Töff- und Autofan Wobmann

10. März 2014 16:26; Akt: 10.03.2014 14:40 Print

«Ich habe das Benzin einfach im Blut»

von J. Büchi - Beflügelt vom Nein zur teureren Vignette zieht SVP-Nationalrat Walter Wobmann in den nächsten Kampf für weniger Strassenabgaben: Die Milchkuh-Initiative soll Autofahrer entlasten.

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Walter Wobmann 2011 bei der Einreichung einer Petition zur Aufhebung des Rundstreckenverbotes. Seither setzte er sich immer wieder prominent für die Interessen von Auto- und Töfffahrern ein. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

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Herr Wobmann, die Unterschriften für die Milchkuh-Initiative sind eingereicht. Ist das der Befreiungsschlag für die – aus Ihrer Sicht «gemolkenen» – Autofahrer?
Ich hoffe es! Ich komme gerade von der Einreichung der Unterschriften. Es ist eine grosse Freude, dass es geklappt hat, innerhalb eines Jahres die nötigen Unterschriften zusammenzubekommen. Das zeigt, dass das, was wir jetzt verlangen, längst überfällig ist.

Im November haben Sie die vergleichsweise moderate Vignetten-Preiserhöhung auf 100 Franken gebodigt. Haben Sie den Sieg in der kommenden Abstimmung, in der es um Abgaben in Milliardenhöhe geht, also schon so gut wie auf sicher?
Nein, sicher ist gar nichts. Auch das wird ein intensiver Abstimmungskampf. Die Vignetten-Abstimmung hat aber gezeigt, dass vielen Leute nicht bewusst war, wie sie beim Autofahren ausgenommen werden. Sie wussten nicht, wie viele Abgaben sie leisten müssen.

Ist das der Grund, weshalb sich die Strassenlobby jetzt mit solchem Getöse zurückmeldet? Vor dem Vignetten-Referendum gab es fast zehn Jahre lang keine Abstimmung mehr zum Strassenverkehr – und jetzt sind gleich drei Autovorlagen in der Pipeline: neben der Milchkuh-Vorlage auch eine für höhere Tempolimiten und eine für mehr Autobahnen.
Wir müssen jetzt die Fehlentwicklungen der letzten 20 Jahre korrigieren. Die grossen Verbände haben zu lange weggeschaut – aus Angst, an der Urne zu verlieren. Mit dem Nein zu teureren Vignetten habe ich nun bewiesen, dass man im Privatverkehr noch Abstimmungen gewinnen kann. Ich habe mir gesagt: Wenn man nicht antritt, hat man erst recht verloren. Jetzt herrscht Aufbruchstimmung. Natürlich werde ich mich nicht nur für die Milchkuh-Initiative, sondern auch für die anderen beiden Vorlagen einsetzen.

Das überrascht nicht. Sie sind ja quasi zum Gesicht des Widerstands der Autofahrer geworden. Wie kamen Sie dazu?
Ich habe einfach Benzin im Blut. Auto und Motorrad spielten in meinem Leben immer eine wichtige Rolle. Motorradsport ist mein grosses Hobby. Nicht umsonst bin ich auch Präsident der Föderation der Motorradfahrer – also «höchster Töfffahrer» der Schweiz. Es liegt aber vor allem an meinem Wechsel in die Verkehrskommission, dass ich mich nun voll für die Anliegen von Auto- und Töfffahrern einsetzen kann.

Als Nächstes wird sich das Stimmvolk wohl mit den Plänen für einen Strassenfinanzierungsfonds beschäftigen. Darin enthalten ist eine geplante Erhöhung der Mineralölsteuer um 15 Rappen. Sie wehren sich dagegen. Mit welchen Mitteln soll der Fonds denn aus Ihrer Sicht genährt werden?
Fliessen die Abgaben des Strassenverkehrs – wie von unserer Milchkuh-Initiative verlangt – in die Strasse zurück, können wir damit alles finanzieren. Eine Erhöhung des Benzinpreises wäre vorerst nicht nötig.

Wird die Quersubventionierung gestrichen, sind die Bahnkunden die Leidtragenden. Diese zahlen für ihr GA oder Halbtax ohnehin schon jedes Jahr mehr, während der Vignettenpreis und die Mineralölsteuer seit Jahrzehnten nicht mehr an die Teuerung angepasst wurden. Sind es nicht die ÖV-Benutzer, die sich gemolken vorkommen müssen?
Nein, wieso? Die Bahnkunden zahlen ja gar nichts an die Strasse. Die Autofahrer müssen hingegen alles Mögliche mitfinanzieren.

Legen Sie es auf einen Grabenkampf zwischen Strasse und Schiene an?
Ich will den ÖV überhaupt nicht bekämpfen, ich bin sogar Präsident des Postautoverbands. Es wird und muss aber Diskussionen über die Verteilung geben. Nochmals: Es ist nicht an den Autofahrern, alles zu bezahlen. Sie dürfen nicht noch mehr belastet werden und die Strasseninfrastruktur muss der heutigen Situation angepasst werden, sonst droht uns ein Verkehrskollaps.