Zurückgekehrte Jihadisten

05. Januar 2016 05:46; Akt: 05.01.2016 09:46 Print

«Sie könnten vom IS ausgebildet worden sein»

Die Winterthurer IS-Geschwister sind in Gewahrsam und werden befragt. Ein Terrorismus-Experte rätselt, wieso sie wieder zurückkommen konnten.

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Die Winterthurer Geschwister V.* (17) und E.* (16) sind aus Syrien zurückgekehrt. Sie wurden rund ein Jahr nach ihrer mutmasslichen Abreise nach Syrien am 29. Dezember am Flughafen Zürich verhaftet. Seither befinden sie sich in Gewahrsam der Jugendanwaltschaft. Ermittler werden mit Befragungen versuchen herauszufinden, wieso die Geschwister zurück sind.

Die Jugendanwaltschaft hat aber weitere Möglichkeiten an die Wahrheit zu kommen: Im Fall eines 2014 zurückgekehrten Jihad-Reisenden aus der Romandie griffen sie auch auf Befragungsprotokolle eines Rückkehrers in Frankreich zurück, der den Schweizer kannte. Das kann man dem von der Bundesanwaltschaft ausgestellten Strafbefehl entnehmen. Ausserdem wurden damals unzählige Computer- und Mobiltelefondate ausgewertet, Hausdurchsuchungen vorgenommen und Befragungen im Umfeld getätigt.

Zu beantworten ist unter anderem die Frage, wieso die beiden Jugendlichen wieder zurückgekommen sind. Terrorismusexperte Lorenzo Vidino sieht drei mögliche Erklärungsansätze.

Herr Vidino: Waren E. und V. wirklich beim IS und konnten wieder gehen?
Man sagt, der IS lässt niemanden mehr gehen. Wer einmal dort sei, komme nicht mehr zurück. Aber wir wissen von wenigen Leuten, die zurückgekehrt sind. Umgekehrt gibt es viele Hinweise, dass Leute versucht haben zu fliehen und deswegen getötet oder gar exekutiert wurden.

Es ist also eher unwahrscheinlich, dass die beiden frei entscheiden konnten?
Wenn sie wirklich in Raqqa waren, würde ich diese Version für die am wenigsten wahrscheinliche halten. Aber man hat es überall mit Menschen zu tun. Vielleicht hatte jemand Erbarmen mit ihnen.

Was glauben Sie, könnte eher passiert sein?
Die beiden könnten es geschafft haben, aus dem IS-Territorium zu fliehen. Es könnte auch sein, dass ihre Eltern sie freigekauft haben. Ich habe aber nur von einem Fall gehört, in dem Eltern das probiert haben. Sie hatten keinen Erfolg.

Könnten sie auch vom IS zurückgeschickt worden sein, um Attentate zu verüben?
Das wäre eine weitere Möglichkeit. Dann hätten sie beim IS eine komplexe Ausbildung absolviert. Ein Jahr würde reichen, um die beiden zu trainieren und ihnen alles Nötige beizubringen.

*Namen der Redaktion bekannt.

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