Umfrageresultate

19. November 2014 16:58; Akt: 19.11.2014 21:58 Print

3 x Nein – alle Initiativen werden abgelehnt

von J. Büchi - Die Ecopop-, Pauschalbesteuerungs- und auch die Goldinitiative werden am 30. November aller Voraussicht nach abgelehnt. Dies zeigen die Umfragen von 20 Minuten und SRG.

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Alle drei eidgenössischen Vorlagen dürften am 30. November vom Volk versenkt werden. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

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Die geschlossene Ablehnung aller grossen Parteien und des Bundesrats gegen die Ecopop-Initiative zeigt offenbar Wirkung: Nachdem zu Beginn des Abstimmungskampfs noch mehr als jeder Zweite ein Ja zur Initiative einlegen wollte, hat der Wind nun deutlich gedreht: Stimmten dem Anliegen in einer zweiten Welle der 20-Minuten-Befragung noch 46 Prozent zu, ist dieser Anteil nun in der letzten Umfragerunde auf 36 Prozent gesunken.

Die Ablehnung der Initiative scheint gewiss: 58 Prozent sagen Nein, vier Prozent «eher Nein». Nur gerade 2 Prozent sind unentschlossen. Die Aufschlüsselung nach Parteisympathien zeigt: Nur noch bei den SVP-Wählern will eine Mehrheit (73 Prozent) der Initiative zustimmen. Bei den Sympathisanten der Grünen, die in der ersten Befragung auch noch mehrheitlich ein Ja eingelegt hätten, liegt der Anteil inzwischen bei 34 Prozent.



(Umfrageresultate 20 Minuten, Grafik: Ethel Keller)

Gold- und Pauschalbesteuerungsinitiative

Auch die Zustimmung zur Goldinitiative ist massiv zurückgegangen. Gerade noch 28 Prozent wollen das Begehren annehmen. 64 Prozent sind dagegen, der Rest konnte sich noch nicht auf eine Position festlegen. Als Hauptgrund für ihre Ablehnung gaben die Gegner der Initiative an, sie sähen die Unabhängigkeit der Nationalbank gefährdet. Für die Befürworter steht im Vordergrund, dass das im Ausland gelagerte Gold zurück in die Schweiz müsse und die Nationalbank genügend Reserven brauche.

Ein Rückschlag sind die Umfrageresultate auch für die Initianten der Pauschalbesteuerungsinitiative. Bis anhin sah es aus, als hätte diese Vorlage an der Urne noch die besten Chancen. Nun geben nur noch 44 Prozent an, die Pauschalbesteuerung abschaffen zu wollen. 53 Prozent wollen die Initiative ablehnen. Bei diesem Anliegen zeigt sich auch die grösste Spaltung zwischen den Sprachregionen: In der Romandie, wo der Grossteil der Pauschalbesteuerten lebt, ist die Zustimmung mit 37 Prozent deutlich tiefer als in der Deutschschweiz (48 Prozent).

Genauso wie die gewichtete Umfrage von 20 Minuten kommt auch die Befragung des Forschungsinstituts GFS Bern für die SRG-Medien zum Schluss, dass drei ablehnende Entscheide resultiert wären, wäre letzte Woche abgestimmt worden. Die Zustimmung zur Ecopop-Initiative liegt laut dieser Umfrage drei Prozentpunkte höher (39 Prozent Ja), jene zur Pauschalbesteuerung 2 Prozentpunkte tiefer (42 Prozent Ja). Grösser ist die Differenz bei der Goldinitiative: Dort sagen gemäss GFS 38 Prozent Ja, 47 Prozent Nein. Auch dies bedeutet gegenüber der letzten Umfragewelle aber einen Rückgang.

«Ecopop ist ein absoluter Spezialfall»

Dass die Zustimmung zu einer Initiative im Laufe des Abstimmungskampfs sinkt, entspricht laut Abstimmungsexperte Thomas Milic dem bekannten Meinungsverlauf: Initiativen greifen meist Themen auf, die die Bevölkerung stark bewegen. Sobald die Gegner ihre Argumente präsentierten, gelangten viele Stimmbürger zum Schluss, dass die Initiative nicht die richtige Lösung für das Problem sei. Sie wechselten deshalb in das Lager der Gegner. Mit diesem Verlauf dürfte laut Milic der Rückgang des Ja-Anteils bei Pauschal- und Goldinitiative zu erklären sein.

Der Fall Ecopop ist laut dem Politologen komplexer: «Wir wissen aus Erfahrung, dass die Meinungen in ausländerpolitischen Fragen oft schon früh sehr gefestigt sind. Es wäre erstaunlich, wenn dies bei Ecopop nicht so wäre.» Dafür, dass die Zustimmung nun trotzdem markant gesunken ist, gibt es für Milic neben der massiven Gegenkampagne von Wirtschaft und Politik noch eine andere mögliche Erklärung. «Ecopop ist ein absoluter Abstimmungsspezialfall, wie wir ihn in dieser Form noch fast nie erlebt haben.»

Es handle sich um eine rechtskonservative Sachfrage, die aber aus dem linken Spektrum komme. Dazu kommt: Obwohl alle grossen Parteien offiziell die Nein-Parole herausgegeben haben, liessen einzelne hochrangige Politiker durchblicken, dass ihnen ein hoher Ja-Anteil doch gelegen käme. «Diese ungewöhnlichen Konstellationen dürften bei den Stimmbürgern zu gewissen Orientierungsschwierigkeiten führen», so Milic. Die Leute würden weniger als gewöhnlich auf die Parolen der Parteien oder ihr Bauchgefühl vertrauen. Und einige dürften aus rein strategischen Gründen Ja stimmen. Kurz, es brauche vermutlich weniger als sonst, damit sich die Leute noch umentschieden. «Es ist deshalb auch nicht auszuschliessen, dass es in den Tagen bis zum Urnengang nochmals zu einem Meinungsumschwung kommt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom Besorgter am 19.11.2014 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Konsequenzen tragen

    Dann ist das Schweizer Volk selber schuld, es soll dann keiner jammern, vor allem die Linken und Grünen nicht, wenn sich der Neoliberalismus voll durchsetzt zu Lasten der Mieter, Arbeitnehmer und Älteren. Jede JA-Stimme zählt, sonst fühlt sich der Bundesrat bestätigt, die MEI nicht umzusetzen.

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  • Fredy Züger am 19.11.2014 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Typische Prognosen der Massenmedien

    Bitte nicht immer diese unseriösen Berichterstattungen! Erst mal abwarten bis der 30. Nov durch ist.

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  • j.s. am 19.11.2014 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Ja was..

    Also dazu kann ich nur sagen: So ein Seich. Keine Argumente, keine Beweise, wäre zu schade. So ein Seich.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schweizerin am 20.11.2014 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wir meinen etwas anderes...

    Toll, wir haben als Familie schon abgestimmt. Aber bei allen 3 Abstimmungen, nicht dies notiert was hier im Text vorprophezeit wird. Darum ein klares "JA",

  • Ricola der EU-Bürger am 20.11.2014 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    in 20 Jahren heisst es wiedermal:...

    "Wer häts erfunde"? In 20 Jahren oder früher: Nachdem die EU/Euro im Zerfallen ist wird der CHF in Europa dank der hohen Goldreserven via Goldinitiative zur Leitwährung, Britzerland mit dem Commonwealth und den Skandinavier haben längst eine Freihandelszone gebildet (ehemals EFTA), wo sie mit China und Russland erfolgreich Handel treiben. Das Problem der PFZ wurde in vielen Länder Europas Schritt für Schritt nach den schweiz. ECOPOP-Prinzip (Zuwanderung=Abwanderung + jährlich max. 0.2% der akt. Wohnbevölk.) unter Kontrolle gebracht. Deutschland dagegen versinkt in Überfremdung und Altersarmut

    • Biene am 20.11.2014 14:51 Report Diesen Beitrag melden

      Kinderarmut ebenfalls

      Kinderarmut nicht zu vergessen. In Deutschland leben bereits wieder 12.6 % aller Kinder unter der Armutsgrenze. Wie wird uns doch immer so schön erzählt? Kinder sind unsere Zukunft. Sie sind die Wähler von Morgen.

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  • Markus am 20.11.2014 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Das Volk und nicht die Medien haben das

    Sagen - die Medien-Diktatur was wir abstimmen sollen oder nicht, ist eine Frechheit.

  • Biene am 20.11.2014 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Blanco Check

    Mit einem Nein werden wir mehr den je zum Spielball der Wirtschaft /Lobbyisten. Sie werden dieses Nein sicher bestens für IHRE Zwecke zu nutzen wissen. Wohin deren Trend führt zeigen doch jetzt schon die vielen Ausgesteuerten Schweizer und arbeitslosen Lehrabgänger. Meckern oder schimpfen dürfen wir natürlich danach auch weiterhin, nur bringen wird es gar nichts mehr. Mit dem Nein haben wir ihnen ja per Volksentscheid den Blanco Check in die Hand gelegt.

  • D. Enk am 20.11.2014 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Allheilmittel

    Keine Arbeit, zu wenig Einkommen, zu wenig ausbildung, keinen sitzplatz, zuwenig gold, ungebildetes Kind, zu kleine wohnung, zu gross Ansprüche, der Nachbar nervt, der Vorgesetzte auch, das Wetter ist schlecht, die Sonne zu grell, Angstzustände: Die Lösung naht: ECOPOP und deine Probleme gehören der Vergangenheit an. Zu schön um wahr zu sein

    • Hammerthor am 20.11.2014 13:43 Report Diesen Beitrag melden

      Sie sollten nicht die Bedenken der Leute

      ...ins Lächerliche ziehen. Das tut schon der BR und die CP. Der abhängige BR und die CP habe keinen Plan. Der Souverän erkennt, dass sein Wille nicht umgesetzt oder verzögert oder verwässert wird. Jetzt sieht er die Chance, dass die bei den Bilateralen gelogen max 10'000 etwas korrigiert werden können ohne, dass der BR bei der Umsetzung etwas verwässern kann. Zuwanderung FIX 0.2% + Kompensierung der Abgewanderten. Somit sind wirr immer noch deutlich über der vom BR damals gelogen 10'000 Nettozuwanderung. JA zu ECOPOP!

    • D. Enk am 20.11.2014 14:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Spiegel

      @hammertor: tut mir leid, ich ziehe Sie nicht ins lächerliche, das machen Sie selbst von alleine. Alles was ich aufgezählt habe stammt aus den Kommentaren hier.

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