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Rücktritt aus dem ENSI-Rat
03. November 2011 07:44; Akt: 03.11.2011 08:23 Print
«Ich empfehle wieder einen Atombefürworter»
von Lukas Mäder - Kernenergie-Professor Prasser will sich eine Tätigkeit im ENSI-Rat nicht länger antun. Die Kritik an seiner Person sei unangenehm gewesen. Trotzdem hält er Atombefürworter für gute Aufsichtsbeamte.

«Ich habe nie darüber abstimmen müssen, ob ein bestimmtes Kernkraftwerk wieder in Betrieb gehen darf»: Das Kernkraftwerk Mühleberg, dessen Sicherheit umstritten ist. (Bild: Keystone)
Sie werden ab dem 1. Januar nicht mehr im ENSI-Rat Einsitz nehmen. Warum treten Sie zurück?
Ich trete nicht zurück, sondern verzichte auf eine erneute Kandidatur. Grund dafür ist die verschärfte ENSI-Verordnung, welche zu erheblichen Diskussionen auch um meine Person geführt hat. Durch meinen Entscheid bekomme ich persönlich Ruhe, und auch der ENSI-Rat erhält neue Freiheiten. Es ist für beide Seiten das beste.
Horst-Michael Prasser ist seit April 2006 ordentlicher Professor für Kernenergiesysteme an der ETH Zürich. Der 56-Jährigen leitet zudem das Labor für Thermohydraulik am Paul Scherrer Institut.
Seit 2008 ist Prasser Mitglied des ENSI-Rats, dem Aufsichtsorgan des Nuklearsicherheits-Inspektorats ENSI. Zu den Aufgaben des ENSI-Rats gehört die Festlegung der strategischen Ziele sowie die Überwachung der Geschäftsführung und der Aufsichtstätigkeit des ENSI.
Die Tätigkeit Prassers im ENSI-Rat stiess bei Atomgegnern immer wieder auf Kritik, da sein Lehrstuhl an der ETH zu 70 Prozent von AKW-Betreibern finanziert wird. Die Berufung und Anstellung Prassers liegt jedoch in der Verantwortung der ETH. (mdr)
Haben Sie den Entscheid mit jemandem besprochen?
Für mich war die Arbeit eine Herausforderung, aber auch eine Ehre, dafür vom Bundesrat berufen zu werden. Da sagt man nicht Nein. Meine Aufgabe war es, Fachkompetenz im Bereich der Nukleartechnologie einzubringen. Dabei habe ich versucht, so objektiv wie möglich zu sein. Aber die neue Verordnung hat meine Person in die Schlagzeilen gebracht. Das hat mich zum Nachdenken angeregt. Ich habe meine Bedenken meiner Chefin, der Präsidentin des ENSI-Rats, dargelegt, und damit hatte es sich.
Hat Ihnen jemand den Rücktritt nahegelegt?
Nein. Ich habe die neue Verordnung genauestens studiert und bin damit zu einem Anwalt gegangen, um jeden Punkt einzeln anzuschauen. Der Anwalt meinte, dass es eng werden könnte. Da war für mich klar, dass ich nicht mehr kandidieren würde.
Sie waren eine Reizfigur der Atomkritiker.
Das war nicht gut. Es war für mich persönlich hinderlich und manchmal unangenehm. Aber auch für den ENSI-Rat. Warum sollte ich mir das länger antun? Es gibt auch andere Kandidaten für die Aufgabe. Jetzt habe ich wieder mehr Zeit für meine Doktoranden.
Stärkt Ihr Entscheid jetzt die Atomgegner in ihrer Meinung, dass Sie nicht unabhängig seien?
Ich muss es aushalten, dass andere dies als Schuldeingeständnis sehen könnten. Ich empfehle dem ENSI-Rat aber auf jeden Fall, als Fachmann wieder einen Atombefürworter aufzunehmen. Denn ein solcher hat am wenigsten Interesse daran, dass es zu einem Störfall kommt. Ich weise aufs Schärfste zurück, dass ich jemals aus wirtschaftlichen Überlegungen die Sicherheit vernachlässigt haben könnte.
Sehen Sie sich auch als Bauernopfer in der Atomdebatte?
Nein, ich habe den Entscheid ja selbst gefällt. Ich habe mir sogar überlegt, ob mein Entschluss überhaupt eine Medienmitteilung wert ist. Ich kandidiere einfach nicht mehr. Davor habe ich den Anforderungen genügt und meine Interessensbindungen waren immer öffentlich.
Was halten Sie persönlich von den neuen verschärften Richtlinien?
Ich kann verstehen, dass die Öffentlichkeit in diesem Bereich sehr sensibel ist. Manchmal ist die Einschätzung der Arbeit des ENSI-Rats jedoch falsch. Er erteilt keine Bewilligungen, sondern hat nur eine Aufsichtsfunktion und muss das Funktionieren des Aufsichtsorgans ENSI gewährleisten. Ich habe nie darüber abstimmen müssen, ob ein bestimmtes Kernkraftwerk wieder in Betrieb gehen darf.
Atomgegner fordern, dass auch atomkritische Personen im ENSI-Rat Einsitz nehmen. Wäre das sinnvoll?
Das wird die Zukunft zeigen. Meiner Meinung ist die Unterscheidung zwischen Atomkritiker und -befürworter nicht immer so klar. Aber warum sollte ein Atomkritiker nicht in diesem Gremium arbeiten, wenn er fachkundig ist? Und solche Experten gibt es.
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Alle 30 Kommentare






























Oh je, oh je, oh je...
Sind wieder alles Experten am schreiben?! Die Betreiber der AKW's sind WIR, das Volk. Somit sind wir auch die Nutzniesser günstigen Stroms und ebenfalls Nutzniesser allfälliger Gewinne. Diese gehen zum allergrössten Teil in die Staatskasse. Warum also künstlich aufregen? Klar werden wir auch für die Entsorgung geradestehen müssen. Wenn den aber demnächst der Strom 3x so teuer wird, Ihr deshalb evtl.Eure Stellen verliert, seit genau auch wieder Ihr am motzen! Wetten?
Billiger Strom...her damit!
Im Ansatz haben Sie die Problematik bereits erfasst: Den billigen Strom gibts heute, und übermorgen bezahlen wirs sehr teuer bei der Stilllegung der fünf AKWs und der Endlagerung auf ewig. Summa summarum war dann das AKW-Abenteuer ein sehr sehr teures Vergnügen. Was nützt Ihnen billiger Strom, wenn Sie mit Ihren Steuern alleine für die Stilllegung über 40 Mrd. CHF mitbezahlen müssen? Das sind Dimensionen, die nicht rechtfertigen, dass ich heute ein paar Rappen pro kWh geizen kann.
@Daniel Wismer
Gute Information ist alles! Laut meinem Wissen sind für die Rückbauten genügend Mittel zurückgelegt worden. Ich mag keine Grundsatzdiskussionen. Einen Ausstieg werden wir wohl Alle wollen. Aber nicht um jeden Preis und schon gar nicht überhastet, um dann bei Stromengpässen auf die ach so tollen AKW's oder gar Kohlekraftwerke der Nachbarländer zurückgreifen zu müssen. Es geht nicht um ein paar Rappen, es geht um unseren derzeitigen Wohlstand!
Es nützt Ihnen beispielsweise,
um hier Ihren Senf ausbreiten zu können, was Sie ohne diesen billigen Strom nicht könnten, Herr D.W. Die Kosten des Rückbaus sind in den Preisen enthalten und selbst, wenn der Steuerzahler noch 3-4 Mia drauflegen muss, war's noch billig. Wenn das für Sie keine Rechtfertigung ist, dann haben Sie heute offenbar schon teuren Alternativstrom, oder predigen Sie auch gerne Wasser, während Sie Wein saufen?
Hybridreaktor wär eine Lösung
die Lösung könnte ein Hybridreaktor sein. Mit so einem Reaktor könnte auch das Problem mit der Endlagerung von Hochradioaktivem Material gelöst werden. Das alte hochstrahlende Material wird transmutiert und der Rest strahlt 100 Jahre schwach. Zudem wird noch Energie produziert. So ein Ding sollte man nur schon bauen um den alten Müll zu entsorgen.
Was war sein Job?
Was war bei Mühleberg? Hat da der Spezialist Prasser nicht gemerkt, dass das AKW absolut unsicher ist! Soviel zu: Es ist besser, AKW-freundliche Personen im ENSI zu haben.
Worthülsen
Was ist den am AKW Mühleberg absolut unsicher? Bitte Fakten und keine leere Worthülsen!
Felsanker - Drahtseile in Mühleberg
Wenn ich ein Milchkesseli mit Schnüren einwickeln muss, damit aus den Rissen keine Milch quillt, dann ist das unsicher Herr Geisseler
Nanu
Die Fakten sind allgemein bekannt und die erlaubte Anzahl Text begrenzt. Allein schon die Wahl des Standortes ist doch ein tragischer Unfall.