Zürich

19. Juni 2015 12:35; Akt: 19.06.2015 13:37 Print

Herkunft von Straftätern soll verschwiegen werden

Ausländer oder Schweizer? In Zukunft soll die Herkunft eines Verhafteten nicht mehr in die Medienmitteilung der Zürcher Polizei. Ein Novum für die Schweiz.

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«Die Angabe nützt niemandem etwas.» Min Li Marti kritisiert die bisherige Praxis der Stadtpolizei Zürich. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

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Die Zürcher Stadtpolizei soll in Pressemitteilungen auf die Nationalität von Täterinnen, Tätern und Opfern verzichten. Dies fordert eine Mehrheit von SP, GLP, Grüne und AL des Zürcher Gemeinderats. Der Vorstoss soll in einer der nächsten Sitzungen behandelt werden und dank der Unterstützung des Stadtrats hat er gute Chancen, angenommen zu werden. Dann wäre Zürichs Polizei das erste Schweizer Korps, dass auf Herkunftsangaben verzichtet. Auch auf Nachfragen der Journalisten soll die Nationalität nicht bekanntgegeben werden.

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Soll die Nationalität von Straftätern in den Medien veröffentlicht werden?
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«Die Nationalität liefert keinerlei Erkenntnisgewinn über ein Verbrechen», sagt SP-Fraktionspräsidentin Min Li Marti gegenüber dem «Tages Anzeiger». Sie hat gemeinsam mit dem grünliberalen Gemeinderat Samuel Dubno das Postulat eingereicht. «Die heutige Praxis schürt Vorurteile. Und führt dazu, dass die Polizei Ausländer öfter kontrolliert», so Marti. Die Nationalität sage so wenig über die Täter aus wie deren Religion, sexuelle Orientierung oder politische Haltung. Wichtige Faktoren wie Alter, Bildung, soziale Schicht würden aber ausgeblendet. Darunter leide die grosse Mehrheit der Ausländer, die sich nichts zuschulden kommen lasse.

Gegenbewegung zu St. Gallen

In der Ostschweiz sorgte 2011 eine Volksinitiative der Jungen SVP dafür, dass nicht nur Ausländer als solche in Medienmitteilungen erwähnt werden, sondern auch eingebürgerte Schweizer. Die Kapo St. Gallen darf als einziges Korps auch die frühere Nationalität von eingebürgerten Tätern und Verdächtigen aufführen. Ansonsten richten sich die Schweizer Polizeikorps nach den Richtlinien der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten. Diese empfehlen, bei Tatverdächtigen das Alter und die Nationalität, wie sie im Pass steht, zu erwähnen.

Seit Beginn der Nullerjahren übernehmen fast alle Schweizer Medien die Herkunftsangaben der Polizei, so auch 20 Minuten. Bis dahin galt es als Verstoss gegen das «journalistische Diskriminierungsverbot», die Nationalität eines Täters explizit zu erwähnen.

Mit dem Verzicht auf die Angaben würde Zürich laut Marti eine Vorreiterrolle übernehmen, aber «wir fordern nur etwas, das sehr lange normal war in der Schweiz».

(ale)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto B. am 19.06.2015 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Genau das ist euer Problem...

    Leute vor sich selber schützen wollen - Leute nur mit gefilterten Informationen versorgen. Nein! Alles transparent! Ihr geht einfach implizit davon aus, dass das Volk nicht euren Level von Verständnis hat. Keine Stimme für Links-Grün!

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  • Toni Maroni am 19.06.2015 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Klar

    Sie wollen gegen Vorurteile ankämpfen? Die Leute, die Sie damit decken, können diese Vorurteile gerne widerlegen... in dem sie das Verbrechen nicht begehen. Am besten gleich noch vertuschen, dass es überhaupt Verbrechen gab.

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  • ROLI Kanchanaburi am 19.06.2015 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Richtiger Zeitpunkt

    Genau DAS braucht es jetzt noch vor den Wahlen im Herbst! Sich selber abschaffen, das Motto der Linken.

Die neusten Leser-Kommentare

  • theo am 22.06.2015 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Nützt niemandem etwas?

    Ohne Nationalstolz kein Interesse... Es gibt noch Bürger, welche an der Schweiz Anteil nehmen, diese wollen es ungefiltert wissen. Und abgesehen davon, Schweizer werden so auch an den Pranger gestellt, also mit Publizierung ist es auch fair.

  • Morgan Schwab am 21.06.2015 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Es ist richtig so. Neutral gehaltene Meldungen. Sonst kommt wieder so ein dummes SVP-Plakat... Nur weil ein einziger Kosovare etwas getan hat, was ein Verbrechen ist, wurde damit eine ganze Volksgruppe diskriminiert.

    • linus am 22.06.2015 13:11 Report Diesen Beitrag melden

      Lieber in der Masse untertauchen?

      Ich bin nicht nur Schweizer sondern auch Eidgenosse und ich will wissen, was in meinem Land abgeht. Mir wird auf diese Art und weise die Basis für künftige Abstimmungen entzogen.

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  • Hans-Peter Graber am 20.06.2015 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Hat die SP keine anderen Themen

    Eine Schnapsidee. Mich wundert, dass eine Fraktionspräsidentin keine anderen Sorgen hat. Zu einer Mitteilung gehört weiterhin die Nationalität des Täters oder des Opfers, auch wenn das gewissen Kreisen nicht passt.

  • Justicia am 20.06.2015 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Wenn einer nicht die Wahrheit sagt ( sagen will, sagen darf ), dann hat es einen Grund. Diesen möchte ich gerne kennen...

  • .. am 20.06.2015 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst

    Sollte man mal für die selben Verbrechen auch die gleichen Begriffe verwenden... Dann spielt die Nationalität plötzlich eine Nebenrolle...