ist jammern auf hohem Niveau. Der eine hats brisant, 2 min. Verspätung sind ein Drama. Dem anderen ist der angezeigte Fahrplan egal, der Bus soll gefälligst warten. Velos, Pw und Fussgänger rücksichtslos, Fahrplan im Rücken, WC Pausen Glücksache. Läuft

  • PAmeland am 09.02.2017 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber nich grüssen dafür...

    In Jona grüssen die Fahrer freundlich aber fahren wie Berserker