Alk-Verbot und Zug-Zwang

20. November 2012 17:37; Akt: 20.11.2012 18:08 Print

«Man darf nicht alle Fans bestrafen»

von J. Pfister - Fanarbeiter und Klubs kritisieren das verschärfte Hooligan-Konkordat als übertrieben. Sie hoffen auf die Kantone, wo sich Widerstand regt. In Zürich wird wohl das Volk das letzte Wort haben.

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Kommt nicht nur bei den Fans schlecht an: Kombi-Tickets und Alkoholverbote stossen auch in Kantonen auf Widerstand.

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Die Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) zeigt Sportfans die gelbe Karte: Fussball- und Eishockeyanhänger, die ein Hochrisiko-Spiel besuchen, erhalten ab Sommer 2013 in und ums Stadion keinen Alkohol mehr. Zudem müssen sie zwingend im Extrazug anreisen, wenn sie in den Gästesektor wollen.

Für den Fussballfan und SP-Nationalrat Eric NussbaumerEric
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(BL) entspringen diese Massnahmen einem «verirrten Sicherheitsdenken». Gerade beim Kombi-Ticket sei eine Umsetzung praktisch unmöglich: «Wie soll denn kontrolliert werden, dass ja kein Fussballfan den normalen Zug nimmt statt den Fanzug», fragt der Captain des FC Nationalrats. Ähnlich klingt es bei den Klubs. «Die Fans zum Erwerb von Kombitickets zu zwingen, erachten wir als eine Einschränkung der persönlichen Freiheit», schreibt der Grasshopper Club Zürich. Zudem würden Fans, die anderswo als in Zürich leben, vom Gästesektor praktisch ausgeschlossen.

Ins gleiche Horn stösst die Swiss Football League (SFL). Sie bezweifelt, dass die Kombi-Tickets und die ID-Kontrollen bei den Stadioneingängen verhältnismässig sind. «Repressive Massnahmen sollen sich immer gegen Täter, nicht aber gegen Matchbesucher oder gar die Sportarten Fussball und Eishockey richten», schreibt die SFL.

2000 Unterschriften beisammen

Unzufrieden ist auch Thomas Gander, Geschäftsleiter von Fanarbeit Schweiz. Für ihn bergen die Massnahmen viel Konfliktpotential. «Bei einem Alkoholverbot steigt die Tendenz, dass Leute im Vorfeld des Spiels mehr trinken und alkoholisiert ins Stadion gelangen.» Es sei bedauerlich, dass solche Argumente und Bedenken bei der KKJPD kein Gehör fanden. Gander appelliert deshalb an die kantonalen Parlamentarier, die Vorlage kritisch zu prüfen. Sie sind es, die über die Umsetzung der Massnahmen im Rahmen des Hooligankonkordats entscheiden.

In St. Gallen und Appenzell Innerrhoden ist es dafür allerdings zu spät - dort sind die Verschärfungen bereits in Kraft getreten. Luzern, Uri und Zürich haben dem Hooligankonkordat ebenfalls grünes Licht erteilt - allerdings läuft dort noch die Referendumsfrist. Und gerade in Zürich stehen die Chancen gut, dass das Volk am Schluss über Alkoholverbot und Kombitickets entscheiden wird.

«Es sind bereits rund 2000 Unterschriften für das Referendum gesammelt», sagt Luca Maggi, Präsident der Jungen Grünen Zürich und Unterstützer des Referendums «Kollektivbestrafung Nein». Das Komitee ist ein Fanbündnis von Anhänger der Clubs GC, FCZ, FC Winterthur, ZSC und Kloten Flyers. Maggi ist überzeugt, dass die nötigen 3000 Unterschriften bereits am nächsten Wochenende beisammen sein werden. Die Referendumsfrist läuft noch bis 15. Januar, zu einer Abstimmung müsste es in den darauf folgenden zehn Monaten kommen. Damit könnte das Referendum ausgerechnet mit dem Entscheid zum neuen Fussballstadion zusammenfallen.

Basel und Bern formieren sich

Widerstand formiert sich nicht nur in Zürich, sondern auch in Bern und Basel. In Bern tritt ein Komitee mit Vertretern aus allen Parteien gegen die Verschärfungen an, über die der Grosse Rat voraussichtlich im nächsten März entschieden wird. In Basel wurde die Ratifizierung des Konkordats bereits einmal verschoben, weil der derzeitige Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass eine Niederlage im Parlament befürchtet hatte. Unter dem voraussichtlichen Nachfolger Baschi Dürr werden die Verschärfungen einen noch schwereren Stand haben. Er hat schon mehrmals das Konkordat als «Wettrüsten» kritisiert.

Die KKJPD hat wenig Verständnis für die Kritik. «Man darf nicht vergessen, dass die Regelungen betreffend Alkoholverbot und Kombi-Tickets nur die Hochrisikospiele betreffen», sagt Generalsekretär Roger Schneeberger. Das seien unter 10 Prozent der Spiele. «Die Fans haben es in der Hand, dass es noch weniger werden.» Was die Umsetzung der Massnahmen angeht, gibt auch Schneeberger zu, dass gerade beim Kombi-Ticket einige Fragen offen sind. Deshalb hofft er auf das neue Personenbeförderungsgesetz. Dieses würde die Grundlage schaffen, dass Transportunternehmen Fans zur Benutzung von Extrazügen und Bussen verpflichten können. Die Vernehmlassung dauert noch bis Ende November.


Mitarbeit: Eva Tedesco

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Die neusten Leser-Kommentare

  • c. marti am 23.11.2012 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Die Fans bestimmen selbst

    Wenn sich die Fans anständig verhalten, auf Pyros und Schlägereien verzichten, dann erledigt sich das Problem von selbst, weil dann alle Spiele "grün" sind. Das wären dann richtig paradiesische Zeiten für alle echten Fussball-Liebhaber.

  • housi rauch am 22.11.2012 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    Kollektivstrafen

    Kollektivstrafen sind verboten!!!!

  • Schweinerei am 22.11.2012 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Zweiklassengesellschaft

    Und das beste am Alkoholverbot ist, dass die VIP Zone weiterhin ihre cüpplis ausschenken darf!

  • Cyril Arnould am 21.11.2012 21:53 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    Als EHCB-Fan, der bei Rapperswil in der Nähe wohnt, finde ich die Kombi-Tickets absoluten Schwachsinn. Zumal mein GA im Fancar sicher nicht gültig sein wird. Vom Alkoholverbot ganz zu Schweigen. Die ganze Aktion schürt doch nur den Polizeihass.

  • R. Schaffer am 21.11.2012 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das einzige

    Sind wir ehrlich, das einzige, was auf lange Sicht was bringen würde, ist ein Spielabbruch bei Pyros oder Gewalt. Das Spiel wird nicht wiederholt und beide Mannschaften erhalten keine Punkte. Wenn die Randale erst nach dem Spiel stattfinden gibts eine Anulation des Spiels, ebenfalls keine Punkte und auch keine Wiederholung. Mehr brauchts nicht.

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