Hefenhofen-Auktion

24. August 2017 07:46; Akt: 24.08.2017 10:37 Print

Veterinäramt hat kranke Pferde verkauft

Bei einem Tier aus Hefenhofen wurden vor der Versteigerung Drusen-Symptome festgestellt. Das Thurgauer Veterinäramt hatte offenbar davon gewusst.

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Grossandrang im Sand in Schönbühl: Am Donnerstag um 9 Uhr begann die Versteigerung der Pferde aus Hefenhofen. Interessierte Käufer können die Pferde des mutmasslichen Tierquälers Ulrich K. aus Hefenhofen (TG) ersteigern. Insgesamt stehen 80 der insgesamt 93 Pferde zum Verkauf. Vier Personen hatten vor der Verkaufsaktion den Behörden nachweisen können, dass dreizehn der in Hefenhofen TG gehaltenen Pferde ihnen gehören. Für interessierte Käufer gibt es vor Ort kurze Informationen zu jedem Pferd. Hunderte Interessierte schauen sich an... ...wie die Pferde versteigert werden. Tierschützer protestieren an der Strasse nach Schönbühl gegen den Verkauf der Pferde. Ihnen geht das Ganze zu schnell. Es sei nicht gewährleistet, dass die Tiere in gute Hände kommen, so der Schweizer Tierschutz. Die Versteigerung wird den ganzen Donnerstag andauern. Armeeangehörige führen die Tiere aus den Stallungen auf den Versteigerungsplatz. Die Pferde, die aus der geschlossenen Pferdezucht des mutmasslichen Tierquälers Ulrich K. überführt wurden. Unklarer Preis: Experte Christoph Mosimann hat nur wenig Informationen. Armeeangehörige messen ein Pferd aus: Für die Verkaufsaktion vom Donnerstag werden alle Pferde geschätzt. Unberechenbare Tiere: Manche Pferde verhalten sich störrisch. Gefragter Mann: Kommandant Jürg Liechti. Seit einer Woche sind die Pferde nun in Sand bei Schönbühl. Man sei aber noch nicht fertig mit der Arbeit, sagte Jürg Liechti. Armee im Einsatz: Schönbühler Rekruten messen ein Pferd aus dem Kanton Thurgau aus. Das Ziel des Verkaufs am Donnerstag sei es, für die Pferde einen langfristigen Platz zu finden. Wichtige Hufpflege: Die Hufschmiedrekruten haben derzeit viel zu tun. Liechti redete von einer «Ausnahmesituation», die man in der vergangenen Woche auf dem Areal gehabt habe. Am Montag, 7. August 2017, wurden die Pferde von Ulrich K. von Hefenhofen TG ins Kompetenzzentrum Veterinärdienste und Armeetiere nach Sand bei Schönbühl evakuiert. Insgesamt nahm die Armee 93 Pferde auf. «In der Schweiz ist wohl keine andere Institution in der Lage, ­innert eines Tages 93 Pferde aufzunehmen und zu betreuen», sagt Kommandant Jürg Liechti. In der Obhut der Schweizer Armee sollen die Tiere in den nächsten zehn Tagen wieder zu Kräften kommen. Was dann mit ihnen passiert, ist Sache des Kantons Thurgau. Verängstigte Fohlen rennen aus dem Transporter. Zum Teil waren die Fohlen und... ...ausgewachsenen Pferde in einem sehr verwahrlosten Zustand. 47 Train-, 20 Veterinärdienst- und 4 Hufschmiedrekruten kümmern sich bei der Ankunft um die Tiere. Unter anderem wird den Pferden eine Nummer auf den vorderen rechten Huf gebrannt, damit die Tiere rasch auseinandergehalten werden können. Zudem musste geklärt werden, welche Fohlen zu welcher Stute gehören. Dieses Pferd wird mit einem Leckerli aus dem Transporter gelockt. Die Polizei sichert die ersten Tiere vom Hof von Ulrich K., der wegen der Quälerei von Pferden unter Verdacht steht. (8. August 2017) Militärangehörige halfen bei der Evakuation mit. Ein Angehöriger der Armee führt ein Pferd zum Transporter. Die 93 Pferde wurden verladen und ... ... per Lastwagen abtransportiert. (8. August 2017) Abgeriegelt: Der Hof von Ulrich K. Von April bis Juli hat eine ehemalige Mitarbeiterin von Ulrich K. die miserablen Zustände auf dem Hof mit Fotos dokumentiert. (Archiv) Die Tiere seien oft zu schwach gewesen, um zu fressen, so die Ex-Mitarbeiterin – rund ein Dutzend Pferde verendete. (Archiv) Zudem sei den Tieren verschimmeltes Brot verfüttert worden, so die Ex-Mitarbeiterin. (Archiv) Beim Pferdehof und auch in Frauenfeld fanden Mahnwachen und Kundgebungen statt. Am Montag überreichten Tierschützer der Regierung eine Petition mit rund 13'000 Unterschriften. (7. August 2017) Die Polizei hatte bereits am Montag den Hof des Pferdehändlers in Hefenhofen TG durchsucht. (7. August 2017)

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Der Andrang war riesig. Vor einer Woche wurden 80 Pferde vom mutmasslichen Tierquäler von Hefenhofen versteigert – alle zum Maximalpreis. Doch die Tiere, die an neue Besitzer in der ganzen Schweiz verkauft wurden, könnten die Infektionskrankheit Druse haben. Die Pferdekrankheit ist hochansteckend, die Symptome gleichen einer Grippe.

Das Pikante: Das Thurgauer Veterinäramt, das für den Verkauf zuständig war, wusste, dass die Pferde sich womöglich infiziert hatten. Das schreibt der «Blick», dem Auszüge eines tierärztlichen Besuchsprotokolls vorliegt. Im Schreiben vom 11. August hiess es bei einem der Pferde: «Drusen-Symptom. Trüber Augenausfluss.» Die Analyse sei im Rahmen eines Auftrags, den der Veterinärdienst Luzern aufgrund eines Rechtshilfeersuchens der Thurgauer Staatsanwaltschaft ausgeführt habe, entstanden, sagt der Luzerner Kantonstierarzt Otto Ineichen gegenüber der Zeitung. Der Befund wurde anschliessend dem Thurgauer Veterinäramt kommuniziert.

Einschleppung aus Hefenhofen «wahrscheinlich»

Schon am Montag wurde bekannt, dass einige Armeetiere im Kompetenzzentrum Schönbühl BE, wo die Hefenhofen-Pferde vorübergehend untergebracht waren, von Druse betroffen sein könnten, wie «Schweiz aktuell» berichtete. Kommandant Jürg Liechti schloss damals nicht aus, dass die Übertragung der Krankheit durch die Pferde aus Hefenhofen erfolgte. Jetzt hat sich der Verdacht erhärtet: «Es ist eine wahrscheinliche Annahme, dass das Bakterium durch die Pferde aus Hefenhofen eingeschleppt wurde. Hundertprozentig nachweisen lässt sich das aber wohl nicht», so Jürg Liechti gegenüber «Blick».

Der Informationsdienst des Kantons Thurgau weist die Vorwürfe zurück. Die Beurteilung vor Ort habe «keinen dringenden Verdacht» ergeben, so Walter Hofstetter. Und weiter: «Es war mitgeteilt worden, dass im letzten Winter die Krankheit im Stall K. aufgetreten war. Das Krankheitsgeschehen sei allerdings seit einiger Zeit abgeklungen.»

Ulrich K. mit Krankheit konfrontiert

Vom letztjährigen Krankheitsfall schreibt das « St. Galler Tagblatt.» Es hatte Kontakt mit der Frau, die im Juni 2017 vier Pferde aus Hefenhofen aufgenommen hat, um sie wieder aufzupäppeln. Die Tiere seien «in einem desolaten Zustand» gewesen, eines von ihnen sei «positiv auf Druse getestet» worden. Sie habe anschliessend den mutmasslichen Tierquäler Ulrich K. per Telefon mit dem Befund konfrontiert – dieser habe zugegeben, davon gewusst zu haben. Er habe ihr sogar gesagt, dass er hoffe, die Behörden würden die Pferde in der ganzen Schweiz verkaufen, dann könne er alle einklagen. «Nach dem Telefonat habe ich sofort die Kantonspolizei Thurgau und das Veterinäramt des Kantons Thurgau über das Gespräch informiert», sagt die Käuferin aus der Zentralschweiz.

Vor der Auktion vom vergangenen Donnerstag seien die Tiere aber nicht nochmals getestet worden, heisst es beim Informationsdienst des Kantons Thurgau auf Anfrage des «St. Galler Tagblatts». «Die Situation wurde dahingehend beurteilt, dass das Krankheitsgeschehen im Bestand abgeschlossen war und damit die zurzeit anwesenden Pferde nicht mehr für eine Infektion mit dem Druse-Erreger empfänglich sind.» Eine überstandene Infektion mit dem Druse-Erreger mache das Tier lange Zeit immun gegen eine erneute Infektion.

(kf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Walter Wenger am 24.08.2017 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Es war abzusehen.....

    Und ich sag's halt noch einmal: Man kann innerhalb von nur 5 Tagen nicht alle Tiere aufpäppeln und gründlich genug durchchecken. Es tut mir leid für die Käufer, aber damit hättet ihr rechnen müssen bei dieser unseligen Angelegenheit. Mir scheint, das Veterinäramt des Kantons TG ist ein Sauladen.....

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  • Mike am 24.08.2017 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Schande über die Thurgauer-Behörden

    Tragisch, was sich diese Behörden überlegt haben. Die Pferde so schnell wie möglich wegschaffen. Problem gelöst. Keine medizinischen Abklärungen gemacht, vor der Versteigerung? Alle die dafür verantwortlich sind, sollten die Arbeitsstelle räumen.

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  • Stiller Beobachter am 24.08.2017 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Warum hat man nicht

    die Tiere überprüft und gegebenfalls zu einem späteren Zeitpunkt verkauft. Das Veterinäramt hat hier einige Fehler begangen und sollte eine Erklärung abgeben. Auch die Regierung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • R,E am 24.08.2017 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tierwohl

    Es ist beschämend für die Thurgau ,ein Kanton Tierarzt sollte doch das Tier im Vordergrund stehen,meinTierarzt in Oberbüren SG ist ein Tierarzt der Respektvoll,um die Tiere sich einsetzt,auch wenn ein Tier von den Schmerzen erlässt werden muss ,kann jeder würdevoll von seinem Tier Abschied nehmen,was du nicht möchtest,du keinem Tier an,

  • huschmie am 24.08.2017 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es hat zu viele Pferde

    Ich frage mich nur, was die Leute mit diesen Pferden machen. Überall gibt es Pferde auf Weiden und niemand kümmert sich darum. Da haben viele Leute einfach zu viel Geld. Oder zahlt am Schluss der Steuerzahler?

  • Ueli45 am 24.08.2017 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Beschämend

    Also würde ich so in der Privatwirtschaft Abklärungen treffen, wäre ich meinen Job sofort los und würde vermutlich auf Schadenersatz verklagt werden. Nun sollen die Verantwortlichen sofort den Hut nehmen.

  • Rössli Hüü am 24.08.2017 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht

    Warum kaufen die Leute ein oder mehrere Pferde aus diesem Stall?da doch in den Medien genügend Bilder von abgemagerten Pferden,(Mager heisst nicht unbedingt Hunger)zu sehen waren und darüber geschrieben wurde.

  • Realizt am 24.08.2017 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Doomed

    Stellt euch vor die hätten die Pferde zu dem zeitpunkt geschlachtet , die Schweiz wäre ausgeflippt :)